Die Ratschläge des Schuldenkanzlers Helmut Schmidt

Sonntag, 23. Juni 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 16.-22.Juni 2013

SONNTAG

Auf einem kleinen Parteitag der SPD in Berlin sagt Peer Steinbrück: „Ich erwarte, dass sich alle – auch der Parteivorsitzende – in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen.“ Sigmar Gabriel erwidert: „Wenn der Kanzlerkandidat mal meint, er müsse den Parteivorsitzenden in den Senkel stellen, dann darfst du das auch.“ Wilhelm Busch, „Plisch und Plum“:

 Wozu – lauten seine Worte –

 Wozu nützt mir diese Sorte?

 Macht sie mir vielleicht Pläsier?

 Einfach nein! erwidr' ich mir.

 Wenn mir aber was nicht lieb,

 Weg damit! ist mein Prinzip.

MONTAG

BZ-Chefkolumnist Gunnar Schupelius erinnert an die vergessenen Helden des 17.Juni: Der Gewerkschafter Max Fettling unterzeichnete einen Brief der Bauarbeiter an DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl – zehn Jahre Zuchthaus. Hermann Reichert, Arbeiter vom VEB Bergmann-Borsig, fordert in einer Rede „freie, gleiche, geheime und direkte Wahlen“ – 18 Monate Zuchthaus. Der Magdeburger Unternehmer Herbert Stauch fordert die Freilassung aller politischen Gefangenen – Todesurteil, gefällt von einem sowjetischen Standgericht, vollstreckt von Volkspolizisten durch Genickschuss. Nach keinem von ihnen ist in Berlin eine Straße benannt. Goethe: „Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht ehrt, hat keine Zukunft.“  

DIENSTAG

1971 tritt Willy Brandts Finanzminister Alex Müller zurück: Er hat in zwei Amtsjahren sechs Milliarden DM neue Schulden aufnehmen müssen und will nun nicht mehr mitmachen. 1972 tritt sein Nachfolger Prof. Karl Schiller zurück: Er sagt nach vier Milliarden DM neuer Schulden in nur einem Jahr, er könne keine Politik nach dem Motto "Nach mir die Sintflut" machen. Nachfolger Helmut Schmidt macht bis 1974 zehn Milliarden DM neue Schulden und wird Bundeskanzler. Sein Finanzminister Hans Apel macht in vier Jahren 67 Milliarden DM neue Schulden. Nachfolger Hans Matthöfer bringt es in vier Jahren sogar auf eine Neuverschuldung von 112 Milliarden DM. Im Schmidts acht Kanzlerjahren steigt die Staatsverschuldung von 71 auf 315 Milliarden DM. Jetzt attestiert Schmidt im „Handelsblatt“ der Bundeskanzlerin fehlendes Finanzwissen zur Lösung der europäischen Schulden- und Wirtschaftskrise: „Das ist eine, die über Finanzen nicht Bescheid weiß, aber über sie verfügt.“ Der hohe Zahlungsbilanzüberschuss Deutschland durch die starke Exportwirtschaft solle, so der Rat des Altkanzlers, durch Anhebung der Löhne und Gehälter abgebaut werden. Stanislaw Jerzy Lec: „Wer ein gutes Gedächtnis hat, kann gewisse Dinge leichter vergessen.“

MITTWOCH

Die UNESCO nimmt wieder mal Deutsches in das „Weltkulturerbe“ auf: Die Himmelsscheibe von Nebra, die Goldene Bulle von 1356 als Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das Lorscher Arzneibuch von 795, der erste Band „Das Kapital“ von Marx und das Kommunistische Manifest. Deutsches Sprichwort: „Nicht jedes Erbe macht reicher.“

DONNERSTAG

Die „Grünen“ wollen ihre Vergangenheit aufarbeiten: In ihren Anfangszeiten hatten Mitglieder Straffreiheit für Sex mit Kindern und Jugendlichen gefordert. Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann beschwichtigt, im Südwesten habe es diese Probleme nicht gegeben. Jetzt zitiert die FAZ aus einer Beschlussvorlage des Landesvorstandes vom 25.März 1985: „So unterstützen wir die Gesetzesinitiative … auf ersatzlose Streichung der § 175 (Homosexuelle Handlungen) mit Jungen zwischen 14 und 18 Jahren und § 182 StGB (Verführung von Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren zum Beischlaf“). Pech für Kretschmann. Alberto Moravia: „Die Tür zur Vergangenheit ist ohne Knarren nicht zu öffnen.“

FREITAG

Die Zillertal Tourismus GmbH hat dem HSV 750.000 Euro dafür garantiert, dass sie sich drei Jahre lang „Trainingslagerpartner“ nennen durfte. Jetzt will sie den Vertrag nicht verlängern: Der HSV hatte ein Trainingscamp beim direkten Konkurrenten in Klagenfurt gebucht. Ein Funktionär des klammen Klubs meint, wichtig sei „bei aller finanziellen Entwicklung“, dass für das Team eine „optimale Vorbereitung gewährleistet“ sei. Carlyle: „Der schlimmste Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein.“  

SAMSTAG

Die EU setzt ihren Kampf gegen das Rauchen mit neuen Restriktionen fort – mit dem Segen des großen Goethe. Der schrieb an seinen „Urfreund“ Karl Ludwig von Knebel, Offizier in weimarschen Diensten: „Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen, die Langeweile haben … Und was kostet der Greuel! Schon jetzt gehen fünfundzwanzig Millionen Taler in Deutschland für Tabakrauch drauf … Aber es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?“

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt