Ohnmächtig, als die Kalaschnikow losballert

Sonntag, 4. August 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 28.Juli bis 3.August 2013

SONNTAG

Der wegen fahrlässiger Tötung, gefährlicher Körperverletzung, Waffen- und Drogenbesitz vielfach vorbestrafte Coskun T. (33) aus Berlin greift aus heiterem Himmel sechs Menschen an und sticht auf zwei von ihnen mit einem Messer ein. Polizisten überwältigen ihn, ein Haftrichter weist ihn in die Psychiatrie ein. Kurz darauf spaziert er wieder durch Neukölln. Ein Gerichtssprecher: „Uns sind enge Grenzen gesetzt. Psychisch Kranke dürfen nicht einfach weggesperrt werden, auch wenn sie sich nicht behandeln lassen wollen.“ Leopold Schefer (1784-1862): „Recht tun auf ungerechte Art ist Unrecht.“   

MONTAG

Am 20.Juli fehlt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit beim Feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr am Reichstag. Sein Sprecher erklärt auf Nachfrage des BZ-Chefkolumnisten Gunnar Schupelius, es habe eine Terminüberschneidung gegeben. Beim 69. Geburtstag des Prominentenfriseurs Udo Walz am Sonntag ist der Bürgermeister dabei. An ihren Prioritäten sollt ihr sie erkennen…

DIENSTAG

Dritter Teil des „Rings“ in Bayreuth: Wotan ist Zuhälter, hängt mit Erda an einem Imbissstand herum, säuft und frisst Spaghetti. Fafner ist Schalterbeamter am Alex und beschenkt kleine Mädchen. Siegfried trägt Goldkettchen, und die Reste des zerbrochenen Nothung verwandeln sich in Kalaschnikows. Sie knallen so laut, dass ein Zuschauer ohnmächtig wird und hinausgetragen werden muss. Giorgio de Chirico: „Kunst im überlieferten Sinne gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch kurzlebige modische Einfälle.“

MITTWOCH

Grüne, Naturschützer und Linke wollen Hamburgs Senat per Volksentscheid zwingen, die ehemals städtischen Energienetze für geschätzte zwei Milliarden Euro von den privatwirtschaftlichen Betreibern zurückzukaufen. SPD, CDU und FDP sind strikt dagegen. Die evangelisch-lutherische Kirche setzt sich vehement für den energiepolitisch sinnlosen, aber teuren Handel ein, der die hoch verschuldete Stadt auf Jahre hinaus finanziell lähmen würde. Auf Nachfrage erklärt die Kirche, die Unterstützung der Rückkauf-Initiative sei „eine autonome Entscheidung des Fachbereichs Diakonie und Bildung des Kirchenkreises Hamburg-Ost“. Grundsätzlich setze sich die Kirche „für die Bewahrung der Schöpfung, für Klimaschutz und Energiewende“ ein. Inzwischen treten die Gläubigen scharenweise aus, und die Kirchen leeren sich immer weiter. Hesekiel 34,2: „Weh den Hirten, die sich selbst weiden!“  

DONNERSTAG

In dem Film „Feuchtgebiete“ masturbiert die Hauptfigur mit Gemüse und tauscht mit einer Freundin benutzte Tampons. Autorin Charlotte Roche hofft auf viele Zuschauer: „Manche sehen das vielleicht auch als Mutprobe: Wer zuerst kotzt, hat gewonnen!“ Lessing: „Die Narren sind in der ganzen Welt platt und frostig und ekel.“

FREITAG

Der Naturschutzbund (Nabu) meldet: Es ist ein gutes Jahr für Störche. In Hamburg ziehen 23 Paare 50 Junge groß, so viel wie seit 50 Jahren nicht mehr.

Die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen meldet: Nach einer Umfrage sagen 67 der Prozent der Deutschen, ein Kind sei ihnen zu teuer. Das sind neun Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.

Mehr Störche, weniger Kinder! „Faust“: „Denn ein vollkommner Widerspruch / Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren!“

SAMSTAG

Ein offener Brief der Schriftstellerin Juli Zeh an die Bundeskanzlerin mit der Frage „Ist die Bundesregierung dabei, den Rechtsstaat zu umgehen, statt ihn zu verteidigen?“ wird von 9000 Gleichgesinnten unterschrieben, darunter sechzig Autoren. Die FAZ listet einige auf: Angela Krauß, Peter Kuzeck, Kurt Drawert, Robert Menasse, Antje Rávic Strubel, Gisela von Wysocki, Nora Bossong. Lichtenberg: „Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller, als alle vier Weltteile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötig haben.“



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