Kap. 10: Die Auswertung

Samstag, 27. Juli 2013

„Und jetzt ist damit auch schon gleich wieder Schluss.“

Sie befühlte ihre Nase. „Ist es schlimm?“

  „Nur eine leichte Läsion am oberen Os nasale, rechtsseitig“, sagte der Arzt. „Dürfte in ein paar Tagen verheilt sein.“

  Sie verzog das Gesicht. „Narbe?“

  „Keine Angst, es ist wirklich nur eine Prellung. In einer Woche sieht man nichts mehr.“

  „Gott sei Dank“, seufzte sie. Wie flackernde Neonröhren aktivierten sich nun nach und nach alle Regionen ihres Gedächtnisses, und die Erinnerung an den Überfall traf sie mit einer Wucht, die ihr den Atem nahm.

  „Was ist?“ fragte der Arzt und beugte sich besorgt über sie. „Ist Ihnen nicht gut? Müssen Sie sich übergeben?“

  Sie holte tief Luft und atmete kräftig durch. „Ich habe Hunger. Gibt es hier denn nichts zu essen?“

  „Ich lasse Ihnen erst mal eine Suppe machen“, sagte der Arzt. „Essen Sie aber schön langsam, sonst sind Sie alles gleich wieder los.“

  „Ich pfeife auf Ihre Suppe“, sagte sie energisch und schlug die Decke zurück. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie nur einen Krankenkittel trug. „Ich will sofort meine Sachen haben!“

  „Sofort“, sagte der Arzt. „Aber wollen Sie nicht wenigstens noch Ihren Besuch empfangen?“

  „Besuch?“

  „Oberst Gómez. Er wartet schon seit zwei Stunden.

  Maria Behring überlegte. „Vielleicht ist es wirklich besser, wenn ich ihn gleich hier abfertige“, entschied sie dann. „Ich werde mich ein bisschen krank stellen. Vielleicht schnüffelt der Kerl nicht mehr so penetrant hinter uns her.“

  „Ich sage ihm Bescheid.“

  „Ja. Und Sander auch! Er soll gleich kommen, vielleicht werde ich den Colonel dann schneller los.“

  Gómez hielt ihr einen riesigen Blumenstrauß entgegen. Sie streckte die Hand aus. Der Colonel ergriff sie mit einer tiefen Verbeugung und applizierte gekonnt einen Handkuss.

  „Sie ahnen nicht, wie glücklich ich bin, Sie in Sicherheit zu wissen“, sprudelte er hervor. „Ich habe mir große Sorgen gemacht. Wie leicht hätte noch Schlimmeres geschehen können!“

  „Es ist ja noch einmal gut gegangen“, sagte sie. „In Zukunft werden wir noch vorsichtiger sein.“

  „Ich bin sehr dankbar, dass Sie das sagen“, sagte der Oberst. „Es war wirklich ein Schock. Die Vorstellung, dass Sie irgendwo im Dschungel festsäßen und ich nicht augenblicklich zu Hilfe eilen könnte, war schrecklich für mich.“

  „Ich danke für Ihre Anteilnahme, Colonel“, sagte sie. „Aber wie Sie sehen, haben wir es auch allein geschafft. Es war ja auch kein richtiger Unfall. Nur eine etwas harte Annäherung.“

  „Bei der Heiligen Jungfrau!“ rief der Oberst. „Das ganze Armaturenbrett ist voller Blut.“

  „So?“ fragte sie und schaute zur Tür, die sich gerade öffnete. Sander trat ein und zwinkerte ihr zu.

  „Ja, natürlich“, fuhr sie fort. „Der Aufprall war ganz schön heftig.“

  „Sie waren bewusstlos“, sagte der Oberst.

  „Nein“, sagte sie. „Ich hatte nur eine Beruhigungstablette genommen und war dadurch eingeschlafen. Wie Sie sehen, bin ich wieder wohlauf. Nur meine Nase nicht.“ Sie lächelte etwas gequält.

  „Wo hat sich der Unfall denn ereignet? Es würde mich auch noch nachträglich sehr beruhigen, wenn ich wüsste, dass es in der Nähe war, so dass wir auf einen Funkspruch rasch hätten reagieren können. Im Dschungel können auch kleine Verletzungen schnell sehr gefährlich werden, wie Sie wissen.“

  „In der Neblinaregion“, sagte Maria Behring.

  „Ungefähr 20 Kilometer nördlich der Grenze“, sagte Sander.

