Hamburg im Feuersturm (2)

Sonntag, 7. Juli 2013

Vor 70 Jahren, am 24.Juli 1943, verwandeln Bombenangriffe Hamburg in eine Flammenhölle, aus der es für Zehntausende kein Entrinnen gibt. Die Katastrophe kommt nicht überraschend, ihre Vorgeschichte beginnt bereits drei Jahre zuvor.

„1941 wird die Vollendung des größten Sieges unserer Geschichte bringen“, prahlt Hitler zum neuen Jahr, doch es bringt die Wende zur Katastrophe, für Deutschland und für Hamburg. Der „Führer“ überfällt die Sowjetunion an und erklärt den USA den Krieg. Die Hamburger werden Opfer des ersten Terrorangriffs mit über 100 Toten, der ersten Minen- und der ersten Phosphorbomben.

„Es ist keine Phrase, sondern blutiger Ernst, wenn wir versichern, dass auf jede Bombe zehn oder, wenn notwendig, hundert zurückgeworfen werden“, verspricht Hitler. Doch seiner alten Drohung, er werde Englands Städte „ausradieren“, folgt längst Flüsterspott: „Dem Adolf haben sie den Radiergummi geklaut!“

Die ersten Erfahrungen mit General Winter machen zehn Monate vor den Landsern der Ostfront Hamburgs Feuerwehrleute: Nach Luftangriffen in eisigen Januarnächten frieren Pumpen und Schläuche ein. Die Männer tränken Putzwolle mit Diesel und machen, wie es in der Sprache der Zeit heißt, „der Spritze Feuer unter den Arsch“.

Die britische Luftwaffe fliegt nach einer neue Taktik am 13.März den ersten Doppelangriff: Sie bombardiert Hamburg von 23.12 bis 2.40 Uhr, und dann ein zweites Mal ab 4.10 Uhr. 300 bis 400 Brand- und 20 Sprengbomben treffen „Blohm + Voss“.

In den Nächten zum 9., 11.und 12.Mai geht die erste „Angriffs-Serie“ auf die Stadt nieder. Zum ersten Mal auch fallen überschwere Sprengbomben, bald „Wohnblock-Knacker“ oder „Badeöfen“ genannt. Eine explodiert auf der Straße Tieloh in Barmbek-Nord. Der Luftdruck bläst zehn Häuser um, in den Trümmern sterben 79 Menschen. Im Hafen entzünden 100 Brandbomben 34 Tanks der Deutschen Erdölwerke am Reiherstieg. Erst am Morgen können sich Feuerwehrleute mit Schaumrohren in die Feuerhölle vorkämpfen.

Auch die City wird schwer getroffen: Aus Börse und Deutscher Bank schlagen Flammen, das Warenhaus Köster am Großen Burstah brennt aus. Dabei „zeigte sich, wie gefährlich Deckendurchbrüche durch Rolltreppen sind“, schreibt Hans Brunswig, Abteilungsleiter „Technischer Dienst“ im Stab des Kommandeurs der Feuerschutzpolizei, in seinem Standardwerk „Feuersturm über Hamburg“: Die Flammen fressen sich durch die Öffnungen blitzschnell in alle Stockwerke vor.

Die Hamburger wehren sich. Am 28.Juni kommen Tausende aus den Luftschutzkellern und sehen zu, wie deutsche Nachtjäger über den Dächern ihrer Stadt fünf RAF-Bomber mit Leuchtspurgeschossen vom Himmel holen. Ein Havarist schlägt am Schwanenwik auf.

In der Nacht zum 16.September setzt die Royal Air Force über Hamburg zum ersten Mal eine neue Brandmunition ein: dünne Weißblech-Kanister mit 20 Kilo einer Phosphor-Kautschuk-Benzinlösung. Das Teufelszeug spritzt 50 Meter weit, ist kaum zu löschen und verursacht schwer heilbare Verbrennungen. Experten sprechen vom „Beginn des aerochemischen Krieges“.

Am 9.November trifft ein RAF-Bomber trotz großer Tarnnetze den Hauptbahnhof. Ende des Jahres bilanziert Hamburg 42 Luftangriffe mit bis 4000 Pfund schweren Bomben, 626 Tote, 1959 Verletzte, 7015 Obdachlose und Schäden von 175 Millionen Reichsmark – schlimm, aber immer noch nicht schlimm genug, den Galgenhumor aus offiziellen Dokumenten zu verbannen: „Ein großer Teil der Brandbomben fiel zum Glück auf den Jungfernstieg und brannte aus, ohne Schaden zu nehmen“, notierte ein Lagebericht und setzt in Klammern hinzu: „Welch Glück, dass gerade keine Jungfrau daher wandelte.“

 Morgen: Flaktürme und ein schreckliches Jubiläum

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