Hamburg im Feuersturm (3)

Montag, 8. Juli 2013

Vor 70 Jahren, am 24.Juli 1943, verwandeln Bombenangriffe Hamburg in eine Flammenhölle, aus der es für Zehntausende kein Entrinnen gibt. Die größte Katastrophe in der Geschichte der Stadt kommt nicht überraschend, ihre Vorgeschichte beginnt bereits drei Jahre zuvor.

In der Nacht zum 5.Mai 1842 schlagen Flammen aus einem Speicher an der Deichstraße. Anfangs nicht entschlossen genug bekämpft, frisst das Feuer in vier Tagen ein Drittel der Stadt. Es geht als „der große Brand von Hamburg“ in die Geschichte ein.

Hundert Jahre später studieren Hamburger Feuerwehrleute die Berichte der Kollegen von einst. Sie haben als Helfer miterlebt, wie die Royal Air Force in der Nacht zum 29.März Lübeck und zum 26.April Rostock in Schutt und Asche bombte. Jetzt fürchten sie, dass der neue Chef des britischen „Bomber Command“, Sir Arthur Harris, seine Flieger zum Jubiläum der historischen Katastrophe an die Elbe schickt.

Und tatsächlich: In der Nacht zum 4.Mai 1942 wirft die RAF nach einer neuen Angriffstaktik nur 30 Spreng-, aber 3500 Brandbomben auf die Stadt, mehr als je zuvor. In St. Pauli und in Hammerbrook gehen Dutzende Häuser in Flammen auf, doch Hamburgs sechzig Löschzüge sind vorbereitet und zur Stelle, der befürchtete „Jubiläumsbrand“ findet nicht statt. 77 Menschen kommen um, die meisten in den Trümmern ihrer Häuser.

In der Nacht zum 27.Juli trifft aber die Stadt ein noch schwerer Schlag, und diesmal ist die Feuerwehr machtlos: Die RAF fliegt den 122.Angriff seit Kriegsbeginn auf Hamburg, 403 Maschinen werfen 724 Tonnen Bomben ab. 31 Minenbomben, 588 Sprengbomben aller Kaliber, 68 000 Stabbrandbomben und 1591 Phosphor-Brandbomben lösen 508 Großfeuer, 127 Mittel- und 1958 Kleinfeuer aus - zum ersten Mal so viele gleichzeitig, dass die Feuerwehr nicht mehr nachkommt. 337 Menschen sterben, 823 Wohnhäuser werden zerstört, über 5000 beschädigt. Alsterpavillon, Alsterhaus und Hamburger Hof brennen. Am Barmbeker Schwalbenplatz detoniert eine 1000-Kilo-Bombe im Hof des Frauenwohnheims und saugt 140 Wohnungen aus dem Eisenbeton-Skelett; leere Waben bleiben zurück.

Doch auch die deutsche Luftabwehr hat Erfolge: Nachtjäger, Vorpostenboote, Flak- und Marineartillerie schießen 37 Bomber ab. Zwei Tage später gelingt es der deutschen Flak sogar, den nächsten RAF-Angriff bereits vor Hamburg zu zerschlagen, zehn Feindmaschinen stürzen vom Himmel.

Für den letzten Luftangriff des Jahres wählt die RAF gleichfalls ein symbolisches Datum: Er kommt am 9.November, 24 Jahre nach dem Rücktritt Kaiser Wilhelms II. und vier Jahre nach den Judenpogromen der „Reichskristallnacht“.

Im Jahr 1942 verlieren bei 15 Luftangriffen 494 Hamburger ihr Leben. 1662 werden verletzt, 15.000 obdachlos, die Schäden betragen 275 Millionen Reichsmark. „Für die folgenden Jahre wird keine Schadenssumme ermittelt“, schreibt Hans Brunswig in seinem Standardwerk „Feuersturm über Hamburg“, „sie lagen danach in Milliardenhöhe.“

Noch leben viele Hamburger in der Hoffnung, der Luftkrieg könne bald zu Ende gehen. Auf dem Heiligengeistfeld wächst der „Flakturm IV Hamburg“, bestehend aus „Leitturm“ und „Gefechtsturm“, jeweils 47 Meter in die Höhe. In England aber landen bereits die ersten US-Bomber, und ihr Kommandierender General sagt der „Daily Mail“: „Ich glaube, dass es tatsächlich möglich ist, den Feind aus der Luft zu vernichten. Durch Zerstörung seiner Flugzeugfabriken kann man seine Luftwaffe ausschalten. Durch Zerstörung seiner Rüstungsfabriken und Verkehrswege kann man seine Heere zum Stehen bringen. Durch Zerstörung seiner Werften kann man es ihm unmöglich machen, Unterseeboote zu bauen.“

Und: „Die deutschen Arbeiter brauchen Häuser, um darin zu leben und Versorgungsbetriebe, um sich am Leben zu erhalten. Diese sind gegen Luftangriffe außerordentlich empfindlich. Niemand wird gern unter der Erde arbeiten, wenn er weiß, dass vielleicht in seiner Abwesenheit sein Heim zerstört und seine Familie vernichtet wird.“

Morgen: „Die Moral des deutschen Volkes brechen“



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