Die Lügen der Linken: Propaganda mit falschen Zitaten

Montag, 2. September 2013

In MOMENT MAL zeigen Kolumnen aus dem Jahr 1998, welchen Themen die Öffentlichkeit bewegten, als Rot-Grün zum ersten Mal die Ablösung einer schwarz-gelben Koalition anstrebte. Schon damals ging es um Fragen von Krieg und Frieden, Umweltschutz und die Regierungsbeteiligung der Ex-Kommunisten.

200 Jahre Heine, 100 Jahre Brecht. Es besteht Hoffnung, daß das Volk der Dichter und Denker anläßlich der Jubiläen seine Klassiker aus dem Regal holt. Und nicht nur kurzzeitig darin blättert, sondern aufmerksam liest. Denn nie wurden Dichtung und Wahrheit so perfekt und perfide auseinandergetrickst wie in unserer Zeit. Kostproben:

"Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin." Wurde von Gegnern der Nachrüstung seit 1982 als Brecht-Wort in Umlauf gebracht, stammte aber gar nicht von ihm, sondern wurde seinem Gedicht "Wer zu Hause bleibt" in den siebziger Jahren von unbekannter Hand als neuer Anfang hinzugefügt. In Brechts Originalgedicht, das an die Arbeiteraufstände 1934 in Österreich erinnert, heißt es dagegen: "Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen, denn: Wer den Kampf nicht geteilt hat, wird teilen die Niederlage. Nicht einmal den Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will: Denn es wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat." Der Dichter meinte also das genaue Gegenteil dessen, was deutsche Pazifisten in seinem Namen propagierten.

"Der Antikommunismus ist die Grundtorheit unseres Jahrhunderts". Wurde von der SED und ihren zahlreichen Tarnorganisationen als Verdikt Thomas Manns millionenfach publiziert. In Wirklichkeit lautet das Zitat, 1944 auf Deutsch erschienen in einer Exilzeitung in Chile: "Sie sehen, daß ich in einem Sozialismus, in dem die Idee der Gleichheit die der Freiheit vollkommen überwiegt, nicht das menschliche Ideal erblicke, und ich glaube, ich bin vor dem Verdacht geschützt, ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein. Trotzdem kann ich nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Wort Kommunismus, diesem Schrecken, von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen, die Grundtorheit unserer Epoche." Trotz aller Proteste der Erben Manns agitiert auch die PDS mit dem verfälschten Zitat.

"Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.“ Von der kommunistischen Propaganda als Beweis für die demokratischen Tugenden Rosa Luxemburgs eingesetzt, bei der Wende 1989 in der DDR aber von Demonstranten gegen das SED-Regime ins Feld geführt. In Wirklichkeit bezog sich die Revolutionärin höchstens auf Andersdenkende innerhalb ihrer eigenen kommunistischen Partei. Der Satz taucht lediglich in einer Randbemerkung eines unvollendeten Manuskripts über die Russische Revolution auf. Rosa Luxemburgs wirkliche Einstellung wird aus ihrem Aufruf vom 24. November 1918 deutlich: "Der Diktatur des Proletariats gehört der Tag und die Stunde. Wer sich dem Sturmwagen der sozialistischen Revolution entgegenstellt, wird mit zertrümmerten Gliedern am Boden liegen bleiben." Der kommunistische Aufstand forderte in Berlin 1200 Tote.

"Die Erde ist eure Mutter. Die Erde gehört nicht dem Menschen; der Mensch gehört der Erde." Von den Grünen als prophetisches Zitat des Indianerhäuptlings Seattle gegen den Fortschritts- und Wachstumsglauben der Industriegesellschaft propagiert. Seattle hatte 1854 bei Vertragsverhandlungen mit amerikanischen Beamten eine Rede über Unterschiede zwischen indianischer und christlicher Religiosität gehalten - er war katholisch getauft. 1970 schrieb der US-Drehbuchautor Ted Perry diese Rede für den Film "Home" ("Söhne der Erde") um, fügte eigene Ansichten ein und machte aus dem Dokument unter zahlreichen Fälschungen einen populistischen Aufruf zur Erhaltung der Natur, in dem sich seither auch das andere bekannte Zitat findet: "Erst wenn der letzte Baum..."

"Zitate können sehr verschiedene stilistische Zwecke erfüllen", schrieb Ludwig Reiners in seiner "Stilkunst", "In erster Linie verwenden wir sie als Belege...Noch häufiger benötigen wir die Worte anderer als Eideshelfer." Gegen die gezielte Falschaussage hilft wohl wirklich nur das Nachlesen im Original - auch bei Heine: Sein "Denk ich an Deutschland in der Nacht" wird von Politikern aller Parteien seit Generationen zur Illustration prätentiöser Sorge um das Vaterland verwendet. Aber fünf Strophen später führen die "Nachtgedanken" aus dem Jahr 1843 zu tröstlichem Optimismus: "Deutschland hat ewigen Bestand. Es ist ein kerngesundes Land."

 

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