  „Verstehen Sie mich recht“, sagte der Oberst, „solange Sie in der Luft sind, ist alles halb so schlimm. Wenn Sie aber notlanden müssen oder aus irgendeinem Grund am Boden festgehalten werden...“ Er beugte sich ein wenig vor. „Unsere brasilianischen Freunde sind immer sehr zugeknöpft, wenn es um Regierungsangelegenheiten geht. Denn wenn auf dieser Ebene etwas schiefgeht, ist es für die Verantwortlichen natürlich immer doppelt peinlich. Darum versuchen sie immer alles unter der Decke zu halten. Wir wissen inzwischen aber, wer das Massaker bei den Indianern angerichtet hat. Es waren entlaufene Sträflinge. Sie sind vor zwei Wochen aus der Polizeistation von Tupurucuara, unten am Rio Negro, geflüchtet. Straffällig gewordene Goldsucher. Nicht, dass die anderen Garimpeiros besser wären! Aber diese drei sind wohl besonders gefährlich. Richtige Bestien. Haben ihren eigenen Kumpanen die Hälse durchgeschnitten, um an ihr Gold zu kommen. Und auf der Flucht zwei Polizisten ermordet. Deshalb ist jetzt die Bundespolizei hinter ihnen her. Mit Hubschraubern.“ Er lächelte freudlos. „Wir hören natürlich den Funkverkehr in der Provinz Amazonien ab. Und dabei ist es praktisch nicht zu vermeiden, dass meine Leute ab und zu auch etwas von unseren brasilianischen Freunden aufschnappen.

Vorgestern hat die Besatzung eines Hubschraubers gemeldet, sie hätten Spuren am Boden untersucht und dabei aus Richtung des Cerro de la Neblina Schüsse gehört. Demnach besteht leider eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich die Kerle in das Neblinagebiet geflüchtet und dort vielleicht erneut auf Indianer geschossen haben.“

  Er sah erst Maria Behring und dann Sander an, als erwarte er einen Kommentar.

  „Und das“, fuhr der Oberst fort, „bedeutet zu meinem großen Leidwesen auch, dass die Verbrecher möglicherweise die Absicht haben, auf venezolanisches Gebiet zu entkommen.“ Er räusperte sich. „Deshalb ist es meine Pflicht, Ihnen um Ihrer eigenen Sicherheit willen alle weiteren Fahrten in das Neblinagebiet bis auf weiteres zu untersagen. Ich bitte um Ihr Verständnis.“

  „Ich schlage vor, dass wir Caracas darüber entscheiden lassen“, sagte Maria Behring.

   „Con permiso“, sagte der Oberst höflich, „aufgrund der Dringlichkeit habe ich mir bereits erlaubt, den Innenminister zu informieren. Er ist ganz meiner Ansicht und lässt mir freie Hand.“

  Maria Behring wollte auffahren, aber Sander gab ihr einen beruhigenden Wink und fragte: „Wie lange kann es dauern, bis Sie die Kerle haben?“

  „Das kann ich nicht sagen“, erwiderte der Colonel. „Vielleicht ein paar Tage. Vielleicht ein paar Wochen. Vielleicht erwischen wir sie nie.“ Er beugte sich wieder ein wenig vor. Vielleicht sind sie auch schon tot, wer weiß? Die Yanonami sind ziemlich wehrhaft, wenn sie ihre Gegner rechtzeitig bemerken und sich auf sie einstellen können. Nach diesem Massaker sind die Indianer gewiss auf der Hut.“

  „Hören Sie“, sagte Maria Behring zornig, „wir können nicht eine Expedition abbrechen, die bisher drei Millionen Dollar gekostet hat, nur weil Sie Ihren polizeilichen Aufgaben nicht in einem angemessenen Tempo nachkommen können.“

  „Wir tun, was wir können“, sagte der Oberst. „Aber wir sind hier nicht in Europa. Hier ist der Regenwald. Millionen Quadratkilometer Dschungel. Hier könnte sich eine Saurierherde herumtreiben, und kein Mensch würde es merken. Glauben Sie mir, wir alle tun unser Bestes, und in meiner Einheit dienen erfahrene Männer, die einen großen Teil ihres Lebens in der Selva verbracht haben. Drei von ihnen sind sogar Indianer und im Urwald geboren. Nun ruhen Sie sich doch erst einmal aus!“

  Er erhob sich und streckte die Rechte aus, aber Maria Behring ließ sich zurücksinken und zog ihre Hand unter die Bettdecke. „Auf Wiedersehen, Oberst!“ sagte sie wütend.

  Sander stand auf, packte demonstrativ die dargebotene Hand des Colonels und schüttelte sie heftig. „Die Enttäuschung ist natürlich groß“, sagte er beschwichtigend, „aber ich bin mir ganz sicher, dass Sie Ihr Verbot bald wieder aufheben können.“

  „Das hoffe ich auch“, sagte der Oberst. „Bitte halten Sie sich an meine Anweisungen, Herr Sander. Es ist zurzeit wirklich zu unsicher in der Neblina.“

  Sander begleitete ihn vor die Tür und kehrte dann in die Krankenstation zurück.

  „Ob er ahnt, was passiert ist?“ fragte Maria Behring.

