Claus Jacobis Brief an das Jahrtausendkind

Montag, 19. August 2013

Das Wort vom Sonntag

Lesefrüchte. Oswald Spengler: „Die Juden haben eine großartige Mission nach Süden und Osten getrieben. Über Südarabien sind sie bis ins innere Afrika gedrungen, und zwar vielleicht vor oder kurz nach Christi Geburt; im Osten sind sie schon im 2.Jahrhundert in China nachzuweisen. Im Norden trat später das Chazarenreich mit der Hauptstadt Astrachan zum Judentum über. Von dort aus sind Mongolen jüdischer Religion bis ins Innere Deutschlands gedrungen und 955 mit den Ungarn auf dem Lechfeld geschlagen worden."

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Im „Wort zum Sonntag“ (ARD) sagt die evangelische Pastorin Nora Steen aus Hildesheim: „Die Nachrichten, die wir gerade aus Ägypten wieder gehört haben: Was da passiert, empört mich. Kirchen brennen, es könnten auch Moscheen und Tempel sein.“ Nein, können sie nicht - wann haben Christen in Ägypten oder sonst irgendwo auf der Welt zuletzt eine Moschee oder einen Tempel angezündet? Im Mittelalter? Weiter: „Der erste demokratisch gewählte Präsident Mursi wurde Anfang Juli gestürzt, öffentlich unterstützt von einer Koalition aus Militär, liberalen Muslimen und der koptischen Kirche. Alle haben die Chance eines politischen Neuanfangs in kurzer Zeit verspielt.“ Nein, diese Chance haben nicht „alle“ verspielt, sondern ausschließlich die Muslimbrüder, die unbedingt den islamistischen Gottesstaat wollen und jetzt vor lauter Wut und Enttäuschung Christen massakrieren. Pastorin Stehen weiter: „Und alle behaupten, im Namen der Religion zu handeln.“ Nein, das behaupten nur die Muslimbrüder – die Generale, aber auch die liberalen Muslime und die Christen sagen, dass sie im Namen der Demokratie handeln. Und: „Mittlerweile weiß niemand mehr, wer angefangen hat mit dieser entfesselten Gewalt.“ Doch, das weiß man ganz genau: Die Muslimbrüder haben mit ihren Heckenschützen alle anderen Ägypter gegen sich aufgebracht. Unangebrachte Gleichmacherei löst Probleme nicht, sondern verdeckt und verschärft sie.  

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Die katholische Kirche feiert heute den Gedenktag des hl. Johannes Eudes (1601-1680). Geboren in der Normandie, wird er in Paris erst Mönch und dann Priester, pflegt Pestkranke und widmet sich danach der Volksmission. Dabei fällt ihm der traurige Bildungsstand der Pfarrer auf, und er gründet für eine bessere Ausbildung des Klerus die „Kongregation von Jesus und Maria“ (Eudisten). Die Heiligen der Kirche setzen das Werk der Propheten und Apostel fort - wie allen entgegenzuhalten ist, die zweifelnd und oft mit spöttischem Unterton fragen, ob denn nach Christi Zeiten überhaupt noch weitere Gotteszeugen erschienen seien. Die Wunder der Bibel ereignen sich auch noch heute, und ebenso gibt es nach wie vor Visionen, Erscheinungen und göttliche Eingebungen. Sie werden oft nicht erkannt, selten geglaubt und häufig belächelt - ganz so wie die Warnungen eines Jeremia oder Ezechiel. Johannes Eudes fördert auch die Herz-Jesu-Verehrung und die Herz-Mariä-Verehrung. Berühmt für seine volksnahen Predigten, gilt er als einer der großen Erneuerer des religiösen Lebens in Frankreich. "Solange meine Zunge sich zum Sprechen und meine Hand sich zum Schreiben bewegt, will ich den Namen Jesu predigen und schreiben“, lautet eins seiner schönsten Zitate. „Ich will mein Leben, meinen Geist, meine Zunge, meine Feder nur dazu haben, die Erbarmungen dieses glorreichen Namens zu verkünden."

