Olli Kahn im Land der viereckigen Eier

Samstag, 15. Juni 2013

In Sport-Wort RETRO zeigen Kolumnen aus früheren Jahren mit einem Augenzwinkern, was damals bedenkenswert erschien – und was sich inzwischen geändert hat. Heute: Die Ausgabe vom 15.Juni 2001: Beginn der fußballlosen Zeit…

„Bei den meisten Menschen verläuft der Urlaub im Sande“, spottet Satiriker Gerhard Uhlenbruck. Nicht so bei unseren Sportlern! Vergessen Sie, was Sie in anderen Zeitungen über deren Reiseziele lesen: alles gelogen! In Wirklichkeit geht es nicht um Strand, Sonne und Erholung, sondern um Fortbildung. Die härtesten Ziele:

Jens Lehmann: Peking. Kein Keeper von Klasse kassiert so viele Katastrophentore. Damit ist künftig Schluss, denn der Schalker Schlußmann buchte einen Intensivkurs bei der besten Betonabwehr der Welt, die chinesischen Mauer: Die hielt Jahrtausende lang sogar die wilden mongolischen Reiterstürme aus dem Strafraum raus!

Schumi I: Rom. Der Weltmeister besucht im Vatikan Vorlesungen zum Thema „biblische Brüder“. Erstes Exempel: Jakob. Der wollte Esau schon bei der Geburt überholen – als der Ältere zur Welt kommen sollte, hielt ihn der Jüngere an der Ferse fest. Vorsicht, Ralf: als zweites Beispiel folgt „Kain und Abel“, und Abel war der Jüngere...

Olli Kahn: Studienreise ins Disney-Museum, Orlando/Florida. Der Hobbyforscher interessiert sich für die Originalausgabe des Comic-Klassikers „Im Land der viereckigen Eier“. Darin geht es um ein geheimnisvolles Reich, in dem alles Kanten hat, selbst das, was die Hühner legen. Der blonde Bayern-Ballistiker: „Nach dieser Saison kann ich einfach nichts Rundes mehr sehen!“

Boris Becker: Bildungsurlaub in Hongkong. Begründung: „Dort gibt es die größten Wäschereien der Welt, und demzufolge auch die meisten Wäschekammern.“ Der Leimener Lustikus will ein drängendes Problem nach dem Konditor-Prinzip lösen: Kein Sahnebäcker verbietet seinem Azubi das Naschen, sondern er ermuntert sogar noch dazu, denn der sicherste Weg, sich das Schlecken abzugewöhnen, ist ein verdorbener Magen!

Schumi II: Flitter-Kurs mit Cora auf Raketenstützpunkt bei Pjöngjang. Denn in Nordkorea kommt das Fotografieren auf militärischen Anlagen als Delikt gleich hinter Mord. Typen mit Kamera wandern als Schwerstkriminelle ohne Aufschub in den Knast – und gegen eine angemessene Spende darf Ralf dann vielleicht sogar eigenhändig den Schlüssel wegschmeißen.

Nicolas Kiefer: Yucatan. Der Daviscup-Dauerverlierer will im Land der Mayas sein Weichei-Image loswerden, durch Studium eindrucksvoller Exempel: Die Asse der mittelamerikanischen Hochkultur droschen einst so hart auf Kautschukbälle ein, dass sie sich nur mit dreifachem Unterleibsschutz auf den Platz wagen durften. Verlierer wurden zu lebenden Bällen zusammengeschnürt und die Tempeltreppe hinuntergerollt!

Christoph Daum: Bleibt bodenständig in Bodenwerder, macht ein Praktikum im Baron-von-Münchhausen-Museum – obwohl manche meinen, dass keine der dort gehüteten Lügengeschichten die Haare besser zu Berge stehen läßt als seine eigene. Doch Daum will ja vor allem sehen, wie man sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht. Viel Glück dabei! Wir werden bald wissen, wessen Bildungsurlaub was brachte – und wer nachsitzen muß.

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