  Sander schüttelte den Kopf. „Er weiß natürlich, dass wir ihm die Hucke vollgelogen haben. Aber dass wir ohne Waffen mit drei Garimpeiros fertig werden, traut er uns bestimmt nicht zu,

  „Ich glaube es ja selber nicht.“ Sie gab sie sich einen Ruck. „Sie haben doch hoffentlich unsere Aufzeichnung in Sicherheit gebracht!“

  „Klar.“ Er hielt ihr den Schlüssel hin. 

  „Kommen Sie in zwei Stunden wieder. Wir müssen diese Zwangspause irgendwie nutzen.“ 

  Sander kehrte in sein Zimmer zurück, räumte seine Seekiste auf, brachte seine Sachen zur Wäscherei und verzehrte in der Kantine ein Steak. Nach genau zwei Stunden klopfte er an ihre Tür.

  Sie öffnete in Jeans und einem leichten Kaschmirpullover. „Sehen Sie sich das an.“

  Sie setzten sich vor den Computer. Der Monitor zeigte ein Bild aus der Infrarotkamera. Über dreitausend Bewohner des Wolkenwaldes, Männer, Frauen und Kinder jeden Alters, saßen dicht zusammengedrängt auf den Ästen der drei großen Zedrachbäume.

  „Passen Sie auf“, sagte Maria Behring, führte den Cursor mit der Maus zu einer der Gestalten in der untersten Reihe und klickte sie an. Sofort erschienen Zahlen auf dem Monitor: Größe 143,75 Zentimeter. Gewicht 42,78 Kilogramm. Schulterbreite 34,95 Zentimeter. Brustumfang 83,47 Zentimeter. Beckenbreite 22,98 Zentimeter. Mittelgesichtsindex…“

  „Gut, was?“ sagte sie. „Habe ich heute Morgen im Postfach gefunden. Wunderte mich schon, warum das Modem blinkte. Neues Programm. Hat mir Professor Sarosi vorgestern Nacht über Satellit eingespielt. Jetzt brauche ich die einzelnen Personen nur noch anzuklicken. Der Computer misst dann selbständig die physikalischen Eigenschaften, setzt sie in Relation zu den Daten im Entfernungsmesser der Kamera und errechnet die Werte.“

  „Erstaunlich“, sagte Sander.

  Sie klickte die nächste Gestalt auf dem Standbild an. Wieder erschienen Zahlen. Auch die Durchschnittswerte auf einer Tabelle am rechten Rand des Monitors änderten sich ständig, bald aber nur noch im Millimeterbereich. 

  „Wie fühlen Sie sich denn so?“ fragte Sander.

  „Ganz gut“, sagte sie. „Habe ja auch lange genug geschlafen. War aber wirklich nicht nötig, dass Sie mir gleich drei Stück von unseren stärksten Schlaftabletten verabreicht haben. Das hat uns einen ganzen Tag gekostet.“

  „Sie hatten einen Weinkrampf“, sagte Sander. „Erinnern Sie sich nicht? Ich hatte Angst, dass Sie einen Nervenzusammenbruch bekommen.“

  „Schon gut“, sagte sie. „Ich mache Ihnen keinen Vorwurf. Sie haben aus Ihrer Sicht richtig gehandelt.“

  „Danke.“

  „Nun werden Sie nicht gleich sarkastisch“, sagte sie lächelnd. „Sehen Sie mal: alle diese friedfertigen Gesichter. Ich glaube, die haben in ihrem ganzen Leben noch nie etwas Böses getan. Weder einem Menschen noch einem Tier. Sie leben wirklich wie im Paradies. Wahrscheinlich wissen Sie noch nicht einmal, was eine Waffe ist.“

  „Der hier schon“, sagte Sander und zeigte auf den Mann, der mitten auf der Hängebrücke stand. „Das ist ein Schwert. Aus Holz, aber ein Schwert.“

  Sie holte die Gestalt in die Mitte des Schirms und vergrößerte sie. „Meinen Sie wirklich?“ sagte sie zweifelnd. „Es könnte auch ein Stab sein, für irgendeine Zeremonie.“

  „Nein“, sagte Sander. Sehen Sie doch, wie er es hält! Eine Ritualwaffe ist das bestimmt nicht. Von diesem Mann geht etwas ziemlich Bedrohliches aus.“

  „Auch wie im Paradies“, sagte sie. „Gab es da nicht diesen Erzengel, der Adam und Eva hinausführte und dabei ein Flammenschwert trug?“

