Vom Regieren in der Wüste und der Knappheit des Sandes

Freitag, 28. Juni 2013

Telekom-Kunde „Griesgrämer“, in der „Twitter“-Community für kreative Pöbelattacken auch gegen Lufthansa oder Deutsche Bahn („Glühbirnenlutscher“, „Wurstfüllselhirn“) geschätzt, kritisiert per SMS die neue Flatrate-Bremse seines Providers: „Passt ma auf, ihr Napfsülzen! Wegen eurer Spotify-KRANKHEIT is mein Datenvolumen AM ARSCH!“ Mitarbeiterin „Anna“ vom „Telekom_hilft“-Team antwortet: „Pass ma op, mein Froind. Streaming wird vom Volumen ausgeschlossen. Offline verfügbar machen nicht. Noch Fragen ODER WAS?“ Als der Netz-Nörgler immer noch keine Ruhe gibt, legt die Servicekraft nach: „Nun beruhigen wir uns alle wieder, und ich darf arbeiten. SCHNAUZE!“ Moderne Zeiten! August Everding: „Die höchste Form der Kommunikation ist der Dialog.“

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Rafik Schami, „Die dunkle Seite der Liebe“: „Olivenbäume und Antworten brauchen Zeit.“ - „Die Frage ist ein Kind der Freiheit.“ - „Das Wissen ist ein Schloss, dessen Schlüssel eine Frage ist.“ – „Frauen und Ulmen sind gleich, sie lassen sich schlecht bearbeiten.“ - „Bauern sind Zauderer.“ - „Arabische Sippen und Pyramiden nehmen Zeit nicht zur Kenntnis.“ - „Nur wer die Herzen der Kinder hat, hat die Zukunft.“ - „Wer einen Esel auf ein Minarett hinaufbringt, muss ihn auch wieder herunterholen.“ - „Liebe ist eine Wildkatze mit sieben Leben.“ -  „Wer Männern vertraut, der vertraut einem Sieb Wasser an.“ - „Die Schrift ist der Schatten der Stimme.“ - „Wenn die Engel ein Haus betreten, verlassen es die Teufel.“ - „Die Phantasiewelt ist den Kindern gastlicher als ihr Elternhaus.“ Über die Gassen von Damaskus: „Die Griechen liebten gerade Linien, die Araber dagegen den Bogen, die Krümmung. Manche behaupten, das hinge mit ihren so ermüdend gerade verlaufenden Reisen durch die Wüste zusammen. Krümmung verkürzt, zumindest für den Blick, die Entfernung. Andere sagen, Leben hat mit Bögen zu tun: Der Olivenzweig biegt sich unter der Last seiner Früchte, der Bauch schwangerer Frauen ist ein Bogen und die Zweige einer Palme bilden eine Rundung. Geradlinig ist nur der Tod. Profaner ist die Erklärung der alten Damaszener: Die Gassen lassen sich besser verteidigen, je mehr Windungen sie haben.“

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Freiheit beginnt dann, wenn niemand mehr lügen muss.

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Georg Philip Telemann, Quartett d-moll: Die Melodie ist ein besonders zierlicher Balkon über der unergründlichen Tiefe des Seins.

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Thomas Mann, „Der Tod“: „Ich las heute die Geschichte jenes Kaisers Friedrich, dem man prophezeit hatte, er werde ‚sub flore‘ sterben. Nun, er mied die Städte Florenz und Florentinum einst aber kam er dennoch nach Florentinum: und starb.“ – In Bruno Glogers „Kaiser, Gott und Teufel“ über Friedrich II. steht die Anekdote, der Staufer habe niemals Florenz betreten, da ihm ein Tod "sub flore" prophezeit worden war. Als er auf einem Jagdausflug erkrankte, brachte man ihn in ein Kloster Fiorentino, wo er dann tatsächlich verstarb. Weiter bei Thomas Mann: „Eine Prophezeiung ist an sich unbeträchtlich; es kommt darauf an, ob sie Macht über dich gewinnt. Tut sie das aber, so ist sie schon beweisen, und sie wird in Erfüllung gehen.“

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Aus Gottfried Kellers „Poetentod“:

 „Die ich aus luft'gen Klängen aufgerichtet,

 Vorbei ist dieses Hauses Herrlichkeit;

 Ich habe ausgelebt und ausgedichtet

 Mein Tagewerk und meine Erdenzeit.

 

 Das keck und sicher seine Welt regierte,

 Es bricht mein Herz, mit ihm das Königshaus;

 Der Hungerschlucker, der die Tafel zierte:

 Der Ruhm, er flattert mit den Schwalben aus.

 

 So löschet meines Herdes Weihrauchflamme

 Und zündet wieder schlechte Kohlen an,

 Wie's Sitte war bei meiner Väter Stamme,

 Vor ich den Schritt auf dieses Rund getan!

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Nach dem Vorwurf des SPD-Kanzlerkandidaten an die Bundeskanzlerin „Wenn Sie in der Wüste regieren, wird der Sand knapp" zählen Zeitungen wie die „Süddeutsche“ ähnliche Zitate auf. Beispiele:

Dietmar Kansy (CDU) am 24.9.1982 im Bundestag über die SPD: „Wenn die in der Wüste regieren, wird der Sand knapp!"

Franz Josef Strauß (CSU) im Bundestagswahlkampf 1983: „"Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp."

Julia Klöckner (CDU) 2005 auf die Frage nach ihrem Lieblingswitz: „"Was passiert, wenn die SPD die Wüste regiert? Lange Zeit gar nichts. Dann wird der Sand knapp!"

Alte Journalistenweisheit: „Besser gut geklaut als schlecht erfunden.“

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