Fußball & Politik: Union Blau-Gelb gegen FC Rot-Grün

Freitag, 26. Juli 2013

In Sport-TV RETRO zeigen Kolumnen aus früheren Jahren, wie Satiriker, Comedians und andere Fernsehwitzemacher die Welt des Sports zur Welt des Spotts machten. Heute: Die Ausgabe vom 26.Juli 2002 mit einenm Vergleich zwischen Fußball und Politik, einem Thema, das auch jetzt wieder aktuell wird.

„Teamwork“, spottet US-Journalist David Ogilvy, „ist eine Verschwörung der Mittelmäßigkeit.” Wer dächte da nicht sofort an Politik? Dort wird ja auch bald der erste große Titel der neuen Saison ausgespielt. Im Finale um den Kanzler-Cup stehen sich gegenüber: Titelverteidiger FC Rot-Grün unter Gerhard „Echthaar“ Schröder und Union Blau-Gelb mit Edmund Ä. Stoiber. Es wird hart, schon lange vor dem Anpfiff begann eine üble Treterei. Experten erwarten die Entscheidung erst im Elfmeterschießen. Das macht Prognosen schwer, doch da hilft ein Vergleich von CDU und SPD mit dem DFB: Der startete mit Ruuuuudi Völler von der 5-Prozent-Chancen-Hürde und wurde immerhin Zweiter.

Die Teamchefs. Schröder spielt pausenlos Hacke & Spitze und jubelt schon jetzt noch viel döller als Völler, aber die „Gerhard, Gerhard“-Rufe klingen doch nicht mehr ganz so begeistert wie vor vier Jahren. Stoiber macht auf seriös wie Skibbe, setzte auf Zweikampfhärte - aber zaubern kann er nicht.

Die Abwehr. Verteidiger Ramelow sah rot, durfte aber zwei Spiele später wieder rein. Verteidigungsminister Scharping sah die Entlassungsurkunde und kickt künftig nur noch für Mallorca. Einwechselspieler Struck soll erst mal nur die Bälle rauskloppen. Newcomer Kehl und Blau-Gelb-Vizecaptain Westerwelle starteten mit großem Sympathiebonus und verbreiteten viel gute Laune, leisteten sich dann aber dicke Schnitzer gegen USA bzw. Israel.

Mittelfeld. Rechts außen marschierte Bernd „Schnix“ Schneider an der Linie, zog dann flach nach innen, wechselt auch gern mal die Seite. Außenminister Fischer hält links Position, geht gern lange Wege, schlägt dabei jede Menge Haken – vom Gegner kaum zu packen. Ziege begann zwar links, hatte die besten Szenen aber durch Flanken von rechts - wie Innenminister Schily.

Angriff. Neuville war Stammspieler, musste plötzlich raus, feierte dann ein tolles Comeback. Auch Union-Geheimwaffe Lothar Späth war weg vom Fenster, ballerte sich nach seiner Rückkehr aber gleich in die Herzen der Fans. Jancker attackierte mit großem Einsatz und sperrte die Räume frei, versemmelte aber zuviel und musste auf die Bank. Beim SC Rot-Grün war Trittin der Mann fürs Grobe, traf aber ebenfalls nix und wird jetzt versteckt.

Reservebank. Bei Rot-Grün lauert der giftige, laufstarke Flügelstürmer Lafontaine auf eine zentrale Position, ist beim Teamchef aber chancenlos, seit er ihm das Trikot vor die Füße warf. Bei Union Blau-Gelb hofft Damen-Weltmeisterin Angela Merkel auf einen Einsatz als Überraschungs-Libera. Basler (FCK) und Möllemann (FDP) füllen mit ihrem exzentrischen Stil die Stadien, spielen aber leider immer wieder den tödlichen Fehlpass.

Zusammenhalt. Ruuudi kam per Teamwork aufs Treppchen. Bei Rot-Grün trainiert Schleifer Schröder nach der Methode Magath/Lorant: Wer pennt, motzt oder schlapp macht, fliegt raus. Motto: Der Star ist der Trainer, der Rest hält das Maul. Stoiber hat’s schwerer, Union Blau-Gelb kaufte seine Kicker aus allen möglichen Clubs zusammen, deshalb hat keiner eine richtige Hausmacht. Grüppchenbildung und Intrigen drohen!

Selbstbewusstsein. Rot-Grün war vier Jahre Champion, doch blieben nach schweren Pleiten zuletzt immer mehr Fans zu Hause. Union landete nach dem Abstieg in der Regionalliga, spielt dort aber an der Spitze, übernahm jetzt auch die Tabellenführung im Bundesrat.

Image. Union litt lange unter Schiebereien der Altliga-Mannschaft, Rot-Grün bekam zuletzt Probleme in der Bezirksliga Köln bzw. mit dem türkischen Nachwuchs-Kicker Özdemir wg. nicht ganz sauberer Handgelder. Problem beider Mannschaften: Es fehlen echte Sympathieträger wie Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, Ludwig Erhardt oder Helmut Schmidt.

Aussichten: Union Blau-Gelb setzt auf Angriff, aber wer steht eigentlich im Tor? FC Rot-Grün will kontern, aber wer soll bloß den Siegtreffer schießen? Es sei denn, Teamchef Schröder stellt sich selber auf. Auf alle Fälle wird es ein spannendes Spiel – und bitte: der Bessere möge gewinnen!

 

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