„Schwule sind für alles geeignet, sogar als Papst“

Montag, 8. Juli 2013

In GLAUBENSSACHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Glaubenssache“, welche Nachrichten vor zwölf Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 8.Juli 2001.

Am Mittwoch fragte ARD-Talkmaster Michel Friedman SPD-Generalsekretär Franz Müntefering: „Sie sagten, im Prinzip sind Lesben und Schwule für alles geeignet, sogar als Papst - haben Sie die Gefühle von Millionen Gläubigen bewußt verletzt?“ Müntefering: „Nein, nein. Ich glaube auch nicht, dass sie verletzt sind. Ich bin selbst katholisch.“ Friedman: „Können Sie verstehen, dass viele Leute durch diese Bemerkung aufgeregt, verletzt, beleidigt sind?“ Müntefering: „Vielleicht mal nachgedacht haben, an der Stelle. Aber es gibt einen ganz einfachen Dreisatz. Der erste Satz heißt: Natürlich können Homosexuelle auch katholisch sein. Und der zweite heißt: Katholiken können Papst werden. Und daraus folgt, was ich gesagt habe.“ Warum, so fragte „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner, nahm der Politiker den Papst als Beispiel und nicht etwa den Dalai Lama oder den Oberrabiner von Jerusalem? Weil der politisch korrekte Sozialismus à la Müntefering nicht die Religion an sich, sondern nur die christliche bekämpft.

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Lesefrüchte. Im "Zauberberg" sagt Naphta zu Settembrini: "Die Rechtmäßigkeit der kirchlichen Wissenschaftslehre, die sich in Augustins Satz 'Ich glaube, damit ich erkenne' zusammenfassen läßt, ist völlig unbestreitbar. Der Glaube ist das Organ der Erkenntnis und der Intellekt sekundär.“ Und: "Seit den Tagen Gregors des Großen, Gründers des Gottesstaates, hat die Kirche es als ihre Aufgabe betrachtet, den Menschen unter die Leitung Gottes zurückzuführen. Der Herrschaftsanspruch des Papstes wurde nicht um seiner selbst willen erhoben, sondern seine stellvertretende Diktatur war Mittel und Zweck zum Erlösungsziel, Übergangsform vom heidnischen Staat zum himmlischen Reich.“ Den „Mynheer Peeperkorn“ läßt Thomas Mann sagen: "Der Mensch ist göttlich, sofern er fühlt. Er ist das Gefühl Gottes. Gott schuf ihn, um durch ihn zu fühlen. Der Mensch ist nichts als das Organ, durch das Gott seine Hochzeit mit dem erweckten und berauschten Leben vollzieht." Erschienen 1924, drei Generationen später schon fast vergessen.

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Wenn alle Geschichten geschrieben, alle Bilder gemalt, alle Gefühle vertont sind und niemandem mehr etwas Neues einfällt, ist die Zeit reif für den Jüngsten Tag. Nach den aktuellen Leistungen unserer Kultur steht er kurz bevor.

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Maßlose Money-Mentalität und miese Massenabzocke stürzten die Börsen in die Krise, gute Geschäfte macht nur noch die Moral: Seit zwei Jahren sind auch in Deutschland Ethik-Fonds im Aufwind. 1928 von US-Quäkern erfunden, kaufen sie nur Aktien von Unternehmen, die ein ethisches Auswahlverfahren bestanden. Anleger sind Kirchen, Bistümer, Ordensgemeinschaften, aber auch immer mehr Privatpersonen. Die Erträge sind nicht sensationell, aber solide. Sprüche 23,2: „Setze ein Messer an deine Kehle, wenn du gierig bist.“

 

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