  Sander zuckte mit den Schultern. „Weiß ich nicht.“ 

  „Ich leider auch nicht“, sagte sie. „Bibel gab’s nur im Kindergarten.“

  „Das ist ja noch nicht so lange her.“

  Sie boxte ihn gegen die Brust. „He, was erlauben Sie sich!“ Dann wurde sie wieder ernst. „Seltsam, dass man heutzutage über solche Sachen so wenig weiß. Ist uns wohl irgendwie völlig aus dem Blick geraten. Aber macht nichts.“ Sie drückte einige Tasten. Nach wenigen Sekunden erschien eine Schrift: „INTERNATIONALES PRESSE-ARCHIV BERLIN.“

  „Wir haben einen Vertrag mit dem größten Zeitungshaus Deutschlands“, erklärte sie, „und dürfen dort die Dokumentation nutzen. Ist vielleicht nicht die seriöseste, aber auf jeden Fall die schnellste.“

  Sie drückte verschiedene Tasten, bis „DIE BIBEL“ erschien. Dann folgten GENESIS. EXODUS. LIVITIKUS.“

  „Doch wohl Genesis, was?“ sagte Maria Behring und drückte wieder eine Taste. Zu lesen war: „Genesis 1. Genesis 2. Genesis 3…“

  „Ja, wenn ich das jetzt wüsste“, murmelte sie. „Also tippen wir doch mal auf die Drei.“ Ein Text erschien. „Treffer“, sagte sie und las vor: „Vers 22: ‚Dann sprach Gott, der Herr: Seht der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse.‘ Schön wär's! ‚Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!‘ Ja, das wäre was. Vers 23: ‚Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war.‘ Sagen die das nicht immer bei Beerdigungen: Aus Staub bist du geschaffen, zu Staub sollst du zerfallen oder so ähnlich? Vers 24. Jetzt kommt die Stelle! ‚Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.‘ Flammenschwert!“ Sie drückte wieder eine Taste. Der Bibeltext verschwand, und das Standbild der Infrarotkamera kehrte zurück. Da, sehen Sie nur: die Federn an seinem Schwert! Wenn die gelbrot oder orangefarben wären, könnte das aussehen, als schlügen Flammen aus der Schneide.“

  „Sie glauben im Ernst, dass das ein Erzengel ist? Wie sollen das denn Christen sein, ohne  Kontakt zur Außenwelt?“

  „Wenn sie vor vielen Jahren bekehrt wurden, oder wie das heißt, getauft, und sich dann in den Dschungel zurückgezogen haben...“ Sie holte das Schwert vergrößert auf den Bildschirm. Sehen Sie sich mal die Federn näher an. Schade, dass die Infrarotkamera keine Farbbilder liefert. Aber es gibt im Regenwald schließlich genügend Vögel mit gelbroten oder orangefarbenen Federn. Den Orangetukan zum Beispiel. Oder den Arassari. Den Felsenhahn nicht zu vergessen; ach nein, der kommt ja nur im Andengebiet vor.“ Sie musterte Sander, der sie ungläubig ansah. „Was ist denn?“ fragte sie.

  Sander schüttelte den Kopf. „Sie glauben wirklich, da steht ein Erzengel und bewacht einen Lebensbaum?“

  „Das würde mir jedenfalls gut gefallen“, sagte sie. „Stellen Sie sich das mal vor: ein Baum mit Früchten, die das Leben verlängern. Vergessen, Sie nicht: Sie sprechen mit einer Pharmaproduzentin. Immerhin muss diese Waffe irgendeine Bedeutung haben. Vielleicht finden wir etwas darüber heraus, wenn wir uns die Tonbänder anhören. Aber jetzt wollen wir erst mal diesen Teil hier vernünftig zu Ende bringen.“

  Sie führte den Cursor zur Tabelle und klickte das Wort „ADDITION“ an. Sekunden später blinkte die Angabe „Durchschnittliche Körperhöhe 144,55 Zentimeter.“

  Sander beobachtete Maria Behring von der Seite; durch die Arbeit am Computer schien sie wieder richtig aufzublühen. Das ist ihre Welt, dachte er, überschaubar, kontrollierbar, und wenn böse Überraschungen auftreten – ESCAPE!

  „Da haben wir es“, sagte sie. Sie holte eine Skala auf den Monitor: DURCHSCHNITTLICHE KÖRPERHÖHEN KLEINWÜCHSIGER INDIANERSTAMME SÜDAMERIKAS. Tembe 151,4 cm. Guayaki 151 cm. Guajiro 150,9 cm. San Blas 149,9 cm. Carib 149,8 cm. Tucuna 149 cm.“

  „Die sind also die Kleinsten. Das sind wirklich pygmäische Maße, da hat Professor Sarosi wohl ganz recht, oder?“

  Sander zuckte wieder mit den Schultern.

