Die Hass-Fragen der taz an den FDP-Chef

Sonntag, 15. September 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 8.-14.September 2013

SONNTAG

In Gülpe sammeln sich Astronomen aus der gesamten Bundesrepublik zum dritten „Astrotreff“: Das brandenburgische Dorf gilt als der dunkelste Ort Deutschlands. Die Teilnehmer fordern, die „Lichtverschmutzung“ ebenso als Gefahr für die Umwelt anzuerkennen wie die Luft- und Wasserverschmutzung. Deutsches Sprichwort: „Im Dunkeln ist gut munkeln, aber nicht gut Flöhe fangen.“

MONTAG

Berliner Grüne verteilen bei einer Podiumsdiskussiuon an einer Oberschule Aufkleber: „THC statt FDP!“ Ein Sprecher erklärt, die Abkürzung für Tetrahydrocannabinol, den Hauptwirkstoff in Haschisch, soll „nicht zum Cannabiskonsum anstiften“ – es gehe seiner Partei lediglich um Diskussion. Die „Grüne Jugend Berlin“ trete dafür ein, dass Cannabis legalisiert werde. Publilius Syrus: „Böse Gesinnung bedarf niemals eines Lehrers.“

DIENSTAG

Die „taz“ bittet FDP-Chef Philipp Rösler zum Interview und fragt: „Warum werden Sie gehasst? Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland? Sind Sie als Kind deswegen diskriminiert worden? Würden Sie sich selbst als Migrant bezeichnen? In Niedersachsen, wo Sie herkommen, werden Sie häufig als ‚der Chinese‘ bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass und Ressentiment? Sie bekommen immer wieder Hass-Mails. Weil Sie FDP-Chef sind? Oder weil man Ihnen Ihre nichtdeutschen Wurzeln ansieht? Als Rösler das Interview nicht freigibt, druckt die „taz“ nur die Fragen. Ein Shitstorm von Kritikern im Internet lässt die Chefredakteurin kalt. Wer der „taz“ ein Interview gibt, ist selber schuld. Nelson Mandela: „Ich verabscheue die Rassendiskriminierung von ganzem Herzen und in allen ihren Erscheinungsformen.“

MITTWOCH

Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr („Brigitte“, „Stern“) lässt seine Pressestelle über eine geplante Umgestaltung informieren. Auszug: „G + J will über seine Zusatzangebote – Commerce und Paid Services – im Kontext seiner Inhalte zum unverzichtbaren Teil der Lebenswelten der Nutzer in den definierten Communities of Interest werden.“ Goethe: „Sie peitschen den Quark, ob nicht etwa Créme daraus werden wollte.“   

DONNERSTAG

Ein syrischer Flüchtling, Elektroingenieur und Familienvater, sagt in Hannover: „Ich weiß, dass Deutschland ein Land ist für Menschen, die bereit sind, hart zu arbeiten.“ Ex oriente lux...

FREITAG

Der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz (SPD) fordert, der Präsident der Europäischen Kommission solle künftig von seinem Parlament gewählt werden: „Hierdurch könnte man diejenigen abwählen, mit denen man nicht einverstanden ist, weil der Kommissionspräsident nicht mehr hinter verschlossenen Türen von den Regierungschefs ausgekungelt wird.“ Sondern hinter verschlossenen Türen von Schulz und Genossen. Karl Jaspers: „Politik ist das Handeln, das orientiert ist an der Macht.“

SAMSTAG

In Fischen (Bayern) stechen Wespen Kinder auf einem Schulhof. Das Nest liegt in der Nähe einer Rutsche. Spezialisten stellen die Insekten vorläufig mit einem Betäubungsmittel ruhig. Falls die Wespen weiter stechen, sollen sie umgesiedelt werden. Tierschutz vor Kinderschutz. Stanislaw Jerzy Lec: „Der Sinn verliert oft seine Aktualität, der Unsinn nie.“

 

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