Die Bibel und die Homo-Ehe

Dienstag, 25. Juni 2013

Heute vor 50 Jahren fährt John F.Kennedy im offen Wagen durch Frankfurt zum Rathaus, dem „Römer“. 350.000 Menschen jubeln dem US-Präsidenten im, so ein Reporter, „Massenrausch“ zu. Danach hält Kennedy in der Frankfurter Paulskirche eine außenpolitische Grundsatzrede zum Thema „Freiheit“ und würzte sie kräftig mit Goethe-Zitaten. So etwas kommt heute nur noch selten vor. Der Dichter über sich selbst (1787 auf seiner „Italienischen Reise“: „Ich bin ein Kind des Friedens und will Friede halten für und für mit der ganzen Welt, da ich ihn einmal mit mir selbst geschlossen habe.“ Fünf Monate nach seiner Frankfurter Freiheitsrede wurde Kennedy erschossen.

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Lesefrüchte. In Joris-Karl Huysmans "Tief unten" sagt der Mediziner des Hermies: "Ich werfe dem Naturalismus weder seinen Hafenjargon noch sein Latrinen- und Armenhausvokabular vor, denn das wäre ungerecht und absurd; erstens schreien manche Themen förmlich danach, zweitens lassen sich mit Satztrümmern und Wörterpech ungeheure und gewaltige Werke errichten: Zolas Schnapsbude beweist es; nein, das Problem liegt woanders; was ich dem Naturalismus vorwerfe, ist nicht die dickflüssige Tinte seines groben Stils - es ist die Schäbigkeit seiner Ideen; was ich ihm vorwerfe, ist, daß er dem Materialismus literarische Gestalt verliehen, daß er in der Kunst die Demokratie glorifiziert hat! … Sich willentlich beschränken auf das Waschküchenniveau des Fleischlichen, das Übersinnliche zu verwerfen, den Traum zu leugnen, nicht einmal zu begreifen, daß die Neugierde der Kunst ebendort beginnt, wo die Sinne den Dienst aufkündigen! Was hat er denn gesehen, dein Naturalismus, in all den entmutigenden Geheimnissen, die uns umgeben? Nichts! Im Grunde hat er nie mehr als den Bereich unterhalb des Nabels abgesucht und bloß unzusammenhängende Banalitäten von sich gegeben, sobald er sich der Leistengegend näherte; er ist ein Brucharzt für Gefühle, ein Bandagist für die Seele, weiter gar nichts! Die Naturalisten haben uns eine Kunst eingebracht, die dermaßen kriecherisch und flach ist, daß ich sie gerne 'Kellerasselkunst' nennen würde." Erschienen 1891.

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Man kann nicht früh genug aufhören, über sich selbst zu reden.

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Hindemith, "Metamorphosen" nach Carl Maria von Weber: In "Turandot" (2.Satz) zieht ein Heer Kublai Khans in den Krieg, der Abschied wird von Freunden noch ein Stück Weges begleitet. Aus einem Konzertführer: "Im Scherzo ist es die chinesische Melodie, die Weber seinerseits bei Rousseau und dieser bei dem frühen Historiker und Ethnographen Jean-Baptiste Du Halde (1674-1743) gefunden hatte, die der Musik ihr exotisches Kolorit gibt. Hindemith transponiert in der pentatonischen Melodie einzelne Takte und Noten, so daß sie durch schnelle Wechsel spannender und farbiger wird." Ihr Schwung ist mitreißend. Der Marsch (4.Satz) läßt Elfen von ihrem König paradieren; man hört klingendes Spiel, Hörnerschall, Gekicher. „Durch Verdoppelung des Tempos wird aus dem ursprünglich stark von romantischer Klage geprägten Trauermarsch ein übermütig humorvoller Geschwindmarsch." Vielfalt der Klassik. Komponiert 1943 im amerikanischen Exil.

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In der Widmung seines "Il Principe" schreibt Macchiavelli dem "Erlauchten Lorenzo de Piero de Medici": "Man möge es nicht für Anmaßung halten, wenn ein Mann von niederem Stande die Handlungen der Fürsten beurteilt und ihnen Regeln vorschreibt. Er ist mit dem Landschaftsmaler zu vergleichen, der sich in die Ebene stellt, um Berge und Höhen zu betrachten, dagegen auf die Berge steigt, um die Ebene zu erfassen. So muß man Fürst sein, um das Volk zu erkennen, und dem Volk angehören, um den Fürsten beurteilen zu können." In der Demokratie hat sich der Niveauunterschied erledigt.

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Aus Hölderlin, „Das Schicksal“:

  "Im heiligsten der Stürme falle

  Zusammen meine Kerkerwand.

  Und herrlicher und freier walle

  Mein Geist ins unbekannte Land!

  Hier blutet oft der Adler Schwinge;

  Auch drüben warte Kampf und Schmerz!

  Bis an der Sonnen letzte ringe

  Genährt vom Siege, dieses Herz!"

Ernst Jünger weist auf den Imperativ des "warte" hin: "Gemeint sein kann nur, was östliche und fernöstliche Kulte als Zwischenreiche und Übergänge setzen, wie das Fegfeuer."

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In einem Leserbrief an die FAZ schreibt der Neutestamentler Prof. Dr. Udo Schnelle von der Universität Halle-Wittenberg zur „Homo-Ehe“ (Auszüge): „Der Jude Jesus von Nazareth hat der Ehe als Schöpfungsordnung eine besondere Würde zuerkannt. Zweitens: Alle Aussagen zur Homosexualität in der Bibel sind eindeutig negativ. Man kann diesen beiden Befunden negativ gegenüberstehen, nur soll man dies dann auch als eigene politisch-moralische Meinung kundtun und nicht so tun, als sei dies die Meinung der Bibel. Man bastelt sich sein eigenes ‚Evangelium‘ und erwartet ernsthaft, dass Menschen sich daran orientieren sollen und der fortschreitende Bedeutungsverlust des Protestantismus so aufgehalten wird.“ Luther: „Wie einer lieset in der Bibel, so steht in seinem Haus der Giebel.“

 

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