Der Papst und die Todeshändler

Montag, 29. Juli 2013

Das Wort vom Sonntag

Lesefrüchte aus Gerhart Hauptmann, „Die Insel der Großen Mutter“. Miß Laurence: „Nicht nur der Ursprung des Lebens, sondern das ganze Leben ist das Mysterium. Wir schwimmen darin nicht anders als die Fische im Meer herum.“ - „Mir liegt nichts daran, einen Wunderglauben, wenn er fruchtbar ist und unseren Tendenzen zum Dasein Schwung verleiht, zu entkräften. Gelänge das und träte an Stelle des Wunders nichts weiter als ein kleiner Skandal, so wäre ein wesentlicher Antrieb zum Höheren, den unser Staat so nötig braucht, zunichte geworden. Halten wir an dem Wunder fest, so betrachten wir uns als Auserwählte und können uns ohne Mühe in den Gedanken einleben, wir seien die begnadeten Mütter eines zum Höchsten berufenen Volkes, ja vielleicht des Erlöservolkes der ganzen Erde.“ - „Der höhere Mensch glaubt nur dann wahrhaft zu handeln, wenn am Vollbringen irgendwie das Wohl und Wehe der ganzen Menschheit beteiligt ist und wenn also dem unmittelbaren Vorteil, den das Tätersein dem Täter bringt, ein höherer Vorteil für andere und für die Zukunft übergeordnet ist.“ - „Die Kultur, aus der wir stammen, ist trotz allem eine Versteinerung. Ich meine damit, so beweglich sie ist, ist sie dennoch nur oberflächlich lebendig. Sie zeitigt nur wenige Menschen unter Hunderten von Millionen, deren Leben in die Tiefe dringt. Europa hatte einmal eine große Zeit. Ich meine die, wo unter der heiligen Herrschaft der Kirche die romanischen und gotischen Dome entstanden sind. Sie war groß, denn der höchste Anspruch, der geltend gemacht wurde, war der Anspruch der Religion.“ - „Mulier taceat in ecclesia: nein, sie rede, sie fülle das Schiff der künftigen Kirche mit des Lebens Triumphgesang! Denn eines bleibt doch wohl ewig wahr: in welche Paradiese wir auch immer künftig einzugehen hoffen, immer wird es durch das Tor des Lebens gewesen sein.“ - „Das Weib denkt weniger, aber wesentlich. Natürlich nicht das kulturell verdorbene, sondern das naturhaft unverdorbene, mütterliche Weib. Nie kann einer durch die Mutter getragenen Zivilisation der Lärm der Dreschflegel, die leeres Stroh dreschen, und das betäubende Geklapper der Redemühlen, die Spreu mahlen, so überhandnehmen wie in einer Männerzivilisation.“ Rodberte Kalb sagt: „Der Glaube macht selig, wie der abgenutzte Ausdruck lautet, der, wenn irgendein Satz in der Welt, die Wahrheit zum Ausdruck bringt. Aber die Glaubenskraft zur Seligkeit muß eben, so wie jedes andere Sinnesorgan, reichlich Übung und Nahrung haben, wenn sie nicht verkümmern soll.“ Erschienen 1924 als „Die Insel der großen Mutter oder Das Wunder von Île des Dames. Eine Geschichte aus dem utopischen Archipelagus“.

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Wir leben jetzt in liberalen Zeiten, der Teufel möchte nicht mehr verteufelt werden

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Martha (hebräisch „Gebieterin“) ist das biblische Urbild der tüchtigen Hausfrau. Die Schwester von Lazarus und Maria, die nach der Legende Maria Magdalena ist, führt den Haushalt der Familie in Bethanien mit einem Fleiß, den auch Jesus lobt. Nach der Legende missioniert sie später mit ihren Geschwistern in Südfrankreich. In Tarascon überwindet sie einen Drachen, der an den Ufern der Rhône Reisende verschlingt. Der Ort ist zur Römerzeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Im Jahr 550 berührt der Frankenkönig Chlodwig I. als Wallfahrer die Gebeine der Heiligen und wird geheilt. Im Jahr 1187 werden die Reliquien in der Krypta der alten Kirche wiedergefunden und durch Wunder beglaubigt. Das Ereignis ist Anlass für einen Neubau, in dem bald viele Pilger beten. 1949-53 graben Archäologen Marthas Dorf Bethanien am Fuß des Ras-esch-Schijah südlich von Jerusalem aus. Das arabische Nachbardorf heißt El-Azarije („Lazarus“). Heute, am 29.Juli, ist ihr Gedenktag.

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Petrus Chrysologus (um 380-450) ist der fünfte Bischof der weströmischen Residenzstadt Ravenna. Von seiner vielgerühmten literarischen Tätigkeit sind nur die "Sermones" erhalten, doch das genügt, ihn 1729 zum Kirchenlehrer zu ernennen, fast 1300 Jahre nach seinem Tod. Der begnadete Prediger – „Chrysologus“ bedeutet „Goldredner“ -  bemühte sich, nie länger als 15 Minuten zu sprechen. Sein Gedenktag ist morgen, am 30.Juli. In einer Auslegung zu Lukas 1,39-45 mit dem Besuch Marias bei Elisabet schreibt er: „So ist die Geburt Christi nicht ein gewöhnliches Ereignis, sondern ein Zeichen; nicht das Werk der Natur, sondern das Werk göttlicher Kraft; nicht geschehen nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, sondern ein Beweis göttlicher Macht; sie ist ein Wunder des Himmels, nicht zu erfassen mit dem menschlichen Verstand. Was soll davon die Weisheit dieser Welt begreifen? Was soll hier der Scharfsinn des Fleisches erforschen?“ Sein bekanntestes Zitat: „Was sein wird, was sein sollte, was sein könnte, darauf achtet die Liebe nicht.“

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Übermorgen, am 31.Juli, ist der Gedenktag des hl. Ignatius von

Loyola (1491-1556). Der baskische Adelssohn kämpft als Soldat, bis ihn eine Kanonenkugel schwer verletzt. Über die Zeit seiner Läuterung schreibt ein Biograph: "Wenn er sein Denken auf Weltliches richtete, empfand er großes Vergnügen. Hörte er aber damit ermüdet auf, dann erfasste ihn Traurigkeit und Trockenheit. Wenn er dagegen über die harten Lebensregeln nachdachte, die er die Heiligen befolgen sah, dann empfand sein Geist Freude, und zwar nicht nur dann, wenn er sie im Herzen hin und her überlegte, sondern er fühlte sich auch dann noch froh, wenn er von ihnen abgelassen hatte. Zuerst bemerkte er diesen Unterschied nicht, bis ihm eines Tages die Augen des Herzens aufgingen. Denn durch Erfahrung erkannte er, daß bei der einen Art von Gedanken Traurigkeit, bei der anderen aber Freude zurückblieb." Zitate aus seinem Hauptwerk „Geistliche Übungen“: „Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott Unseren Herrn zu loben, Ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen, und damit seine Seele zu retten.“ - „Denn das soll ein jeder bedenken, dass er in allen geistlichen Dingen nur insoweit Fortschritte machen wird, als er herausspringt aus seiner Eigenliebe, seinem Eigenwillen und seinem Eigennutz.“ - „Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, meine ganze Habe und meinen Besitz; Du hast es mir gegeben, Dir, Herr, gebe ich es zurück; alles ist Dein, verfüge nach Deinem ganzen Willen; gib mir Deine Liebe und Gnade, das ist genug.“ - "Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge."

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Zum Gedenktag des hl.Alfons Maria von Ligouri (1696-1787) am 1.August: Als der gefeierte Rechtsanwalt mit 30 Jahren einen bedeutenden Prozess verliert, entschließt er sich, Priester zu werden, und kümmerte sich vor allem um die Ärmsten der Armen. 1731 gründet er den beschaulichen Orden der Redemptoristinnen und 1732 den der Redemptoristen, die "Kongregation des allerheiligsten Erlösers", einen Missionsorden für das einfache Volk.

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Der neue Papst kommt auch in den deutschen Medien gut an. Berichte vom Weltjugendtreffen der katholischen Kirche in Rio zeigen ihn als populären Prediger vor drei Millionen begeisterter Menschen. Am häufigsten werden seine Worte über den Kampf gegen die Armut zitiert, aber auch die Absage des Papstes an die zurzeit nicht nur in Lateinamerika diskutierte Freigabe von Drogen findet in die Zeitungen und Nachrichtensendungen: Dealer sind für Franziskus „Todeshändler“, die um jeden Preis „der Logik der Macht und des Geldes folgen“. Der Rauschgifthandel fördere „Gewalt und Schmerz“, der Kampf gegen ihn erfordere „ein mutiges Handeln der gesamten Gesellschaft“. Hoffentlich nicht in den Wind gesprochen! Yehudi Menuhin: „Eine Gesellschaft, die weder fastet noch betet und in der nicht wenigstens einige Mitglieder sich diesen Formen der Reinigung und Teilhabe am Unendlichen zuwenden, ist ernstlich in ihrem Gleichgewicht gestört.“

 

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