Hamburg im Feuersturm (5)

Mittwoch, 10. Juli 2013

Vor 70 Jahren, am 24.Juli 1943, verwandeln Bombenangriffe Hamburg in eine Flammenhölle, aus der es für Zehntausende kein Entrinnen gibt. Die größte Katastrophe in der Geschichte der Stadt kommt nicht überraschend, ihre Vorgeschichte beginnt bereits drei Jahre zuvor.

„Häuserkomplexe werden durch Phosphorbomben, die alles Löschen so gut wie unmöglich machen, in Brand gesetzt. Sprengbomben werden in die Feuersbrunst geschleudert. Die Luftschutzkeller werden unrettbar verschüttet. Kommt man aber noch lebendig aus dem gemauerten Massengrab heraus, dann findet man draußen die Luft gefüllt mit Asche und Qualm; ein Funkenregen sucht die Kleider in Brand zu setzen. Ein orkanartiger Wirbelwind, durch Bomben und Flammen hervorgerufen, ergreift die Menschen, die über den brennenden Asphalt zu fliehen suchen...“

So schildert ein Mann die Zerstörung der Stadt, die er einst zu einer der schönsten Europas ausbauen half: Fritz Schumacher (1869-1947), Schöpfer neuer Viertel mit modernstem Wohnkomfort. In der Bombenhölle des „Unternehmens Gomorrha“ geht sein Lebenswerk unter – mit Tausenden anderer Gebäude: auf 25 Quadratkilometern sinken ganze Straßenzüge in Schutt und Asche.

„Die erste Welle der Bomber flog in etwa 6000 Metern an, die zweite bis vierte Welle stiegen bis 8000 Meter“, berichtet das Kriegstagebuch der Luftschutzpolizei über die Nacht zum Sonntag, 25. Juli 1943. „Der nächtliche Großluftangriff richtet sich in ausgesprochenen Terrorabsichten vornehmlich gegen die werktätige Bevölkerung, gegen dicht bebaute und stark besiedelte Wohngebiete. Am stärksten wurden Eimsbüttel-Ost, Altona-Mitte, Hoheluft und die Geschäftsviertel der Innenstadt betroffen, wo sich überall ausgedehnte Brandschadensfelder und Flächenbrände entwickelten...“

Die ersten Flugzeuge setzen Markierungsbomben und werfen Tausende Stanniolstreifen ab: die „Windows“ stören die Ortungsgeräte der Luftabwehr. 54 schwere und 26 leichte Flakbatterien schießen blind Sperrfeuer aus allen Rohren, doch die Wucht des Angriffs können sie nicht brechen. Fast 400.000 Bomben fallen vom Himmel. Hunderte Wohn- und Geschäftshäuser gehen in Flammen auf.

Feuerwehren aus Lübeck, Kiel, Bremen und Berlin eilen der brennenden Stadt zu Hilfe. Sie fahren in ein Inferno. Flammen lodern aus Polizeipräsidium, Rathausturm und Nicolaikirche, deren goldenes Turmkreuz den Bomberpiloten als zentraler Markierungspunkt dient. Am Neuen Steinweg holt ein Löschtrupp 46 apathische Überlebende und 20 Tote aus einem zerstörten Luftschutzraum. Am Schulterblatt schaffen 67 Menschen nicht mehr den Sprung durch einen brennenden Torweg – und eine andere Fluchtmöglichkeit aus ihrem Luftschutzraum gibt es nicht mehr.

Die Zahl der Toten wird auf 1500 geschätzt, Genaueres ist nicht festzustellen. Manche Keller brennen noch wochenlang. Am Morgen hängt eine sieben Kilometer hohe Rauchwolke über der waidwunden Stadt. Sie weist den amerikanischen Bomberpiloten den Weg, die an diesem Sonntag in ihren Fliegenden Festungen den ersten Tagesangriff starten.

Morgen: Im Heißluftwirbel schmelzen die Kirchenglocken

 

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