  „Das werden wir auch gleich haben“, sagte sie. Auf dem Bildschirm erschien abermals die Schrift INTERNATIONALES PRESSEARCHIV BERLIN. Maria Behring blätterte eine Weile im Verzeichnis, bis sie auf den Suchbegriff „Pygmäen“ stieß. Ein Tastendruck holte den Text auf den Bildschirm: “BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE“. Sie las wieder vor: „Pygmäen. Zu griechisch pygmaios, eine Faust lang.‘ Das interessiert uns jetzt mal nicht so sehr. Aber hier: ‚Kleinwüchsige Menschen in den äquatorialen Regenwäldern Afrikas, von Kamerun im Westen bis zu den ostafrikanischen Seen, 1980 etwa 100 000 Menschen.‘ Wann kommt denn nun endlich die Größe? Aha, hier steht es: ‚Die mittlere Körperhöhe liegt für die Ost-Pygmäen bei 137 cm für die Frauen und 145 cm für die Männer, während die Werte bei den West-Pygmäen mit 144 cm für die Frauen und 154 cm für die Männer etwas höher liegen.‘ Na bitte. Unsere Wolkenwaldmenschen sind also noch kleiner als die Pygmäen.“

  „Vielleicht infolge dauernder Mangelernährung“, schlug Sander vor.

   „Machen Sie sich nicht lächerlich“, sagte Maria Behring. „Sehen diese Leute etwa aus, als hätten sie Hunger? Die wissen gar nicht, was das ist. Schauen Sie sich doch mal die Gesichter an: Pausbacken! Und die Körper: runde Bäuche, pralle Hintern! Nein, die haben alle genug zu essen.“

  „Und warum sind sie dann allesamt Zwerge?“

  „Ja, wenn ich das wüsste. Vielleicht Evolution? In der

Kronenregion ist es ein großer Vorteil, wenn man nicht so groß ist, man ist dann ja leichter. Man benötigt weniger Nahrung. Man hat eine größere Reichweite, weil man zur Fortbewegung dünnere Äste benutzen kann als die größeren Arten. Man kommt viel schneller voran. Dazu würden auch die sechs Finger und die sechs Zehen passen. Und die Lücke zwischen der ersten und der zweiten Zehe. Wie bei den Affen.“ Sie zog die Nase kraus. „Leider hilft uns das im Moment auch nicht recht weiter“, gestand sie. „Denn die Evolution benötigt ziemlich lange, um solche physischen Unterschiede zwischen einzelnen Rassen erkennbar zu machen.“

  „Vielleicht leben die ja schon seit tausend Jahren hier“, meinte Sander.

  Sie schüttelte den Kopf. „Das halte ich für ausgeschlossen“, sagte sie. „Aber vielleicht hilft uns ja die Sprache weiter.“ Sie löschte das Bild, verkabelte das Abspielgerät des Richtmikrophons mit dem Computer und drückte die Starttaste.

  Nach einem kurzen Rauschen füllte ein seltsames Stimmengewirr den Raum. Erst nach einer ganzen Weile ließen sich Rhythmen und Melodien unterscheiden.

  „Großer Gott“, sagte Maria Behring. „Das klingt fast, als ob sie singen.“

  Sander nickte. Angestrengt bemühte er sich, Worte aus den ihm bekannten Urwaldidiomen zu erkennen.

  Maria Behring schob den Kontrastregler nach vorn. „Das ist Guarani“, stellte sie fest. „Aber doch nicht ganz – Irgendwie anders.“

   Sie hörte wieder zu, angelte nach einem Notizblock und warf Anmerkungen in einer Schrift auf das Papier, deren Unleserlichkeit die professionelle Vielschreiberin verriet. Nach einigen Minuten drückte sie die Stopptaste.

  „Es ist tatsächlich Guarani“, sagte sie. „Irgendein altertümlicher Dialekt. So, als läse man die Nibelungensage in Mittelhochdeutsch. Klingt alles irgendwie vertraut, aber dann doch ein bisschen anders. So, als hätte die Sprache sich in Hunderten von Jahren überhaupt nicht mehr weiterentwickelt.“

  „Isolation“, sagte Sander.

  „Genau.“

  „Wo haben Sie denn Guarani gelernt?“

  „Auf Marajó. Aber auch im Quellgebiet des Xingu sprachen noch einige Stämme Guarani. Und in paar alte Indianervölker im ostbolivianischen Regenwald. Sehr alte Völker. Lagide, wie Professor Sarosi sagen würde.“ Sie drückte wieder auf die Abspieltaste.

  Das Band lief weiter; Maria Behrings Hand flog mit dem Stift über das Papier. Dann stellte sie das Gerät ab und schaute auf den Zettel.

  „Das ist ein Guaraniwort für ‚Freunde‘, erklärte sie. Das hier bedeutet ‚Garten‘, und das hier ist eine Bezeichnung für ‚Wolken‘ oder ‚Himmel‘. Mit diesem Wort bezeichnen sie die Früchte der Pijiguaopalme. Das Lied hat einen Refrain; darin geht es um Regen und Sonne.“

  „Also ein Fruchtbarkeitsfest“, sagte Sander.

