Angela Merkel, Helmut Schmidt – die Rache des Rauchers?

Dienstag, 18. Juni 2013

Eine Radfahrerin kommt an einem geparkten Auto vorbei, die Autofahrerin öffnet die Tür, die Radfahrerin stürzt und muss mit einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung ins Krankenhaus. Jetzt misst das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht der Verunglückten 20 Prozent Mitschuld zu: Sie war ohne Helm unterwegs. Konsequenz: Bankkunden sollten Schalterhallen nur mit schusssicherer Weste betreten - es könnte sein, dass dort ein Räuber um sich schießt. Harold Pinter: „Juristen sind Leute, die die Gerechtigkeit mit dem Recht betrügen.“

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Lesefrüchte aus Goethe, „Kampagne in Frankreich 1792“: „So zwischen Ordnung und Unordnung, zwischen Erhalten und Verderben, zwischen Rauben und Bezahlen lebt man immer hin, und dies mag es wohl sein, was den Krieg für das Gemüt eigentlich verderblich macht. Man spielt mit dem Kühnen, Zerstörenden, dann wieder mit dem Sanften, Belebenden; man gewöhnt sich an Phrasen, mitten in dem verzweifeltsten Zustand der Hoffnung zu erregen und zu beleben; hierdurch entsteht nun eine Art von Heuchelei, die einen besonderen Charakter hat, und sich von der pfäffischen, höfischen, oder wie sie sonst heißen möge, ganz eigen unterscheidet.“ – „Bei dem verwegenen frevelhaften Scherzen, welche mitten in dem bedrängtesten Zustand noch Lachen erregten, erinnerte ich mich der leichtfertigen Jäger vor Verdun, welche Schelmlieder singend in den Tod gingen.“ – „Der Mensch, wenn er sich getreu bleibt, findet zu jedem Zustande eine hilfreiche Maxime; mir stellte sich, sobald die Gefahr groß ward, der blindeste Fanatismus zur Hand, und ich habe bemerkt, dass Menschen, die ein durchaus gefährliches Metier treiben, sich durch denselben Glauben gestählt und gestärkt fühlen. Die mahometanische Religion gibt hievon den besten Beweis.“ - „Das Studium der Kunst wie das der alten Schriftsteller gibt uns einen gewissen Halt, eine Befriedigung in uns selbst; indem sie unser Inneres mit großen Gegenständen und Gesinnungen füllt, bemächtigt sie sich aller Wünsche die nach außen streben, hegt aber jedes würdige Verlangen im stillen Busen; das Bedürfnis der Mitteilung wird immer geringer, und wie Malern, Bildhauern, Baumeistern, so geht es auch dem Liebhaber: er arbeitet einsam, für Genüsse, die er mit andern zu teilen kaum in den Fall kommt.“ – „Ich hielt niemals einen Vortrag, ohne daß ich dabei gewonnen hätte; gewöhnlich gingen mir unterm Sprechen neue Lichter auf, und ich erfand im Fluß der Rede am gewissesten.“

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Mit fremden Mitteln soziale Wohltaten finanzieren zu wollen, zählt zu den Vorrechten der Jugend: Sobald das Geld selbst verdient werden will, reduziert sich die Großzügigkeit ganz von allein auf das vernünftige Maß.

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Mendelssohns Klavierquartett Nr.3 b-Moll op.3 sucht und findet eines jener kleinen Geheimnisse, die unser Leben erst lebenswert machen: die gediegene Unterhaltung höherer Qualität und tieferen Sinns.

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In Henry Millers Erzählung „Der Veteran“ sagt ein Säufer, dem der Autor in New Orleans begegnet: „Wir haben keinen Stoff für ein Gedicht, außer Tod und Verzweiflung. Man kann kein Gedicht über ein Automobil oder eine Telefonzelle schreiben. Zuerst einmal muß das Herz intakt sein. Man muß an etwas glauben können. Die Werte, die man uns als Kinder zu achten gelehrt hat, sind alle vernichtet. Wir sind keine Menschen mehr, wir sind nur noch Automaten.“ – „Der letzte Krieg tötete unsere Impulse. Wir sind nicht mehr empfänglich, wie reagieren nur noch. Wir sind die verlorene Schar der besiegten Erzengel.“ – „Ist man ganz abgebrannt, dann ist eure Freiheit keinen Pfifferling wert. Und wenn man dazu noch alt ist, dann bedeutet sie das nackte Elend. Die Menschen sind viel gütiger zu Tieren, Blumen und Geisteskranken. Die Zivilisation ist ein Segen für die Untüchtigen und Degenerierten – die anderen zerbricht und demoralisiert sie.“ – „Kein Schriftsteller taugt etwas, wenn er nicht gelitten hat.“ Millers Freund Rattner sagt: „Der Mensch hält es einfach nicht aus, zu viel Gutes zu haben.

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Wieland, „Oberon“:

  „Du kleiner Ort, wo ich das erste Licht gesogen,

  Den ersten Schmerz, die erste Lust empfand,

  Sei immerhin unscheinbar, unbekannt,

  Mein Herz bleibt ewig doch vor allen dir gewogen,

  Fühlt überall nach dir sich heimlich hingezogen,

  Fühlt selbst im Paradies sich doch aus dir verbannt;

  O möchte wenigstens mich nicht die Ahnung trügen,

  Bei meinen Vätern einst in deinem Schoß zu liegen.“

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Am Montag melden Zeitungen, die Bundesregierung wolle Menthol-Zigaretten verbieten. Heute melden Zeitungen, Altbundeskanzler Helmut Schmidt habe der Kanzlerin in einem „Handelsblatt“-Interview fehlendes finanzpolitisches Wissen vorgeworfen. Die Rache des Rauchers? Napoleon: „Der Zufall ist der einzig legitime Herrscher des Universums.

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