„Edward Snowden wollte Jesus spielen“

Sonntag, 28. Juli 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 21.-27.Juli 2013

SONNTAG

Der „Spiegel“-Journalist Matthias Matussek ärgert sich öffentlich über einen Auftritt bei dem TV-Kabarettisten Alexander Bojcan („Kurt Krömer“). Der Gastgeber habe ihn als „hinterfotziges Arschloch“ bezeichnet und gefragt: „Was machen Sie eigentlich nach der Talkshow – in den Puff gehen?“ Jetzt überlegt sich der Journalist, gegen die Ausstrahlung juristisch vorzugehen. Ein anderer Gast der Sendung erklärt indes, das eigentlich Schlimme sei die Penetranz gewesen, mit der Matussek für sein neues Buch geworben habe. Jesus Sirach 3,27: „Wer sich gern in Gefahr begibt, kommt darin um.“

MONTAG

Aus einem Leserbrief in der „FAZ“: „In den ‚schlimmsten Emanzenzeiten‘ trugen Frauen ‚Atomkraft? Nein danke‘-Aufkleber auf ihren Hosenschlitzen, entbrannten in erregten Diskussion über die Adjektive ‚dämlich’ und ‚herrlich‘, ließen sich die Türen nicht mehr aufhalten, gründeten Frauenbuchläden als intellektuell-spirituelle Refugien weiblichen Wohlbefindens, hüllten ihre persönliche Befindlichkeit in die Farbe Lila und holten sich im Extremfall einen sogenannten ‚Stecher‘ zur Erfüllung ihres Kinderwunsches. Auch all dies wurde als großartige Frauenbewegung und –befreiung gefeiert.“ Und heute? Anais Nin: „Frauen sollten toleranter sein in der Beurteilung der verschiedenen Wege im Kampf um die Befreiung. Denn es gibt so viele Wege und so viele verschiedene Probleme, und jede Frau hat ihre eigene Rolle zu spielen und ihre eigene Bedeutung.“

DIENSTAG

Weiter Ärger um das EKD-Papier zur Homo-Ehe. Thomas Rachel, Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU: „Durch die leider völlig unzureichende theologische Grundlegung, aber auch durch einen oft befremdlichen, soziologisch-beschreibenden und von ‚Gender‘-Begrifflichkeit geprägten Sprachstil hat das Familienpapier das klare biblische Gesamtzeugnis von der besonderen Hochschätzung der Ehe vernebelt.“ Matthäus 5,37: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“

MITTWOCH

Im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg bedrängen rund hundert meist schwarzafrikanische Rauschgifthändler mit ihren Angeboten sogar Jugendliche und Kinder. Ein türkischer Imbissbesitzer, der die Verbrecher nicht auch noch bewirten will, muss sich als Rassist beschimpfen lassen. Weil Anwohner Polizeieinsätze begrüßen, verüben Chaoten Brandanschläge und erklären: „Wenn Menschen jubeln, weil sich Bullen auf flüchtende Migranten stürzen, sind sie als rassistischer Bürgermob zu bezeichnen. Von diesem Bürgermob haben wir in der letzten Nacht vier Autos in der Görlitzer Straße angezündet.“ Die designierte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann („Grüne“) schlägt vor, Drogen nun ganz offen in einem Shop zu verkaufen. Menandros: „Nichts Böses geschieht, wofür die Menschen nicht einen Vorwand haben.“  

DONNERSTAG

35 Jahre nach dem brutalen Mord der RAF an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer (1903-1977) plaudert Altbundeskanzler Helmut Schmidt in einem Interview Erstaunliches aus: „Helmut Kohl hat damals angeboten, sich austauschen zu lassen.“ Schmidt findet das allerdings „nicht ehrenhaft, es war verrückt … eine Schnapsidee.“ Wilhelm Busch: „Wir mögen keinem gerne gönnen,/ daß er was kann, was wir nicht können.“

FREITAG

Der Berliner Regisseur Frank Castorf inszeniert den „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen: Wotan als Mafia-Pate, die Rheintöchter als Prostituierte, die Riesen als Schläger in Trash-Kulisse. Das Publikum reagiert mit Buhrufen. Goethe: „Der Dilettantismus folgt der Neigung der Zeit.“                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

SAMSTAG

Westliche Demokraten feiern den „Whistleblower“ Edward Snowden als Helden, östliche Demokraten sehen den abtrünnigen Geheimdienstler differenzierter: Für die russische Kolumnistin Julia Latynina etwa ist der Amerikaner nur ein „infantiler Linker“, der „gern den Jesus Christus des digitalen Zeitalters gespielt hätte“, nur „bitte ohne Kreuzigung“. Leider habe er nun ausgerechnet in Russland Asyl beantragt, das nicht nur eigene und fremde Bürger systematisch abhört, sondern wo staatliche Beschatter mit Auftragskillern kooperieren – wie 2006 beim Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja und jetzt wieder bei der Drangsalierung der oppositionellen Aktivisten Jewgeni Roisman und Aksana Panowa in Jekaterinburg. Dadurch habe Snowden sich und seine Mission endgültig diskreditiert, meint Julia Latynina. Ex oriente lux…


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