Öko-Bier, Transrapid und das „aggressive Großdeutschland“

Freitag, 30. August 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 30. August 1998.

SONNTAG

Münchner “Grüne" fordern, auf dem Oktoberfest Produkte aus Öko-Anbau anzubieten. Auch sei zu bedauern, dass die Münchner Brauereien kein Öko-Bier herstellen - der herkömmliche Anbau von Gerste und Hopfen belaste Wasser und Boden.

Balzac: „Übereifer grenzt an Torheit."

MONTAG

Im holsteinischen Witzhave kaufen Transrapid-Gegner ein 8000-qm-Gelände und teilen es in 160 Parzellen auf, deren Eigentümer jetzt einzeln enteignet werden müssen.

Helmut Kohl: „Wir haben uns in vielen Punkten vom Rechtsstaat zum Rechtsmittelstaat entwickelt."

DIENSTAG

Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde unterstellt Claudia Nolte nach deren Anmerkungen zum Kinder- und Jugendbericht eine „Kleindörfliche Sichtweise": Die Ministerin solle sich die Familiensituation in Großstädten wie Hamburg ansehen. Gleichzeitig beschließen SPD und „Grüne" Einsparungen von 24,2 Mio. DM - auf Kosten der Kindergärten.

Gabriel Laub: „Der Zynismus der Zyniker besteht nicht darin, da sie sagen, was sie denken, sondern darin, dass sie denken."

MITTWOCH

In München verteilt ein Demonstrant Flugblätter zum Oktoberfestanschlag von 1980: Die„“Staatsorgane" würden den „faschistischen Anschlag vertuschen", Ziel der Regierung sei ein aggressives Großdeutschland". Ein Amtsgericht verhängt eine Geldstrafe, das Landgericht hebt sie auf. Begründung: Staatsorgane müssten sich auch überzogene Kritik gefallen lassen.

Schiller: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht Ihr Alles setzt an ihre Ehre."

DONNERSTAG

Das Arbeitsamt in Stade schreibt 700 Arbeitslose an, um sie zur Apfelernte zu verpflichten. 500 von ihnen erscheinen erst gar nicht zur Schulung. Eine Arbeitslose meint, als sie den Stundenlohn (10,60 DM) hört: „Da gehe ich doch lieber Reiten."

Kant: „Faulheit ist der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit."

FREITAG

Nach der Urlaubssaison 1997 gingen bei deutschen Reiseveranstaltern 250 000 Reklamationen ein. Kostprobe: „Antike Thermen wurden versprochen, aber als wir hinkamen, handelte es sich lediglich um Trümmer, an Baden war nicht zu denken.“

Goethe: „Die kommen eben von der Reise. Man sieht's an ihrer wunderlichen Weise..."

SAMSTAG

Der Liedermacher Hans Söllner nennt CSU-Innenminister Beckstein ein „Krebsgeschwür", SPD-Landeschefin Schmidt eine „fette, dumme, unfähige Blondine", den Papst einen „schwarzen Vogel mit Durchfall." Als Ansbachs SPD-Bürgermeister einen Auftritt verbietet, spricht Söllners Manager von politischer Zensur", sein Anwalt von „witziger Wortspielerei".

Goldsmith: „Um ohne Geist als Mann von Talent akzeptiert zu werden, hilft kein anderer Kunstgriff als glatte Obszönität."

Anmerkungen

Der SPD-Politiker Ortwin Runde war 1993-1997 Finanzsenator und 1997-2001 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die CDU-Politikerin Claudia Crawford, geschiedene Nolte, war 1994-1998 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit 2005 leitete sie das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Belgrad, seit April 2010 das KAS-Auslandsbüro Großbritannien in London.



 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt