Warum Steinbrück über Günter Grass lacht

Samstag, 29. Juni 2013

Bei den „Internationalen Schillertagen“ am Mannheimer Nationaltheater schmiert der „sogenannte Künstler“ (FAZ) Jonathan Meese Hakenkreuze auf eine Gummipuppe, deutet Oralsex an und entbietet dem Publikum 165 Minuten lang Hitlergrüße. Titel der Darbietung: „Generaltanz der Erzschiller (Guido Quiller ist der totalste Don Gin Schiller, ballettiert euch, wie Schnurrl‘ – nonninei, es bruzzelts: Dr.Schillerz, Schiller mi on S.V.P.)“. Beim Finale haben drei Viertel der Zuschauer bereits das Weite gesucht. Stanislaw Jerzy Lec: „Der Troglodyt war kein Troglodyt. Er stand auf der Höhe seiner Zivilisation.“

*

Lesefrüchte aus Victor Hugo, "Die Elenden": "Der Unterschied zwischen Logik und Philosophie der Revolution ist der, daß die Logik zum Krieg, die Philosophie dagegen nur zum Frieden führen kann." - "Die Seele vermag den Körper zu stärken, ja manchmal aufzurichten. Sie ist der einzige Vogel, der seinen eigenen Käfig trägt." - "Es gibt zwar Väter, die ihre Kinder nicht lieben, aber keinen Großvater, der nicht in seinen Enkel vernarrt ist." - "Es gibt noch etwas Traurigeres, als seine Kinder sterben zu sehen, nämlich, wenn man sieht, daß sie unglücklich leben." - "Frauen spielen mit ihrer Schönheit wie Kinder mit ihren Messern. Sie verletzen sich selber damit." - "Und wenn der Winter geht, nimmt er stets etwas von unserer Traurigkeit mit." - "Auf einer gewissen Stufe des Elends stumpft man zu einer Art Gespenst ab und sieht die anderen Lebenden nur noch wie Larven. Unsere Nächsten sind oft bloß noch unbestimmte Schemen, die sich kaum vom Urdunst der Existenz abheben und mühelos wieder ins Unsichtbare auflösen." - "Die Liebe kennt keinen Mittelweg; entweder stürzt sie ins Verderben, oder dann rettet sie. Dieser Zwiespalt bestimmt das ganze menschliche Schicksal." - "Auch geht, wenn zwei Liebende sich gut verstehen, immer alles gut. Wenige Vorsichtsmaßregeln, von allen Liebespaaren gleicherweise befolgt, halten jedwede Drittperson, die ihre Liebe stören könnte, in einem Zustand gänzlicher Blindheit." Im Manuskript des verliebten Marius steht: "Die Liebe ist ein Gruß der Engel an die Sterne." - "Jemanden lieben heißt, ihn durchsichtig zu machen." - "Die Liebe gehört zur Seele. Sie ist aus demselben Stoff gewirkt wie sie."

*

"Die Liebe ist ein Atemzug des Himmels mit der Luft des Paradieses." Über den jungen Verliebten schreibt Victor Hugo: "Marius war in einem Alter, wo man an nichts Böses glaubt; später kommt die Zeit, wo man alles glaubt."

*

Die Demokratie ist gerade deshalb die beste Regierungsform, weil sie Fehler zulässt, ja sogar provoziert, denn nur aus Fehlern lässt sich lernen. Fehler aber können umso häufiger und gravierender gemacht werden, je gewichtiger die Dummen an der Entscheidung mitwirken.

*

Rachmaninow, 2.Klavierkonzert c-Moll, op.18 ist ein Drama von Unterdrückung und Aufbegehren, eine fordernde Musik, die den Geist nicht ruhen läßt. Die ungelösten Rätsel die faszinierendsten, denn sie zeigen dem Verstand die Grenzen, nach denen das Denken sucht, ohne sie wirklich erreichen zu wollen. Auch eine Unwägbarkeit des Grausamen schwingt mit, die sich aus aller Sanftheit heraushören läßt: der Hauch einer Majestät, die der göttlichen ähnelt, aber deren Güte entbehrt - Aggressivität eines Menschengeistes, der den Himmel stürmen will.

*

Der Philosophiehistoriker Diogenes Laertius über Bias von Priene (590-um 530 v.Chr.), einen der Sieben Weisen der Antike: "Auf einer Seefahrt in Gesellschaft von gottlosen Leuten erlebte er einen gewaltigen Sturm, der das Schiff hin und her warf. Als da auch jene Leute die Götter zu Hilfe riefen, sagte er: 'Schweiget, auf daß sie nicht merken, daß ihr hier auf dem Schiffe weilt.' Von einem gottlosen Menschen gefragt, was denn die Frömmigkeit eigentlich sei, schwieg er, und als jener nach der Ursache des Schweigens fragte, sagte er: 'Ich schweige, weil du nach Dingen fragst, die dich nichts angehen.' Lieber, sagte er, spräche er Recht unter Feinden als unter Freunden, denn von Freunden würde unvermeidlich einer sein Feind werden, von den Feinden aber einer sein Freund. Folgende Ratschläge erteilte er: Liebe die Einsicht. Von den Göttern behaupte ihr Dasein. Einen Unwürdigen lobe niemals seines Reichtums wegen. Was auch Gutes gelingen mag, setze es auf die Rechnung der Götter. Unglücklich, der das Unglück nicht zu tragen weiß.“ Über den Tod des Philosophen: „Er hatte, bereits hochbetagt, für einen Freund vor Gericht gesprochen und lehnte sich nach Beendigung seiner Rede an die Brust seines Tochtersohnes. Als nun auch der Gegner geredet hatte und das Urteil zugunsten des von Bias Verteidigten ausgefallen war, fand man ihn bei Auflösung der Gerichtssitzung tot im Schoß des Enkels."

*

Aus Puschkins "Eugen Onegin":

  "Ich liebe solche Plaudereien

  zur Stunde, die - wer weiß den Grund? -

  genannt wird: zwischen Wolf und Hund;

  da kann man sich vom Tag befreien."

*

Die FAZ berichtet über einen Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten mit dem SPD-Wahlkämpfer Günter Grass im Berliner Willy-Brandt-Haus: „Als Grass behauptet, jeder junge Schriftsteller, der zu ihm nach Lübeck komme, würde anschließend in der FAZ verrissen, das sei einer der Gründe, warum keiner sich in der Politik engagiere, lacht Steinbrück und schaut ins Publikum, als suche er dort nach Verbündeten, die das in seiner Egomanie ähnlich kurios finden wie er.“ Ludwig Anzengruber: „Wer der Welt ein Heiland zu sein glaubt, tut gut, mit dreiunddreißig Jahren zu sterben.“

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt