65 Prozent wissen nicht, wann der Zweite Weltkrieg begann

Freitag, 5. Juli 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 5.Juli 1998.

SONNTAG

Der Kirchenvorstand der Hamburger Friedenskirche setzt durch, dass der Pastor gehen muss: Er habe sich mehr für die Hausbesetzer der Hafenstraße engagiert als für die Jugend- und Konfirmandenarbeit. Der Geschasste spricht von „Mobbing" und „Psychoterror". Jeremia 10,21: „“Die Hirten sind zu Toren geworden."

MONTAG

Der Gesundheitsexperte der SPD in Bayerns Landtag fordert, den Oktoberfest-Anstich künftig mit alkoholfreiem Bier vorzunehmen. Sein Fraktionschef bremst: So gut die Absicht sei, ein Signal für die Suchtprävention zu geben, könne die SPD doch nicht mit jeder Profilierungsaktion eines ihrer Mitglieder identifiziert werden. Stanislaw Jerzy Lee: „Vergiss nie, dass die Hinterteile meinen, sie seien Frontansichten."

DIENSTAG

Nach der Ermordung eines 73-jährigen Hamburgers durch zwei vorbestrafte 16-jährige verlangen CDU-Politiker geschlossene Heime für minderjährige Straftäter. Der frühere SPD-Sozialminister Jan Ehlers, der diese Heime 1981 abgeschafft hatte, antwortet auf die Forderung: „Eigentlich ist das erst nächste Woche dran, zu Beginn des Sommerlochs." John B. Priestley: „Mancher Politiker hat keinen schlimmeren Feind als sich selbst."

MITTWOCH

Forsa befragt Jugendliche zur NS-Zeit. 65 Prozent wissen nicht, wann der Zweite Weltkrieg begann, 35 Prozent nicht, wann er endete. Auschwitz ist 31 Prozent unbekannt. Thornton Wilder: „“Es gibt nur ein Elend, und das ist Unwissenheit."

DONNERSTAG

Bürgerinitiativen verlangen besseren Lärmschutz für Anwohner des Hamburger Flughafens. Die Wirtschaftsbehörde rät Rentnern, während des Flugbetriebs ihre Wohnungen zu verlassen und sich in ruhigere Stadtteile zu begeben. Bismarck: „Die Bürokratie aber ist krebsfrässig an Haupt und Gliedern, nur ihr Magen ist gesund."

FREITAG

In Berlin missbraucht ein Student (18 Semester) drei Jahre lang einen fünfjährigen Jungen. Vor dem Landgericht verlangt er, ihn nicht ins Gefängnis zu schicken: Sie gefährden den Erfolg meiner Therapie." Seit deren Beginn vor eineinhalb Jahren ist er bereits fünf weitere Male straffällig geworden. Trotzdem setzt der Richter eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung aus. Chamfort: „Man riskiert, den Appetit zu verlieren, wenn man sieht, wie es in der Administration, in der Justiz und in der Küche zugeht."

SAMSTAG

Münchens Umweltreferent verteilt eine Broschüre, die wie ein halbierter Apfel geformt ist. Darauf protestieren Bürgerinnen bei der Gleichstellungsbeauftragten: Das Kerngehäuse der Frucht erinnere „an die Darstellung einer weiblichen Vulva". Diderot: „Je unglücklicher die Zeiten sind, um so viel vermehren sieh die Idiotismen.“

Anmerkungen

Der SPD-Politiker Jan Ehlers war 1978-1988 als Senator in Hamburg Präses der Arbeits- und Sozialbehörde bzw. später der für Arbeit, Jugend und Soziales.

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