Biblisches Vorbild für eine neue Frauenrolle

Freitag, 26. Juli 2013

Die katholische Kirche feiert heute ein ungewöhnliches Ehepaar: Anna und Joachim sind die Großeltern Jesu, aber nicht einmal die Legende weiß, ob sie die Geburt des Erlösers noch erleben.

Anna ist schon alt, als göttliche Gnade ihr doch noch Mutterfreuden schenkt: Ihr Name bedeutet „Erbarmen“, sein Name „Gott wird aufrichten“. Wie seine Frau leidet der reiche, fromme und mildtätige Joachim sehr, als der Ehe auch nach zwanzig Jahren kein Kindersegen vergönnt scheint. Vierzig Tage fastet er in der Wüste. Endlich kündigt ein Engel Erhörung an. Die überglücklichen Eltern nennen ihre Tochter Maria („geliebt“) und lassen sie von ihrem dritten Lebensjahr an im Tempel aufziehen.

Als Maria heiratsfähig ist, sind Anna und Joachim wohl bereits gestorben. Der Hohepriester ruft mögliche Ehemänner in den Tempel, und eine Taube erscheint über dem Zimmermann Josef, der die Jungfrau als Braut zu sich nimmt.

Im Mittelalter wird Anna eine der bedeutendsten Heiligen: Kreuzfahrer bringen ihren Kult aus dem Orient mit, und das aufstrebende Bürgertum findet in ihr die Bestätigung für eine neue Rolle der Frau als starke, tüchtige Helferin auch im Wirtschaftsleben. Zünfte und Gewerbetreibende wählen Anna zur Schutzpatronin. Schwangere tragen Zettelchen mit ihrem Namen am Leib, Kinderlose beten zu ihr. Annenwasser wird Heil- und Hilfsmittel in allen Nöten. Als kostbare Reliquie wird seit 1501 in Düren ein Teil ihrer Hirnschale verehrt. Kirchen, Kapellen, Wallfahrtsorte, Berge, Brunnen und Quellen in der ganzen Welt sind nach der Mutter christlicher Mütterlichkeit benannt.

Anna ist Patronin von Florenz, Innsbruck, Neapel, der Bretagne, für glückliche Heirat, Ehe, Kindersegen, glückliche Geburt, Mütter, Witwen, Arme, Arbeiterinnen, Hausfrauen, Hausangestellte, Müller, Knechte, Krämer, Kunsttischler, Drechsler, Weber, Schneider, Strumpfwirker, Spitzenklöpplerinnen, Schiffer, Seiler, Goldschmiede, Bergleute und die Feuerwehr.

Joachim ist Patron der Eheleute, Schreiner und Leinenhändler.

Darstellungen zeigen Anna im roten Kleid und grünem Mantel mit Buch, mit Maria und dem Jesuskind als „Annaselbdritt“, Joachim als alten Mann mit Buch oder Schriftrolle.

Nach dem Volksglauben hilft Anna gegen Kopf-, Brust- und Bauchschmerzen, Augenkrankheiten, Besessenheit, Gicht und die Pest, bei Gewitter und beim Suchen nach verlorenen Sachen, zu Regen, Schwangerschaften und glücklichen Geburten. Und der Dienstag wird als ihr Geburts- und Todestag zum bevorzugten Hochzeitstag.


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