Staatsschulden

Donnerstag, 27. Juni 2013

Der Bürgermeister von Neuss ist bekennender Raucher, erklärt sein Büro zum Raucherraum und wird seither „Vesuv von Neuss“ genannt. Die Initiative „Pro Rauchfrei“ beschwert sich über ihn. Prompt fordert die Bezirksregierung Düsseldorf den Landrat auf, „geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, sodass in Napps Dienstzimmer nicht mehr geraucht werden darf. Langsam macht es keinen Spaß mehr in dem Land mit der höchsten Verbotsdichte Europas. Casimir Delavigne: „Man ist weniger duldsam gegenüber jenen Neigungen, die man nicht mehr besitzt.“

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Lesefrüchte aus Aristophanes, "Die Ekklesiazusen" („Die Frauen in der Volksversammlung“). Die zweite Frau:

  "Ans Schlafen dacht ich nicht! Ach, Liebe,

  Mein Mann, ein Salaminier, ruderte

  Die ganze Nacht mit mir im Bett herum." -

  "Denn die Beschlüsse, die

  Sie fassen, sehn doch aus, bei Licht,

  Als hätten Irre sie im Rausch gemacht!"

Praxagora („Die in der Versammlung handelt“):

  "Von schlechten Führern, seh ich, läßt das Volk

  Sich leiten, und wenn jemand einen Tag

  Rechtschaffen, ist er zehn dafür dann schlecht!" -

  "Schwer ist es, mißgelaunten Herrn zu raten."

Blepyros (Praxagoras Ehemann):

  "Ei, stehlen denn die nicht am meisten auch jetzt, die am meisten zuvor schon besitzen?"

Die deftige Komödie erinnert an besonders vielen Stellen an Mephistos "doch die Antike ist gar zu lebendig"...

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Die Geschichte schwindet eines Tages aus dem Gedächtnis - und kehrt als Mythos zurück.

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Schubert, Klaviersonate A-Dur 664: Die Melodie fängt Herz und Sinn mit der plätschernden Frische des Wassers, dem Streichelhauch der Luft, dem Seelenduft eines blühenden Gartens und dem uralten Wanderlied des Lebens.

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Aus einem Hymnus Josephs von Eichendorff (1788-1857:

  „O Trost der Welt, o stille Nacht!

  Der Tag hat mich so müd gemacht,

  Das weite Meer schon dunkelt,

  Laß ausruhn mich von Lust und Not,

  Bis daß das ewige Morgenrot 

  Den stillen Wald durchfunkelt.“

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Gioconda Belli: "Ich denke an die Worte der weisen Frauen, der Alten. Sie sagen, das Leben öffne sich wie eine Allee, wenn endlich die Erfahrung die Mitte erreicht und die Harmonie des Konzerts der gelebten Dinge aufklingt in der Dämmerung."

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will 2015 endlich damit beginnen, Schulden zurückzahlen. Es wäre das erste Mal seit 1969. Damals nahm der SPD-Finanzminister Alex Möller in zwei Jahren sechs Milliarden DM auf. 1971 trat er zurück, weil er die Stabilität gefährdet sah. Jetzt kritisieren die Sozialdemokraten Schäuble, er habe in den vergangenen Jahren zu wenig für den Schuldenabbau getan. Bock und Gärtner? Goethe, 1782 von seinem Herzog zum Kammerpräsidenten (Finanzminister) ernannte mit dem Auftrag, den Staatshaushalt weiter konsolidieren, spottete später in „Dichtung und Wahrheit“: „Die Finanzen selbst, deren Einfluss man für so wichtig hält, kommen viel weniger in Betracht: denn wenn es am Ganzen fehlt, so darf man dem Einzelnen nur abnehmen, was er mühsam zusammengescharrt und –gehalten hat, und so ist der Staat immer reich genug.“

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