  „Oder ein Dankesfest“, sagte Maria Behring. „Die Pijiguaofrüchte werden in diesen Tagen reif. Auf Marajó liegt die Erntezeit zwischen Mitte März und Mitte April. Dann feiern die Indianer dort ein Dankesfest.“ Sie ließ das Band weiterlaufen, bis das Lied verklungen war.

  „Komisch“, sagte Sander. „Als wir mit dem Luftschiff über sie hinwegfuhren, hörte sich der Gesang an wie gregorianischer Choral.“

  „Wirklich? Merkwürdig. Warten Sie mal.“ Sie spulte das Band zurück und startete es von neuem. „Jetzt mache ich mal was ganz Verrücktes“, sagte sie. „Ich schalte einfach den Voice-Receiver ein.“

  „Den was?“ fragte Sander.

  „Stimmempfänger“, sagte sie. „An diesem Computer kann man gewisse Programme auch mit mündlichen Befehlen steuern. Das Gerät hat einen Prozessor, der gesprochene Worte erkennt und in elektromagnetische Impulse umsetzt. In sechs Sprachen.“

  „Aber bestimmt nicht in Guarani!“ sagte Sander, der sich nicht auf den Arm nehmen lassen wollte.

  „Nein, natürlich nicht“, sagte sie. „Aber in Deutsch,

Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Latein.“

  „Latein?“ fragte er. „Braucht das heute überhaupt noch jemand?“

  Sie drückte auf die Abspieltaste, und das Gerät begann zu laufen. Gespannt blickten sie auf den Bildschirm. In rasender Folge erschienen verstümmelte Schriften: wrzx? FranzösiEnglBULLSpanHOMB . .. Es war offensichtlich, dass der Computer nichts verstand. Plötzlich erschien auf dem Bildschirm das Wort „DOMINI“.

   Sofort drückte Maria Behring auf die Haltetaste. Das Wort flackerte, verlosch aber nicht.

  „Merkwürdig, nicht wahr?“ sagte sie und ließ das Band drei Sekunden zurückfahren. Dann startete sie es erneut; wieder erschien DOMINI.

  „Herr im Himmel“, sagte sie. „Mitten im Urwald ein lateinisches Wort!“

  Sie markierte die Stelle auf dem Band, ließ es zurücklaufen und hörte gespannt zu. Diesmal konnten sie es beide verstehen: Die Menschen im Wolkenwald sangen laut „Domini“.

  Maria Behring warf Sander einen strafenden Blick zu. „Von wegen keine Christen! Diese Missionare waren überall.“

  Sie ließ das Band weiterlaufen. Wieder erschien eine große Anzahl unsinniger Buchstabenkombinationen. Dann aber leuchteten plötzlich weitere lateinische Wörter auf, erst AUREUM, dann SERVUS, IMMACULATUS, REDEMPTOR und TIMOR.

  „Gregorianischer Choral“, murmelte Maria Behring. „Sieht so aus, als hätten Sie Recht; es klingt wie ein Kirchenlied auf Guarani.“

  Sie notierte die Wörter, schaltete das Abspielgerät aus und klinkte sich wieder über das Modem in das Berliner Pressearchiv ein. Nach einigem Suchen fand sie das Stichwort „BIBEL. LATEINISCH BIBLIA VULGATA“. Eine Tabelle erschien, und sie wählte den Begriff „KONKORDANZ“. Auf dem Monitor erschien eine Seite aus lauter Wörtern mit dem Anfangsbuchstaben A: Aaron, abdico, abdomen, abies, aedes... Daneben standen die Bibelstellen verzeichnet, die das betreffende Wort enthielten. Maria Behring gab die fünf lateinischen Begriffe aus dem Gesang der Wolkenwaldbewohner ein und drückte auf Vergleich. Nach wenigen Sekunden blinkte eine Schrift: „Psalmen 19.“

  „Da haben wir es“, sagte sie. „Ich kann es einfach nicht glauben, aber Computer irren sich bekanntlich nie. Die fünf Wörter kommen zusammen nur im neunzehnten Psalm vor.“

  Sie drückte einige Tasten, und der Text des Psalms erschien auf dem Monitor: „Caeli enarrant gloriam Dei, et opera manuum eius annuntiat firmamentum.“

  „Stopp“, sagte Maria Behring und drückte rasch wieder einige Tasten. „Das ist ein bisschen zu viel Latein.“ Sie holte den deutschen Text der Einheitsbibel auf den Schirm, und sie lasen: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament…“

  Sie lasen den Psalm zu Ende und sahen einander an.

  „Sie haben den lateinischen Text in ihre Sprache übersetzt“, sagte sie, „und dabei einige Worte aus dem Original erhalten. Vermutlich Wörter, für die es in Guarani keine Entsprechung gibt. So etwas wie einen ‚Herrn‘ zum Beispiel kennen die Indianer nicht. Ihre Götter sind Dämonen, gut oder bösartig, aber sie haben nur begrenzt Macht über die Menschen, wie etwa der Jaguar oder die Kobra. Dass der Mensch ein Diener Gottes sein soll, ist eine Erfindung der Buchreligionen, des Christentums, des Islams und der jüdischen Religion.“

  Sie holte die fünf Wörter zurück auf den Monitor und forderte die Übersetzung aus der Einheitsbibel an. Auf dem Bildschirm erschien: „AUREUM = Gold, SERVUS = Knecht. IMMACULATUS = unbefleckt. REDEMPTOR =  Erlöser. TIMOR =  Furcht.“l

  „Kein Wunder“, sagte sie. „Für solche Begriffe hat die alte indianische Sprache keine eigenen Wörter. Gold bedeutete den Menschen in diesem Wald nichts. Knechtschaft kannten sie nicht. Als Kinder der Natur konnten sie sich weder mit Sünden beflecken, noch benötigten sie einen Erlöser, und die Furcht des Herrn war ihnen fremd. Alles das ist erst mit den Spaniern nach Amerika gekommen.“

  Sie ließ das Band weiterlaufen; nach kurzer Zeit meldete der Computer: CALIGO.

  „Schon wieder eins“, sagte Maria Behring und schaltete das Übersetzungsprogramm ein; es antwortete: „CALIGO = 1. Nebel, Dunst, Rauch (densa, nigra Staubwolke, picea Rauchwolke). 2.a) dichte Finsternis (caeca, taetra). b) Dunkel vor den Augen. 3.a) geistige Nacht (mentis); bsd. Unwissenheit, Ungewissheit (caligo animo alcis offusa est); b) Trübsal, Elend.“

  Sie holte die Konkordanz auf den Bildschirm. Unter „Caligo“ erschienen drei Eintragungen: Hiob 22, 13 sowie Psalmen 18, 12 und Psalmen 77, 18. Sie prüfte alle drei Zitate; am aufschlussreichsten erschien ihr das zweite. Es lautete: „Er neigte den Himmel und fuhr herab, zu seinen Füßen dunkle Wolken.“

  „Das dunkle Gewölk Gottes“, sagte sie. „Das sollen wohl diese seltsamen schwarzen Wolken sein. Sie holte nun den kompletten Psalm auf den Monitor, und sie lasen: „Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich erschreckten die Fluten des Verderbens. Die Bande der Unterwelt umstrickten mich, über mich fielen die Schlingen des Todes. In meiner Not rief ich zum Herrn und schrie zu meinem Gott … Da wankte und schwankte die Erde, die Grundfesten der Erde erbebten. Sie wankten, denn sein Zorn war entbrannt. Rauch stieg aus seiner Nase auf, aus seinem Mund kam verzehrendes Feuer, glühende Kohlen sprühten aus von ihm. Er neigte den Himmel und fuhr herab, zu seinen Füßen dunkle Wolken. Er fuhr auf dem Kerub und flog daher; er schwebte auf den Flügeln des Windes. Er hüllte sich in Finsternis, in dunkles Wasser und dichtes Gewölk wie ein Zelt.“

  „Warum dieser Psalm?“ rätselte Maria Behring. „Wie hängt das alles zusammen?“

  Sie ließ die Worte auf dem Monitor stehen, drehte ihren Sessel zu Sander und sagte: „Es ist mir egal, was der Oberst sagt; ich pfeife darauf. Mehr als eine Geldstrafe kann dabei sowieso nicht herauskommen. Oder glauben Sie im Ernst, die sperren uns ein? Dazu sind die Venezolaner doch viel zu zivilisiert! Wir müssen wieder in den Wolkenwald, und zwar so schnell wie möglich.“

  „Ich weiß nicht recht“, sagte Sander unsicher.

  „Haben Sie etwa Angst? Ihre Geldstrafe zahle ich, machen Sie sich darum keine Sorgen! Und ich beschaffe Ihnen auch umgehend eine neue Lizenz. Das verspreche ich Ihnen.“

  Sander schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht“, sagte er. „Mit der Fliegerei ist es sowieso bald vorbei.“

  „Was ist es dann?“ wollte sie wissen. „Los, raus mit der Sprache! Plötzlich begann sie zu lachen. „Natürlich“, sagte sie. „Sie wollen mehr Geld.“

  „Wenn Sie mich so einschätzen, können wir unseren Vertrag gleich auflösen“, sagte Sander beleidigt.

