Kunst 1998: Blut, Exkremente und Kreuzigungen

Freitag, 9. August 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 9. August 1998.

SONNTAG

Nach einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur wollen 150 namhafte europäische Künstler Gerhard Schröder mit einem Manifest unterstützen, das am 19. August erarbeitet werden soll. Francois de la Rochefoucauld:„Die Erscheinungsformen der Eitelkeit sind unzählbar."

MONTAG

Am Hamburger Jungfernstieg müssen Reisende sich zwischen Dealern und Drogenabhängigen hindurchzwängen. Auf Treppen kochen Junkies Heroin. Ein Polizist erklärt: „Einschreiten können wir nicht" - das verbiete die ‚Hamburger Linie' der von den Grünen gelenkten Drogenpolitik. Adalbert Stifter: „Was den allergrößten Schaden bringt, sind die unreifen Politiker, die in Träumen, Deklamationen und Phantasien herumirren und doch so drängen, dass nur das ihrige geschehe."

DIENSTAG

In Hamburg will eine 56jährige die Pflege ihres 60jährigen Ehemannes übernehmen, der mit Hirnblutungen im Krankenhaus liegt. Nach dem Betreuungsgesetz von 1992 aber muss die Frau erst vor Gericht die Erlaubnis dazu erwirken und auch die Gerichtskosten übernehmen. Deutsches Sprichwort: „Je mehr Gesetz, je weniger Recht."

MITTWOCH

Das International Institute for Management Development in Lausanne untersucht die Arbeitsmoral in 47 Ländern. Ergebnis: Norweger sind am fleißigsten, Deutschland liegt auf Platz 17. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Ernst Schwanhold meint dazu, die von der Koalition durchgesetzte Lockerung des Kündigungsschutzes sei „ja nicht gerade förderlich für die Moral der Arbeitnehmer". Wilhelm Busch: „Trau keinem Filou, und halt' er auch beide Augen zu!"

DONNERSTAG

PDS-Größen wie Gysi und Bisky schreiben an Altbundespräsident von Weizsäcker, sie seien die „eigentlichen Verfassungspatrioten": „Wir wissen das westliche Ideal der bürgerlichen Menschenrechte sehr wohl zu schätzen, beharren aber darauf, es mit dem östlichen Ideal der sozialen Menschenrechte verbinden zu wollen.“ Schiller: „Der Betrug / Der hüllt sich täuschend / Ein in große Worte und in der Sprache rednerischen Schmuck."

FREITAG

In München wird ein Sexualmörder nach 15 Jahren auf freien Fuß gesetzt, obwohl Psychologen eine extrem hohe Rückfallgefahr bescheinigen. Auf Proteste erklären Justiz- und Sozialministerium, sie hätten keine gesetzliche Handhabe dagegen. Jeder Täter habe nach dem Verbüßen der Strafe ein Recht auf Wiedereingliederung. Tacitus: „Früher litten wir an Verbrechen, heute an Gesetzen."

SAMSTAG

In Prinzendorf bei Wien beendet der „Aktionskünstler" Hermann Nitsch sein „Orgien-Mysterien-Theater". Bei dem sechstägigen „Happening" wurden drei Stiere geschlachtet, mit 1000 Litern Tierblut Bilder gemalt, Menschen mit Gedärmen bedeckt, aus denen Blut und Exkremente spritzten, sowie gestellte Kreuzigungen gezeigt. Goethe, „Faust“: „Es gibt auch Afterkünstler."

Anmerkungen

Ernst Schwanhold (SPD) war 1995-1998 wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und Mitglied des Fraktionsvorstandes, 1998-2000 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Februar-Juni 2000 Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr und danach bis 2002 Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr in Nordrhein-Westfalen.

 

 

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