Hintergründe der Angriffe auf den Bischof von Limburg

Montag, 16. September 2013

Das Wort vom Sonntag

Lesefrüchte. Oswald Spengler, „Frühzeit der Geschichte“: „Seele oder besser Zivilisation: Eine furchtbare Psychologie der Zivilisation. Die tragische Seele ist gegeben. Ihre Verneinung nimmt dem Menschendasein den Sinn, den Inhalt. Aus dem Erfülltsein der Zeit (durch große Geschichte, Heldentum, Leid) wird ein intelligentes Totschlagen der Zeit. Und da bricht das Ende herein, nicht von außen, sondern von dem entseelten Leben, von der Tiefe her. Und riesengroß erhebt sich über den Steinmassen der Weltstädte das Gespenst der Langeweile, des leergewordenen Lebens ohne Gefahr, ohne Blut, das nun ausgefüllt werden soll durch Geschäft und Unterhaltung, ein intelligentes Vegetieren in Technik für Bequemlichkeit, Erotik ohne Kinder, Zirkus, Rausch, Reisen, müßiggängerische Literatur, Ersatz von Kunst, Ausstellungen, Dichtung, Feuilleton, Radio, Kino, Rekorde. Bis die Natur sich rächt durch Sterilität von innen und Barbaren von außen.“ - „Auch den Untergang der Religion nicht vergessen: Unten Bauernglaube, der Gott Sixtus, oben das Sumpfsurrogat des Literaturbuddhismus. Mit maßloser Verachtung das Literatentum zeichnen, das die Dichtung erledigt hat. Ebenso die Tiergesichter und schmutzigen Hände, platten Füße, triefenden Mäuler der stehlenden Gassenpolitiker von heute!“ Die unter dem Titel „Frühzeit der Weltgeschichte“ zusammengefassten Fragmente aus dem Nachlass wurden 1966 herausgegeben.

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Samuel Taylor Coleridge: „Leben ist Veränderung. Dieser Veränderung zu widerstehen wirkt dem Lebensfluss mehr entgegen, als sich ihr zu ergeben. Die Essenz des Lebens ist dessen Verlauf: Die Ereignisse, Bedingungen und Erfahrungen, die uns formen und zeitweise auch aus der Bahn werfen.“

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Der Sozialismus ist eine Pseudoreligion, die den Willen zum Guten durch Zwang bessern möchte und damit das Gegenteil des Gewünschten bewirkt. Nächstenliebe gedeiht in absoluter Freiwilligkeit.

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Die katholische Kirchen gedenkt heute der Märtyrer Kornelius und Cyprian. Der eine vertrat als Papst eine milde Haltung in der Frage der Wiederaufnahme abgefallener Christen, von dem anderen stammt das Wort "Extra ecclesiam nulla salus" – „Ohne die Kirche kein Heil“. Beider Häupter befinden sich im Kornelimünster zu Aachen. Reich sind die aus der Vergangenheit überkommenen Glaubensschätze der Deutschen, arm ihre gegenwärtigen Werke.

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Morgen folgt der Gedenktag Hildegards von Bingen. Das Leitmotiv in ihrem von Symbolen geprägt, mystischen Werk ist, Gott zu erkennen: Wer sich von ihm erfassen lasse, werde nicht zerbrechen, von der Liebe Gottes gestaltet. Aus Zitaten der

Heiligen: „Freu dich, denn Gott hat dich so in der Hand, dass du dich in keiner Weise auf die eigene Sicherheit zu stützen brauchst.“ - „Gottes Menschwerdung ist die große Mitteilung seiner Liebe. In ihr schaut der Mensch Gott ins Angesicht.“ - „Oh Mensch, sage nicht, dass du das Gute nicht tun kannst! Du hast Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, ein Herz zum Denken, Hände zum Wirken und Füße zum Gehen.“ - „Bete und vertraue, dass Gott dich nicht verlässt, und bald wird dir zu deiner Befreiung die Morgenröte aufgehen.“ In ihrer Auslegung zum Dreifaltigkeitssonntag heißt es: "Im Vater west die Ewigkeit. Das heißt: Die Ewigkeit kann man nicht verkleinern und nicht vergrößern. Denn die Ewigkeit gleicht einem Rad, das weder Anfang noch Ende hat ... Und was ist die Ewigkeit? Gott...

