Die Zehn Gebote – was sind sie heute noch wert?

Montag, 9. September 2013

An kaum einer Meßlatte lässt sich der Zustand einer abendländischen Gesellschaft leichter ablesen als an den Zehn Geboten. Resultat eines allen Religionen eigenen Strebens, ein Grundgesetz für das Zusammenleben der Menschen zu schaffen, hat der biblische Dekalog in Deutschland besonders viel an Wirkung und Ansehen verloren. Das zeigte ein Vergleich von Regeln und aktueller Realität:

   1.„“Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir." Nur noch 50 von 80 Millionen Deutschen sind Kirchenmitglieder. Nur noch 40 Prozent beschäftigen sich wenigstens mit der Frage nach Gott. Junge Leute lieben nicht Jesus, sondern Justin Bieber. Unter „Madonna" verstehen sie eine Sängerin mit erotischen Darbietungen. Erwachsene dienen am liebsten Gott Mammon.

   2.„“Du sollst den Namen des Herrn nicht mißbrauchen." Politiker schwören, zum Wohl des Volkes zu handeln („So wahr mir Gott helfe"), agieren danach aber häufig zum eigenen Wohl. Selbst Theologen sprechen nicht mehr von Gott, sondern flüchten sich in nebulöse Begriffe („höhere Macht"). Fernsehpfarrer machen sich in Talkshows über Glaubenssätze lustig.

   3.“Du sollst den Sabbat heiligen." 80 Prozent der Deutschen gehen so gut wie nie in die Kirche. Das Wochenende gehört dem Sport, dem Hobby, dem Ausflug und dem Alkohol. Gott kommt in der modernen Freizeitgesellschaft kaum noch vor. Letzte Bastionen wie das Sonntagsverkaufsverbot wanken. Eine lautstarke Spiel-und-Spaß-Industrie sucht an der Sinnleere mit immer neuen Zeitfüllern zu verdienen.

   4.“Du sollst Vater und Mutter ehren." Seit dem pubertärpolitischen Postulat „Trau keinem über 30" degradiert ein hemmungsloser Jugendkult Eltern zu bloßen Erzeugern und Ernährern. Schwer erziehbare Kinder werden Fernsehstars. Respekt vor dem Alter gilt als lächerlich, wer ihn einfordert, wird angepöbelt und zuweilen totgeschlagen.

   5.“Du sollst nicht töten." In Deutschland werden jährlich über 100.000 Kinder abgetrieben. Nur noch das Grundgesetz leistet den Forderungen, die Exekution im Uterus zu erlauben, einen letzten Widerstand. Wer die Mithilfe an dem beschönigend „Schwangerschaftsabbruch“ genannten Eingriff verweigert, wird an den Fernsehpranger gestellt. Immer noch werden nach Mord, Mordversuch und Totschlag Täter verhätschelt und Opfer verhöhnt. Gleichzeitig führt die Friedensbewegung das biblische Tötungsverbot protestierend ins Feld, wenn bedrängte Syrer bewaffnete Hilfe gegen staatliche Mörderbanden erflehen.

   6.“Du sollst nicht ehebrechen." 50 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen haben ihre Ehepartner schon mindestens einmal betrogen. Ein großer Teil der Medien bespöttelt Treue als antiquiert, preist Seitensprünge als Voraussetzung moderner Selbstverwirklichung oder suggeriert sogar, Untreue habe positive Auswirkungen auf das eheliche Liebesleben. Pädophile organisieren sich politisch.

   7.“Du sollst nicht stehlen." Die Zahl der Diebstahls- und Eigentumsdelikte steigt von Jahr zu Jahr. Besonders rasant nimmt der Autoklau zu. Im gleichen Maße sinkt die Aufklärungsquote. Die Täter werden immer jünger. Jeder zehnte ertappte Ladendieb ist ein Kind unter 13 Jahren. Die Strafverfolgung resigniert.

   8.“Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten." Vorgeblich im Besitz einer höheren Moral, verleumden Journalisten die Justiz, Ökofanatiker die Industrie, Kommunisten die Konzerne, Theologen die eigenen Kirchen und Politiker die Kollegen aus der jeweils anderen Partei. Kampf- und Regenbogenpresse machen Rufmord zur Geschäftsgrundlage. TV-Reporter lügen mit Bildern.

   9.“Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus." Spekulanten erwerben Mietshäuser, klagen langjährige, oft sozial schwache Mieter hinaus und wandeln die Wohnungen in teures Eigentum um - vom Gesetz unterstützt. Die Bundesregierung verweigert ehemaligen Besitzern von Grundstücken in Berlin und den neuen Bundesländern mit fadenscheinigen Begründungen noch immer die Rückgabe. Ehemalige Stasi-Helfer, vor allem solche aus Kirche und Justiz, wohnen bis heute unangefochten in Häusern, die der SED-Staat einst Ausreisewilligen wegnahm.

   10.“Du sollst nicht begehren deines Nachbarn Hab und Gut." Jahrzehntelange Propaganda hat den Neid vom Ruch der Sünde befreit und in den Rang einer staatsbürgerlichen Tugend erhoben. Politrandalierer fühlen sich im Recht, wenn sie nach Demonstrationen teure Auslagen plündern. Linke Lehrer säen Sozialneid in kleine Herzen. Mit der Missgunst wuchert die Habgier. Straftäter werden in Talkshows resozialisiert, verkaufen ihre Memoiren und sammeln Sympathien in Reality-Shows („Ich bin ein Star, holt mich hier raus“).

   Der Heide Cicero, der christliche Gebote nicht kennen konnte, wusste gleichwohl schon vor 2000 Jahren: „Das Gesetz ist nichts anderes als ein richtiges, von dem Wesen der Götter hergeleitetes Gebot der Vernunft, welches das, was ehrbar ist, gebietet und das, was entgegensteht, verwehrt." Von solcher Vernunft und Ehrbarkeit entfernt sich die deutsche Gesellschaft immer weiter.

 

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Religionsfriede

Es waren schöne/ Glänzende Zeiten wo Europa ein christliches Land war, wo eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Welttheil bewohnte; Ein großes gesellschaftliches Interesse verband die entlegenen Provinzen dieses weiten geistlichen Reichs. Ohne große weltliche Besitzthümer lenkte und vereinte Ein Oberhaupt die großen politischen Kräfte. Eine zahlreiche Zunft, zu der jedermann den Zutritt hatte, stand unmittelbar unter demselben und vollführte seine Winke und strebte mit Eifer seine wohlthtige Macht zu befestigen. Novalis "Die Christenheit oder Europa" 1799