Haschisch aus dem Automaten

Montag, 8. Juli 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 30.Juni-6.Juli 2013

SONNTAG

Randnotizen zum Fall des amerikanischen „Whistleblower“ Edward Snowden: Die SPD hat schon 2002 eine schon fast verlorene Bundestagwahl mit einem Propagandafeldzug gegen die USA gedreht. Perus Staatschef Evo Morales, der durch die wegen der Suche nach Snowden erzwungene Zwischenlandung in Wien „in Lebensgefahr“ gewesen sein will, ist ein früherer Anführer von Kokabauern. „Whistleblower“ ist ursprünglich der unbewaffnete englische Polizist, der bei Gefahr mit einer Trillerpfeife Unterstützung anfordert. Langsam geraten den Medien die Begriffe durcheinander. „Faust“: „Was ihr den Geist der Zeiten heißt, / Das ist im Grund der Herren eigener Geist, / In dem die Zeiten sich bespiegeln.“

MONTAG

Im Hamburger Stadtteil St. Pauli bietet ein Geschäft Cannabissamen „zum eigenen Anbau“ aus dem Automaten an – eine EC-Karte genügt. Die Verkäuferin behauptet, die Ware diene „ausschließlich medizinischen Zwecken“, denn ihre Kunden seien Kranke, die das Produkt mit behördlicher Genehmigung zur Schmerzlinderung erwerben dürften. Zahl solcher Patienten im Bundesgebiet insgesamt: 147. Sie können aus 250 Samensorten wählen. Die Verkäuferin: „Ich stehe hier nicht in der Pflicht, mich nach einer Ausnahmegenehmigung zu erkundigen. Das wäre mir persönlich auch unangenehm, jeden Kunden nach seinen persönlichen Hintergründen zu fragen.“ Deutsches Sprichwort. „Je schlauer Rat, je übler Tat.“

DIENSTAG  

Das Berliner Robert-Blum-Gymnasium erhält im September den Aachener Friedenspreis, weil die Schulkonferenz der Bundeswehr Hausverbot erteilte: Offiziere dürfen in den Klassen nicht mehr über Auftrag und Arbeit deutscher Soldaten verrichten. Jetzt stellt der SPD-Schulstaatssekretär auf CDU-Anfrage mit, die Schulkonferenz habe die Anordnung gar nicht treffen dürfen: „Keine Entscheidungsbefugnis.“ Legal, illegal, scheißegal…

MITTWOCH

Der WDR-Rundfunkrat Horst Schröder, jahrelang für den WDR in verschiedenen Funktionen tätig, gibt in seinem Lebenslauf an, er sei inzwischen Medienberater für Banken und Unternehmen. Daraufhin fragt ihn ein Journalist, ob er etwa auch für den WDR tätig sei, denn das ist laut WDR-Gesetz verboten. Schröder gibt keine Auskunft, der WDR ebenfalls nicht, und der Journalist klagt vor dem Verwaltungsgericht Köln. Später befassen sich auch das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen und das Bundesverwaltungsgericht mit dem Fall. Endergebnis: Der WDR ist verpflichtet, die geforderten Auskünfte zu erteilen. Im Mai, sieben Jahre nach der Anfrage, wird das Urteil rechtskräftig. Die Antwort des WDR steht immer noch aus. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sichert das Funktionieren unserer Demokratie.“  

DONNERSTAG

In Hamburg fallen zwei vorbestrafte Jugendliche einen Mann von hinten an, würgen ihn und rauben ihm das Handy. Das Opfer stürzt und wird schwer am Kopf verletzt. Ein Zeuge alarmiert die Polizei: Er ist auf den Überfall aufmerksam geworden, weil die Täter neben dem Opfer tanzten. Anaïs Nin: „Ich glaube, dass wir in einem Zeitalter leben, das in mehrfacher Hinsicht dem der Pest ähnelt.“

FREITAG

An der Hamburger „Elbphilharmonie“ wird mal wieder weitergebaut. Statt wie ursprünglich geplant im Jahr 2010 soll der Musiktempel nun „in der ersten Hälfte 2017“ eröffnet werden, statt der veranschlagten 77 Millionen Euro blecht der Steuerzahler jetzt mindestens 789 Millionen Euro. Sebastian Brant, „Das Narrenschiff“ (1494): „Wer nicht gern Reu beim Bau gewinnt, / Bedenk sich wohl, eh er beginnt. / Denn manchem kommt die Reu zu spät, / Wenn es ihm an den Säckel geht.“

SAMSTAG

Auf der Haupttribüne der Internationalen Gartenausstellung in Hamburg-Wilhelmsburg persifliert der „Comedian“ und Ex-Rockmusiker Markus Wolff („Der Wolli“) deutsche Schlager, indem er zu den Klängen von „Er gehört zu mir“ einen weißen Vibrator schwenkt. Das „Hamburger Abendblatt“ lobt: „…zeigte, wie man auch die Distanz von einer hohen Bühne zum Schaupublikum überwinden kann.“ Deutsches Sprichwort: „Narren lachen über alles.“

 

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