Im Sohn west die Gleichheit. Auf welche Weise? Alle Geschöpfe waren vor der Zeit im Vater, er ordnete sie in sich ein, danach schuf sie der Sohn im Werk. Wie ist das zu verstehen? Es ist ähnlich wie beim Menschen, der das Wissen um ein großes Werk in sich trägt, das er hernach durch sein Wort an den Tag bringt, so dass es unter Beifall in die Welt tritt. Der Vater ordnet, der Sohn wirkt. Denn der Vater hat alles in sich geordnet, und der Sohn hat es im Werk vollendet... Im Heiligen Geist west die Verbindung von Ewigkeit und Gleichheit. Der Heilige Geist ist wie ein Feuer, nicht ein auslöschbares, das bald in Flammen aufscheint, bald erlischt. Denn der Heilige Geist durchströmt und verbindet die 'Ewigkeit' und die 'Gleichheit' so, dass sie eins sind, wie der Mensch ein Bündel zusammenschnürt...

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Der hl. Robert Bellarmin (1542-1621), dessen Gedenktag ebenfalls morgen gefeiert wird, gab einen Katechismus heraus, dessen kleinere Ausgabe 400 Auflagen erlebte und in 56 Sprachen und Dialekte übersetzt wurde. Den riesigen Erfolg begründet die besondere Fähigkeit des großen italienischen Staatsphilosophen, jegliche Unklarheit und Beliebigkeit in theologischen Fragen zu vermeiden. Eure Rede sei Ja Ja, Nein, Nein! Zitat: "Die Augen, Ohren und Herzen der Menschen sind nur gewöhnt, begrenzte und endliche Freuden zu genießen; wer aber Gott anschaut, schaut ein Licht, dem niemand nahen kann, und ein wahrhaft unendliches Gut, welches in sich alles Gute begreift, wie der Herr dem Mose verheißen hat: 'Ich will dir alles Gute zeigen', da dieser ihn zuvor gebeten hatte: 'Zeig mir dein Angesicht!'"

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Am Samstag folgt der Gedenktag des Apostels Matthäus. Er heißt ursprünglich Levi und ist ein Zöllner oder Steuereinnehmer aus Nazareth. Zwölf Jahre nach der Himmelfahrt Jesu, um das Jahr 42, verlässt er Palästina. Er schreibt ein Evangelium und zieht danach als Glaubensbote durch Persien und Äthiopien. In dem afrikanischen Land besiegt er die Zauberer Zaroes und Arphaxat, erweckt den Königssohn Egippus wieder zum Leben und bekehrt auch dessen Schwester Ephigenia, die daraufhin den Heiratsantrag ihres Onkels zurückweist und ins Kloster geht. Der zornige Onkel lässt den Apostel deshalb am Altar mit dem Schwert töten. Die Gebeine ruhen seit dem 10. Jahrhundert in Salerno bei Neapel.

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Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steuert durch schwere See. Medien berichten über einen „Aufruhr“ oder zumindest „Unruhe“ in seinem Bistum, weil der Seelenhirte viel zu teuer baute und auf einer Indien-Reise Bonusmeilen in der Ersten Klasse abflog. Dem neuen Papst wird beides nicht gefallen. Allerdings: Laufen nicht auch anderswo Baukosten aus dem Ruder? Und nutzen weltliche Würdenträger für längere Strecken nicht die Flugbereitschaft, die ungleich teurer kommt? Das Kirchenvolk scheint zu merken, dass die Verfehlungen nicht gar so schlimm sind, wie die Vorwürfe insinuieren: Einen sogenannten „Frankfurter Appell“ gegen den Bischof unterschrieben von den 650.000 Gläubigen im Bistum gerade mal 4300, weniger als ein Prozent. Hinter der Kampagne stecken Kontroversen über eine angeblich zu konservative Amtsführung des Bischofs: Im August 2008 berief Tebartz-van Elst den Wetzlarer Bezirksdekan ab, weil dieser entgegen der Lehre der katholischen Kirche an einem Segnungsgottesdienst für ein homosexuelles Paar im Wetzlarer Dom mitgewirkt hatte. 2010 kritisierte der Bischof die Äußerung des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff aus dessen Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland, und sagt, sie habe „zu Recht Widerspruch ausgelöst“. Nach Ansicht des Bischofs hatte Wulff damit die Bedeutung des „christlichen Menschenbildes“ für die Bundesrepublik zu sehr relativiert. Ist die mediale Kritik an der Amtsführung des Bischofs womöglich nur deshalb so heftig? Hesekiel 45,10: „Du sollst rechtes Maß und rechtes Gewicht haben.“

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Theodor Storm, "Ein stiller Musikant":

  "Du liebe schöne Gotteswelt,

  Wie hast du mir das Herz erhellt!

  So schaurig war's noch kaum zuvor,

  Da taucht ein blauer Schein empor,

  Der Rasen hauchet süßen Duft,

  Ein Vogel singt aus hoher Luft:

  'Wer treuen Herzens fromm und rein,

  Der stimm in meine Lieder ein!'

  Da sang auch in in frohem Mut:

  Ich wußte ja, mein Herz war gut!"

 

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