Wenn Günter Grass die Bundeswehr beschimpft…

Montag, 1. Juli 2013

Unermüdlich prügeln unsere TV-Humoristen auf die Liberalen ein. Jetzt hat ARD-Kabarettist Kurt Krömer ein Buch über einen Besuch in Afghanistan veröffentlicht. Kostprobe: „Schön ist es nicht, und die Sonne geht hier schneller unter als die FDP in Deutschland.“ Stanislaw Jerzy Lec: „Der Leierkasten zermahlt jede Melodie.“

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Wieder einmal im „Zauberberg". Thomas Mann über die Geschichte: "Wir werden sie ausführlich erzählen, genau und gründlich, - denn wann wäre die kurz- oder Langweiligkeit einer Geschichte abhängig gewesen von dem Raum und der Zeit, die sie in Anspruch nahm? Ohne Furcht vor dem Odium der Peinlichkeit, neigen wir vielmehr der Ansicht zu, dass nur das Gründliche wahrhaft unterhaltend sei."  Von vielen lesenswerten Sätzen gefallen besonders: „Zeit, sagt man, ist Lethe; aber auch Fernluft ist so ein Trank, und sollte sie weniger gründlich wirken, so tut sie es dafür umso rascher." Über Hamburg: "Die Atmosphäre der großen Meerstadt, diese feuchte Atmosphäre aus Weltkrämertum und Wohlleben." Der in Lungenkrankheiten erfahrene Hofrat Behrens sagt: "Ist ja eine höchst dankenswerte Einrichtung, dieses Hamburg; stellt uns immer ein nettes Kontingent mit seiner feuchtfröhlichen Meteorologie." – Außerdem: "Was ist der Mensch, wie leicht betrügt sich doch sein Gewissen! Wie versteht er es, noch aus der Stimme der Pflicht die Erlaubnis zur Leidenschaft herauszuhören!" -  "Krankheit macht den Menschen viel körperlicher, sie macht ihn gänzlich zum Körper." - Settembrini: "Der Tod ist ehrwürdig als Wiege des Lebens, als Mutterschoß der Erneuerung. Vom Leben getrennt gesehen, wird er zum Gespenst, zu Fratze - und zu etwas noch Schlimmerem. Denn der Tod als selbständige geistige Macht ist eine höchst liederliche Macht, deren lasterhafte Anziehungskraft zweifellos die gräulichste Verirrung des Menschengeistes bedeutet." Schließlich: „Was also war das Leben? Es war Wärme, das Wärmeprodukt formerhaltender Bestandlosigkeit, ein Fieber der Materie, von welchem der Prozess unaufhörlicher Zersetzung und Wiederherstellung unhaltbar verwickelt, unhaltbar kunstreich aufgebauter Eiweißmoleküle begleitet war. Es war das Sein des eigentlich Nicht-sein-Könnenden, des nur in diesem verschränkten und fiebrigen Prozess von Zerfall und Erneuerung mit süß-schmerzlich-genauer Not auf dem Punkt des Seins Balancierenden. Es war nicht materiell, und es war nicht Geist. Es war etwas zwischen beidem, getragen von Materie, gleich dem Regenbogen auf dem Wasserfall und gleich der Flamme." - "Der anfänglichste Schritt zum Bösen, zur Lust und zum Tode war zweifellos da anzusetzen, wo, hervorgerufen durch den Kitzel einer unbekannten Infiltration, jene erste Dichtigkeit des Geistigen, jene pathologisch üppige Wucherung seines Gewebes sich vollzog, die, halb Vergnügen, halb Abwehr, die früheste Vorstufe des Substantiellen, den Übergang des Urstofflichen zum Stofflichen bildete. Das war der Sündenfall."

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Zeit ist nichts weiter als ein Maß für Veränderung.

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Grieg, Hochzeitsmarsch Nr.6: Die klare, reine Linie der Musik ehrt die weißseidene Würde der Braut. Die Klänge empfinden die verhaltene Freude gespannter Erwartung, beruhigt von großer innerer Kraft. In Nr.7 kommen von Feuer erfüllte Wünsche hinzu. Nr.8 enthält die frische Munterkeit unbefangenen Planens. Noch schwächt keine Sorge den Mut, das Leben anzupacken. Nr.9: Eine Seele wagt sich in die Gezeiten der Liebe. Nr.10: Elementare Wucht entfesselter Gefühle. Nr.11: Harmonie zweier Herzen in gleichem Klang. Nr.12 malt die Sehnsüchte einer langen, glücklichen Jugend noch einmal in den alten, glühenden Farben, aber schon in neuen Perspektiven. Das Finale besitzt ungewöhnliche Kraft. Ein langer, tiefer Ton klingt wie eine Mahnung lange nach.

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Zola, "Erinnerungen": "Im klaren Wasser wird der Mann wieder zum Kind." - "Die weiße Rose ist das Aufblühen eines Kindes, das mit sechzehn Jahren starb; die rote Rose ist der letzte Blutstropfen eines in der Schlacht Gefallenen." - "Der Spatz ist ein Pariser, der seine Steuern nicht zahlt."

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Gellert, "Der Bauer und sein Sohn":

  "Du mußt es nicht gleich übelnehmen,

  Wenn hie und da ein Geck zu lügen sich erkühnt.

  Lüg auch, und mehr als er, und such ihn zu beschämen:

  So machts du dich um ihn und um die Welt verdient."

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Im Berliner Willy-Brandt-Haus vergleicht der SPD-Wahlhelfer und frühere SS-Mann Günter Grass die Bundeswehr mit der Reichswehr, die ein „Staat im Staate“ gewesen sei, und beschimpft sie als „Söldnerarmee“. 400 Zuhörer klatschen Beifall. In Kreuzberg überfallen Chaoten einen Bus, der mit einer Bundeswehr-Reklame fährt, und beschmieren ihn mit Parolen. Jetzt schreibt ein Bundeswehrsoldat der BZ, er könne in Berlin die Uniform nicht mehr tragen: Er werde ständig angepöbelt, als „Mörder“ oder „Idiot“ beleidigt und sei sogar geschlagen worden. Voltaire: „Es gibt keine Wirkung ohne Ursache.“

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