Edward Snowden ja - Alexei Nawalny nein

Montag, 22. Juli 2013

Das Wort vom Sonntag

In „Das Wort zum Sonntag“ (ARD, Samstag) sagt Pfarrer Alfred Buß aus Unna (Auszüge): „‘Vergessen Sie nie, Engel haben oft seltsame Kleider an.‘ Das gab mir ein alter Pfarrer mit auf den Weg. Rückgrat zeigen, Eintreten für das Leben – gegen Erniedrigung, Entrechtung und Gewalt, dabei eigene Nachteile in Kauf nehmen: das ist Zivilcourage. Doch wie oft regiert das Gegenteil: eine Frau wird auf offener Straße angegriffen, ein Fahrgast in der U-Bahn bedroht – und keiner greift ein. Doch wir sehen auch Bilder von mutigen Menschen – in den Tränengasschwaden des Taksim-Platzes in Istanbul zum Beispiel. Oder von Edward Snowden. Er konnte nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, ‚dass der Geheimdienst der USA die Privatsphäre ... weltweit‘ zerstört. Dafür wird er strafrechtlich verfolgt. Wie viel ist schon gewonnen, wenn nur einer aufsteht und ‚Nein‘ sagt.“ Der vergangene Woche zu sechs Jahren Haft verurteilte Putin-Kritiker Alexei Anatoljewitsch Nawalny ist dem Pfarrer keine Erwähnung wert. Auch nicht die vielen mutigen Dissidenten in russischen oder chinesischen Gefängnissen. Engel haben oft seltsame Kleider an, Pfarrer oft seltsame Gedanken.

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Beendet: "Zu Fuß von Passau nach Jerusalem" von Friedrich Schröger (1931-1994). Seit 1971 Professor für neutestamentliche Exegese, wurde er durch seine Wanderungen zu den großen Wallfahrtsstätten nach Jerusalem, Rom, Santiago de Compostela, Tschenstochau u.a. bekannt. Im Nachwort schreibt Reinhard Wachinger über Jerusalem: "Das Gold der Ewigkeit und das mystische Nichts tun es allein nicht; der Name Jerusalem meint eine konkrete Stadt, oft zerrissen und umkämpft, mit Menschen, mit Nachbarn, mit einer Lebensordnung; ich kann mich nicht über die Bedingungen des Irdischen, des Lebens hinausschwingen". Über das Pilgern: "So konkret und irdisch der Weg war, so konkret geht es beim Ziel um mein Leben mit den Menschen und um das Aufarbeiten meiner inneren Geschichte." Und: "Die Tiefenpsychologie würde etwa von dem Weg der Individuation reden und die Stadt Jerusalem als Symbol des Selbst verstehen; auch sie könnte freilich nicht anders als in Bildern reden. Unser Weg führt ja, wie Kardinal Newmans Grabschrift sagt, aus Andeutungen und Bildern zur Wahrheit. Das Buch 'Zu Fuß von Passau nach Jerusalem' kann ich als ein Bild für mein Leben und mein Ziel lesen. Erst so wird Friedrich Schrögers Bericht voll in allen seinen Dimensionen."

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Alles auf Erden geschieht zu Gottes Ehre oder vergeblich.

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Heilige der Woche:

Birgitta von Schweden hat schon als junges Mädchen Visionen, heiratet mit 14 den 18-jährigen Edlen Ulf Gudmarsson, schenkt ihm acht Kinder, wird Hofmeisterin beim König, unternimmt mit ihrem Mann eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela - alles Anfang des 14.Jhdts. Nach dem Tod ihres Mannes gründet sie mit 42 Jahren das erste Kloster ihres eigenen Ordens, geht dann nach Rom, pilgert mit 70 Jahren ins Heilige Land. Ungeheure Lebenskräfte, wie sie nur der Glaube schenkt. Morgen, am 23.Juli, ist ihr Gedenktag.

Der hundsköpfige Menschenfresser Reprobus wird nach seiner Taufe zum Menschen, der den Namen Christophorus erhält und später den Märtyrertod stirbt. Die Legende bringt die Neuschaffung eines gefallenen Menschen in der Taufgnade zum Ausdruck. In späteren Versionen ist er ein Riese. Die 50er Jahre kennen ihn noch als Medaille an Autokühlern. Heute ist der in Mittelalter und Neuzeit als Nothelfer hochverehrte Heilige aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Sein Gedenktag ist übermorgen, am 24.Juli.

Diesen Donnerstag, 25.Juli, ist der Gedenktag Jakobus des Älteren. Jesus nennt ihn und seinen jüngeren Bruder Johannes wegen ihres aufbrausenden Temperaments „Donnersöhne“. Mit Petrus gehören sie zu den drei besonders bevorzugten Jüngern. Ostern 44 erleidet er in Jerusalem unter dem Schwert als erster Apostel den Märtyrertod. Sein Grab wird in Santiago de Compostela verehrt, seit dem Mittelalter einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt. In der Schwarzwaldstadt Wolfach gibt es einen Jakobus-Stein und ein Gnadenbild aus dem 14.Jahrhundert. Benedikt zitiert die Botschaft des Heiligen so: „Keiner soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch niemanden in Versuchung.“

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Am Montag, 29. Juli folgt der Gedenktag der hl. Marta von Bethanien, die als geschäftige Hausfrau mit Schlüsselbund am Gürtel oder Kochlöffel dargestellt wird. An Popularität steht sie weit hinter ihrer leichtsinnigen, aber gefühlvolleren Schwester Maria von Magdala zurück. Marta ist Patronin u.a. der Arbeiterinnen, Hausfrauen, Dienstmägde, Köchinnen, Wäscherinnen. Der Alltäglichkeit flicht auch der Glaube keine Kränze, doch bleibt der Häuslichkeit der Respekt des unbehausten Wanderpredigers: "Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen."

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Johannes XXIII.: "Das Ende unseres Lebens wird ein Innehalten in der Ackerfurche sein. Der Herrgott behält sich vor, zu vollenden und unseren Werken den letzten Schliff zu geben."

 

 

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