Hamburg im Feuersturm (4)

Dienstag, 9. Juli 2013

Vor 70 Jahren, am 24.Juli 1943, verwandeln Bombenangriffe Hamburg in eine Flammenhölle, aus der es für Zehntausende kein Entrinnen gibt. Die größte Katastrophe in der Geschichte der Stadt kommt nicht überraschend, ihre Vorgeschichte beginnt bereits drei Jahre zuvor.

„Troja versank einst in Schutt und Asche, Karthago wurde ausgehungert und dann in Brand gesteckt, Alexandria ging in Flammen auf“, schreibt Hans Brunswig, Augenzeuge und Chronist des Bombenkrieges. „Auf dem europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs ist wohl nur eine Stadt mit dem langfristig und sorgfältig vorbereiteten Ziel ihrer völligen Zerstörung durch eine Serie von Bombardements angegriffen worden: Hamburg.“

Mit dem „Unternehmen Gomorrha“ sollen jene biblischen Schreckenstage wiederkehren, an denen Gott Schwefel und Feuer auf Sodom und seine ebenso sündige Schwester regnen ließ. „Ich hatte schon immer den Wunsch gehabt, Hamburg einmal wirklich direkt aufs Korn nehmen zu können“, sagt Luftmarschall Sir Arthur Harris. „Es war die zweitgrößte Stadt Deutschlands, und ich wollte dort einmal etwas wirklich Ungeheures veranstalten.“

Das himmlische Feuer, so das biblische Buch Genesis, „vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war.“ Die 791 Bomber, die am Samstag, dem 24. Juli 1943, in den Abendstunden von ihren südenglischen Flugplätzen Richtung Elbe starten, sollen nach den Beschlüsse Roosevelts und Churchills in Casablanca „die deutsche Wirtschaft, Industrie und Wehrmacht zerstören sowie die Moral des deutschen Volkes so weit zu brechen, dass seine Fähigkeit zum bewaffneten Widerstand entscheidend geschwächt wird.“

Hamburg ist gewarnt. Aus den Dachboden ist alles Brennbare entrümpelt. 1442 Luftschutzräume, 773 splittersichere Sonderbauten und 139 bombensichere Bunker fassen 500 000 Menschen, ein „Reichsumquartierungsplan“ soll notfalls 600 000 Hamburger auf dem Land unterbringen. Ein Scheinhafen an der Unterelbe vor Hamburg mit Feuergräben, Brandflächen und anderen Lichttricks verleitet Piloten, die tödliche Last über Wiese und Moor auszuklinken.

Im Winter und Frühjahr sind nur wenige Bomben gefallen, meist auf den Hafen und Außenbezirke. An der Großen Elbstraße aber brennt ein Getreide-Lagerhaus so hell, dass man noch an den Elbbrücken im Schein der Riesenfackel Zeitung lesen kann. Und nach einem Angriff am westlichen Stadtrand am 3. März warnt ein Lagebericht: „Bedenkt man, dass Wedel ein Landstädtchen in lockerer Bauweise ist und viele Bomben ins Freie fielen, dann erhebt sich die Frage, welche Auswirkungen ein derartig massierter Angriff auf geschlossene, dicht bebaute Stadteile der Großstadt Hamburg gehabt hätte.“ Das „Unternehmen Gomorrha“ wird es auf fürchterliche Weise zeigen.

Morgen: Ein Kreuz zeigt den Bombern den Weg

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