  „Seien Sie doch nicht gleich eingeschnappt!“

  Sie schwiegen eine Weile. Dann räusperte sich Sander und sagte: „Halten Sie mich ruhig für einen sentimentalen alten Trottel. Aber haben Sie nicht selbst von ökologischer Ethnologie geredet? Wie oft, glauben Sie, können wir noch mit dem Luftschiff über den Wolkenwald fahren, ohne dass uns diese Indianer bemerken? Einige von ihnen haben uns doch schon gesehen! Fiel Ihnen nicht auf, wie dieser Mann auf der Brücke nach oben starrte? Wir waren kaum zwanzig Meter über ihm. Gut, es war Neumond, aber dieser riesige Rumpf verdeckt einen Haufen Sterne, und ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob er uns bei dieser Geschwindigkeit wirklich für eine Wolke halten konnte.“

  Sie schwieg, und er fuhr fort: „Irgendwann werden sie merken, dass da was nicht stimmt. Oder uns sogar erkennen. Und dann? Haben Sie sich schon mal überlegt, was Sie dann tun werden? Sie haben es doch selber gesagt - es wird sein, als ob ein Ufo vor dem Brandenburger Tor landet.“

  Maria Behring sagte noch immer nichts.

  „Holen Sie mal den Film aus der Infrarotkamera wieder auf den Bildschirm, und schauen Sie sich die Gesichter an“, sagte Sander.

  Sie gehorchte und sah mit gemischten Gefühlen auf die Bewohner des Wolkenwaldes.

  Sander fuhr sich mit den Fingern durch das lichte Haar. „Vor allem ist mir schleierhaft, wozu Sie eigentlich immer noch mehr über diese Indianer herauskriegen wollen“, sagte er. „Wollen Sie der sogenannten wissenschaftlichen Welt imponieren? Ist Ihnen klar, was dann geschehen wird? Disneyland!“

  „Schon gut“, sagte sie. „Sie haben Recht. Es sind meine eigenen Worte. Ich fürchte, mit mir ist ein wenig die Begeisterung durchgegangen.“ Sie blickte auf den Monitor. Unter der Kamera erschien nun wieder die Hängebrücke. Der Mann mit dem Flammenschwert schaute nach oben; sein Gesicht zeigte eine eigentümliche Mischung von Überraschung, Furcht und Kampfeseifer.

  „Da sehen Sie es“, sagte Sander. „Der hat uns entweder entdeckt, oder er ahnt instinktiv, dass seinem Paradies Gefahr droht.“

  „Ja“, sagte sie ungeduldig. „Sie brauchen das nicht ständig zu wiederholen. Ich weiß sehr wohl, wie es endet, wenn man ein Urvolk, das noch nie einen Weißen gesehen hat, plötzlich unserer Zivilisation aussetzt. Kulturschock. Krankheiten. Rascher Zusammenbruch aller sozialen Beziehungen. Einsamkeit, Trunksucht, Tod. Ich habe die Aborigines gesehen, in Australien, und die Buschmänner in Südafrika. Aber dass die Menschen vom Wolkenwald noch nie einen Weißen gesehen haben, kann ja wohl nicht stimmen. Wer hätte ihnen denn die Psalmen beibringen sollen?“

  „Das kann auch ein indianischer Priester gewesen sein“, beharrte Sander. „Oder es sind seither Jahrzehnte vergangen. Der Welt von heute wären diese Menschen doch überhaupt nicht gewachsen! Wir sollten sie in Ruhe lassen und nie wieder in den Wolkenwald fahren.“

  Auf dem Monitor erschien das andere Ende der Hängebrücke mit der kleinen Balustrade. Im Dunkel außerhalb des Strahlenkegels, den die Infrarotkamera auf den Wolkenwald warf, schien sich etwas zu bewegen. Maria Behring beugte sich vor, um es genauer zu sehen. Die Bewegung auf dem Monitor erstarrte. Maria Behring hatte das Band angehalten und spulte es jetzt ein Stück zurück. Dann ließ sie es in Zeitlupe laufen. Als sie merkte, was sich hinter dem kleinen Fenster der Höhle verbarg, begann ihr Herz heftig zu schlagen. „Da ist eine Höhle!“

  „Habe ich gar nicht gemerkt“, staunte Sander.

  „Das ist nicht das einzige, was uns entgangen ist“, sagte Maria Behring und stellte die maximale Vergrößerung ein. „Sehen Sie? Links vom Eingang.“

  Sander kniff die Augen zusammen. „Da ist noch eine Höhle“, sagte er. „Der Eingang ist ziemlich klein. Könnte ein Fenster sein.“

  „Es ist ein Fenster“, bestätigte sie. „Und jetzt passen Sie genau auf!“ Sie betätigte die Einzelbildschaltung und schob den Kontrastregler bis zum Anschlag.

  Als er erkannte, was sie meinte, traf ihn die Überraschung wie ein Kübel Eiswasser ins Gesicht geschüttet. Fast eine halbe Minute lang starrten beide auf den Bildschirm. Sanders  Lippen bewegten sich, aber er brachte kein Wort heraus.

 

 

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