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Zum Gedenktag des hl. Bernhard von Clairvaux, dessen Andenken heute gefeiert wird: "Es gibt eine Liebe der Tat und eine Liebe des Herzens, des Gefühls. Bezüglich der tätigen Liebe wurde den Menschen ein Gesetz aufgegeben, ein Gebot auferlegt. Wer vermöchte sie aber so im Herzen zu fühlen, wie sie geboten wird? Die eine ist also geboten und schafft das Verdienst, die andere wird uns zur Belohnung gegeben. Gewiß, wir leugnen nicht, daß man mit Gottes Gnade einen Anfang und Fortschritt der gefühlten Liebe im gegenwärtigen Leben spüren kann. Ihre Vollendung aber weisen wir ganz der künftigen Seele zu." - „Größeres wirst du finden in den Wäldern als in den Büchern. Bäume und Steine werden dich lehren, was du von Meistern nicht hören kannst.“ - „Du brauchst keine Meere zu überqueren, keine Wolken zu durchdringen oder die Alpen zu überschreiten. Du brauchst keinen weiten Weg zu machen, sage ich. Geh ihm entgegen bis zu dir selbst.“ - „Du sollst dich nicht immer und nie ganz der äußeren Tätigkeit widmen, sondern ein Quentchen deiner Zeit und deines Herzens für die Selbstbesinnung zurückhalten.“ - „Der Blick auf die eigenen Nöte öffnet den Blick für die Nöte der anderen; und durch das, was man selbst erleidet, wird man fähig, mit anderen Leidenden mit zu leiden.“ – „Wer Gott mit inbrünstiger Seele liebt, der verwandelt sich in ihm." An Papst Eugen II. schrieb er : "Gönne Dich Dir selbst! Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da." Das ist für manche das Schwerste.

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Am Mittwoch folgt der Gedenktag des hl.Pius X. (1835-1914). „Magnificat" schrieb einmal über den großen (1999): "Eine große Gefahr für den christlichen Glauben sah Pius in verschiedenen Zeitströmungen, die das Übernatürliche völlig ausklammerten. Er gab diesen Strömungen den Sammelbegriff 'Modernismus'. 1907 schrieb er den Modernisten-Eid vor für alle, die ein kirchliches Amt erhalten sollten." Es kann keinen Frieden der Kirche geben mit einer Wissenschaft, die Gott aus seiner Schöpfung wegerklären will. Außerdem: "Seinem Wahlspruch gemäß ('Alles in Christus erneuern') konzentrierte er sich auf eine Vertiefung des religiösen Lebens bei Klerus und Laien und leitete viele Reformen ein (Liturgie, Kirchenrecht, Bibelwissenschaft." – Ein Reformpapst, von Kirchenfeinden verleumdet wie so viele andere auch.

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Der Apostel Bartholomäus, ein Bauernsohn, heißt ursprünglich Nathanael und ist der Bräutigam jener Hochzeit zu Kana, bei der Jesus Wasser in Wein verwandelt. Philippus macht ihn mit dem Erlöser bekannt. Seine Missionsreisen führen ihn später nach Kleinasien, Mesopotamien, Indien, Ägypten und Armenien. Dort bekehrt er den König; dessen Bruder läßt den Apostel daraufhin zu Tode foltern - ihm wird bei lebendigem Leib die Haut abgezogen. Die Gebeine werden mehrmals umgebettet: um 580 kommen sie auf die Insel Lipari vor Sizilien, 838 nach Benevent bei Neapel und 983 nach Rom ins neue Bartholomäuskloster auf der Tiberinsel (San Bartolomeo all’Isola). Kaiser Otto II. wollte sie später mit dem Schiff nach Deutschland bringen, starb aber zu früh. Die Verehrung der Schädeldecke des Märtyrers in Frankfurt bezeugt eine Urkunde aus dem Jahr 1215, die Reliquie kam aber wohl schon weit früher an den Main. Sie befindet sich heute in einem Reliquiar im Dommuseum.

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Dem Alter wachsen die Haare auch auf der Seele.

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Claus Jacobi, der vorgestern verstorben ist, schrieb in der „Welt am Sonntag“ vom 2. Januar 2000, der ersten Ausgabe des neuen Jahrtausends, einen "Brief an das Millenniums-Baby". Auszüge: "Es gab Babys (wie die Jahre 1914 und 1939), die waren so hässlich, dass die Polizei noch heute nach dem Storch fahndet, der sie brachte." - "Wachsen, Werden und Welken bilden den Kreislauf des Schicksals für Menschen und Jahre." - "Nie wurden auf Erden mehr Menschen getötet als im letzten Saekulum, und trotzdem lebten an seinem Ende mehr als drei Mal so viele wie an seinem Beginn." - "Zu viele Menschen sind das Unglück der Erde." - "Die Reichen werden reicher, die Armen werden mehr. Das ist für den Frieden so bekömmlich wie ein Hai im Swimmingpool." - "Staatsmänner, die ihre eigenen Kinder nicht erziehen können, regieren Nationen." - "Einst gab sich der Bankrotteur die Kugel, heute beantragt er Sozialhilfe." - "Ellenbogen werden unsere zweitwichtigsten Körperteile." - "Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde 'Individualismus' auch einfach als 'Egoismus' bezeichnet."



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