TV-Sportreporter: Pseudophilosophisches Intellektuellen-Gequatsche

Samstag, 27. Juli 2013

In Sport-Wort RETRO zeigen Kolumnen aus früheren Jahren mit einem Augenzwinkern, was damals bedenkenswert erschien – und was sich inzwischen (manchmal) geändert hat. Heute: Ausgabe vom 27.Juli 2001. Schon damals standen unsere TV-Sportreporter in der Kritik.

Waldläufe, Ballschule, Gymnastik und Kraftfutter, bis die Laktatwerte abheben: Unsere Kicker gingen wieder mal voll austrainiert in die neue Bundesliga-Runde. Wie aber brachten sich jene in Form, die immer als erste (und am härtesten) über Keuch-Lungen, Krampfwaden und schlappe Schüsse schimpfen? Hier die ultimaten Fernseh-Fitness-News:

Jörg Wontorra: Die Teflon-Type („Habe noch nie was anbrennen lassen“) präparierte sich unter notarieller Aufsicht in einem SM-Ärztehaus für das „ran“-Marathon zur Hauptabendzeit. Aus dem Programm: Viagra-Entwöhnung mit Domenica, Geldschein-Dauerzählübungen mit Handgymnastikerin Dolly Buster, dazu Grinsgebiss-Generalüberholung im Dentallabor von „Naddel“, Slogan „Ich weiß‘n Scheiß, beiß aber weiß!“

Werner Hansch: Der erregungsfreudige Ruhrpott-Caruso mit den unerschütterlichen Phrasenschatz absolvierte dennoch einen vierwöchigen Auffrischungskurs „Redensarten aus Revierkneipen“ und besuchte zusätzlich das Schwatz-Seminar „Wie steigert man Superlative?“ bei Schalke-Schwadroneur Charly Neumann. Zur Pflichtlektüre zählten „Reden, ohne was zu sagen“ aus der Bundestags-Bibliothek, der Edgar-Wallace-Klassiker „Null Action, aber 100 000 Spannungsvolt“ sowie der Ratgeber „Man muss auch mal ernst bleiben können“ von Tünnes & Schäl.

Michael Steinbrecher: Die angestaubte Berufsjugend-Langlocke aus dem ZDF-„Sportstudio“ beteiligte sich an dem gewaltfreien Esoterik-Kurs „Hilfe, mein Badeschwamm beißt fester zu als ich“ und brachte seine Betroffenheit auf einer Konferenz des Instituts für Fußballfriedensforschung zum Thema „Eckfahnen als Kriegssymbole“ ein. Erwarb außerdem das Roger-Willemsen-Diplom in der demnächst olympischen Triathlon-Disziplin PIG („Pseudophilosophisches Intellektuellen-Gequatsche“): Sieger ist, wer am häufigsten so fragt, dass ihn nicht mal Genies verstehen.

Waldi Hartmann: Der bayerische Allesduzer machte gegen den Phantomschmerz des abrasierten Schnurrbarts eine kosten-, aber leider auch erfolglose Therapie bei der König-Ludwig-II-Gedächtnisstiftung für alternde Wildschütz-Simulanten. Außerdem belegte er einen Charmelehrgang beim Diätberater von Calli Calmund und bestand auf einem Wochenendseminar mit Alice Schwarzer ein Demuts-Tantra nach dem Erotik-Bestseller „Alle meine Chefs sind Frauen – na und?“

Gerd Rubenbauer: Der Bajuwaren-Beau mit den Bandleader-Jacken  

(„Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, bei Rubi ist es anders rum“) frischte Bratwurst-Teint und Discount-Humor am Ballermann, Sektion für Fortgeschrittene, auf und absolvierte außerdem ein Fernstudium in Psychologie. Schwerpunkt: „Witze erzählen – trotz allem!“ Außerdem weiterer Besuch beim Schönheitschirurgen. Vorlage diesmal: Krokodillederkoffer der Urgroßmutter aus dem Burenkrieg.

Marcel Reif. Die igelgesichtige Schaumlippe mit der eingebauten Überhöhungsgarantie besuchte den Fortbildungskurs

„Niedermachen, aber dran verdienen“ bei Box-Kritiker Werner Schneyder und besuchte Semantik-Vorlesungen der jungsprachlichen Kleinbart-Akademie Sabbelbüren zum Thema „Wortbrücken zwischen Blutgrätsche und Gutmenschentum“. Außerdem Kurzlehrgang beim Kaiser in Kitzbühel. Disziplinen: 1. Leeres Stroh dreschen 2. Ohne Punkt und Komma reden 3. Heute so, morgen so. Vor den Kursen „Tacheles reden“ und „Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen“ wurde er leider krank. Gute Besserung!

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