Theater in Deutschland: Oral- und Analsex vor Kindern

Freitag, 19. Juli 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 19.Juli 1998.

SONNTAG

In einem Hamburger Nachtbus belästigen junge Männer eine Frau auf übelste Weise. Als sie beim Fahrer Hilfe sucht, fordert dieser sie auf, auszusteigen. Die Frau hält den nächsten Bus an, dessen Fahrer sofort die Polizei alarmiert. Die macht die Täter dingfest, doch der Busfahrer verweigert die Aussage: Erst müsse er mit seinem Arbeitgeber sprechen.

Deutsches Sprichwort: „Man kann die Gemeinheit überschmieren, aber nicht kurieren."

MONTAG

Ärger im „Weilheimer Theatersommer": Cordula Trantow hat den „Urfaust" inszeniert, auch sechs- bis zehnjährige Kinder wirken mit, und zur Premiere wurden auf der Bühne Oral- und Analsex sowie Masturbationsszenen gespielt. Die Regisseurin ist von den Protesten überrascht: „Wir haben nicht mit dieser Wirkung gerechnet."

Schiller: „Wo die Kultur ausartet, geht sie in eine weit bösartigere Verderbnis über, als die Barbarei je erfahren kann."

DIENSTAG

Die Münchner Polizei nimmt fünf Mitarbeiter des TV-Senders PRO 7 fest: Sie hatten versucht, einen Killer anzuheuern, um daraus eine Sendung zu machen.

Marie von Ebner-Eschenbach: „Es stünde besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten angewendet würde.“

MITTWOCH

Auf einer Wahlveranstaltung in Cuxhaven sagt Kohl: „Wir sind ein ausländerfreundliches Land. Aber es ist wie im privaten Leben: Wer die Gastfreundschaft missbraucht, die Hausfrau beleidigt, den Hund tritt, fliegt raus!"

Saint-Exupery: „Wahrheit besteht im Zurückführen auf die letzte Einfachheit."

DONNERSTAG

In Darmstadt werden zwei Strafgefangene jeden Tag auf Staatskosten von einem Chauffeur im BMW zur Arbeit gefahren. Die Straßenbahn wäre billiger, aber die müssten die Häftlinge selbst zahlen, und das sei, so die Justizbehörde, nicht zumutbar.

Wieland: „Die größten, die gefährlichsten, die unerträglichsten aller Narren... sind die räsonierenden Narren."

FREITAG

Nachdem die Evangelische Kirche in Deutschland die Kinder- und Jugendarbeit in vielen Gemeinden seit Jahren ganz oder teilweise eingestellt hat, kritisiert der EKD-Ratsvorsitzende Kock eine Wohlstandsverwahrlosung von Kindern und Jugendlichen.

Jesaja 56,11: „Sie, die Hirten, wissen keinen Verstand."

SAMSTAG

Durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels wird bekannt: Nach der Rechtschreibreform werden Goethes Werke der neuen Schreibweise angepasst. Romane von Grass & Co. dagegen stehen unter einem „Orthographievorbehalt" noch lebender Autoren.

Goethe: „Töricht, auf Beßrung der Toren zu harren."

Anmerkungen

Manfred Kock war 1997-2003 EKD-Ratsvorsitzender.

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