James Bond als Luzifer, Facebook als Weltreligion

Montag, 17. Juni 2013

Das Wort vom Sonntag

Die Bundeskanzlerin streicht Balsam auf wunde Christenseelen: Besuch beim Papst, Interviews für katholische Bistumszeitungen, Grundsatzrede auf der Jahrestagung des Evangelischen Arbeitskreises der Union. Otto Wulff, Vorsitzender der Senioren-Union, erkennt starke Signale gegen „stramme aggressive Säkularisten“, die jede Gelegenheit „dazu nutzen, ihre Vorurteile gegen die Kirche zu schüren.“ Besonders viel Applaus erntet Angela Merkels Feststellung, in ihrer Regierungszeit sei der Einsatz gegen die weltweite Christenverfolgung erstmals zum Grundsatz außenpolitischen Handelns erhoben worden. Sören Kierkegaard, „Die Leidenschaft des Religiösen“: „Die Christenheit hat, ohne es recht selber zu merken, das Christentum abgeschafft; daraus ergibt sich, daß, wenn etwas geschehen soll, versucht werden muß, das Christentum wieder in die Christenheit einzuführen.“

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Der hl. Benno von Meißen (um 1010-1106) wird 1085 von Kaiser Heinrich IV. nach langen Streitigkeiten abgesetzt. Bei der Abreise wirft der Kirchenmann den Schlüssel zum Dom in die Elbe: Der Herrscher und seine Mannen sollen nicht in das Gotteshaus einziehen können. Drei Jahre später versöhnen sich die Streithähne, und der Bischof wird wieder eingesetzt. Zur Feier seiner Rückkehr überreicht ihm ein Fischer seinen schönsten Fang, und an den Flossen hängen die versenkten Schlüssel. Seitdem gilt Benno als Fürsprecher gegen Trockenheit, Unwetter und Überschwemmungen. Gestern feierte die katholische Christenheit seinen Gedenktag. Frühere Zeiten hätten die Flut wohl als Strafe für den Unglauben der Menschen betrachtet. Heute sind Naturkatastrophen eine Aufforderung zur (nicht nur christlichen) Nächstenliebe.

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Lesefrüchte aus Oswald Spenglers „Frühzeit der Geschichte“: „Wer im Leben ein Held ist, braucht keine Religion. Er nimmt es mit dem Schicksal selbst auf.“ - „Da alles Nach- und Vordenken einen Trieb zum Denken voraussetzt und Sehwelt als Objekt, so ist alle Religion und Weisheit Abbild der jeweiligen Landschaft und ihrer Seele. Deshalb kann man vom Klima einer Religion sprechen – nicht von deren abstrakter Lehre, sondern von der konkreten Form, die sie am Ort erhalten hat.“ - „Der Norden hat Religion, der Süden hat 'Religionen'. Geschichte wird im Norden gemacht, im Süden ereignet sie sich.“ - „Polytheismus der Katholiken: Nicht nur 'Gott', der Namenlose, dann Maria, Christus, hl. Geist, Engel, Heilige, sondern der Teufel als der böse Gott mit seinen Untergöttern. Man vergißt zu leicht, daß das die Vorstellung eines mächtigen, aber schlechten Gottes ist, dem auch Kulte gehören.“ Auch in unserer Zeit.

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Jeder gute Gedanke ist ein Geschenk Gottes.

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Mörike, „Mozart auf der Reise nach Prag“: „Der Mensch verlangt und scheut zugleich, aus seinem gewöhnlichen Selbst vertrieben zu werden, er fühlt, das Unendliche wird ihn berühren, das seine Brust zusammenzieht, indem es sie ausdehnen und den Geist gewaltsam an sich reißen will. Die Ehrfurcht vor der vollendeten Kunst tritt hinzu: der Gedanke, ein göttliches Wunder genießen, es als ein Verwandtes in sich aufnehmen zu dürfen, zu können, führt eine Art von Rührung, ja von Stolz mit sich, vielleicht den glücklichsten und reinsten, dessen wir fähig sind.“

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Aus einem Hymnus Edith Steins:

  „Mach alles wahr, wie du es planst

  in deinem Rat.

  Wenn still du dann zum Opfer mahnst,

  hilf auch zur Tat.

  Laß überseh'n mich ganz mein kleines Ich,

  daß ich mir selber tot, nur leb' für dich.“

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Der evangelische Blog theopop.de kümmert sich um die Darstellung von Religion in der Popkultur. Themen und Inhalte: „Religiöse Aspekte in Fußballhymnen. Fußballhymnen und Kirchenlieder – auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Liedgattungen. Doch inhaltlich betrachtet gibt es mehr Parallelen, als man zunächst vermutet. Der Verein wird zur Instanz der Ewigkeit, zum Adressat für individuellen Dank. Und er wird als ‚Mittelpunkt des Lebens‘ besungen.“ - „James Bond gegen den Antibond. Einer fällt vom Himmel: Skyfall. Beim ‚Sturz vom Himmel‘ erscheint vor dem inneren Auge Luzifer, einst Fürst unter den Engeln. Er wollte sich partout nicht vor dem Menschen verneigen. Seither ist er der gefallene Engel, der aus dem Schatten heraus für Chaos in der Welt sorgt.“ – „Facebook - die neue Weltreligion? Sektencheck beim weltgrößten sozialen Netzwerk. Facebookianer ‚liken‘, bis der Mausknopf glüht. Sie ‚sharen‘ oder ‚teilen‘ Dinge, die eigentlich nicht teilbar sind. Sie ‚adden‘ (‚Freunde‘) und ‚posten‘ ihren ‚Status‘ auf ihrer ‚Pinnwand‘. Facebook hat bald eine Milliarde Mitglieder, mehr als es Hinduisten auf der Welt gibt. Und das soziale Netzwerk befriedigt Bedürfnisse, die sonst von Religionen angesprochen werden. In wie weit das problematisch sein kann, zeigt ein kurzer Blick auf die Sekten-Checkliste.“ Gehet hin und lehret alle User!

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