„Der Duce packt gerade seinen Koffer"

Donnerstag, 12. September 2013

Vor 70 Jahren befreiten deutsche Fallschirmjäger den Diktator Benito Mussolini

Der Gefangene sitzt am sichersten Ort Italiens: Das einsame Berghotel

„Campo Imperiale" auf dem Grand Sasso d'Italia, der höchsten Erhebung des Apennin, ist von riesigen Geröllfeldern umgeben, nur über eine Seilbahn erreichbar und von 250 Soldaten bewacht. Befreiungsversuche scheinen sinnlos. Dennoch wird vor 70 Jahren, am 12. September 1943, ein solches Unternehmen gestartet.

Der Gefangene ist der gestürzte italienische Diktator Benito Mussolini. Der Befehl zu seiner Befreiung kommt direkt von Hitler. Die Ausführung übernahmen deutsche Elitetruppen.

Den entscheidenden Anstoß zu Mussolinis Entmachtung hat Hitler selbst gegeben: Am 19. Juli kanzelt er den Verbündeten bei Belluno vor italienischen Generälen wegen der neun Tage zuvor erfolgten Landung der Alliierten auf Sizilien wie einen Untergebenen ab. Fünf Tage später fordert der „Große Faschistische Rat" den Gestürzten auf, den Oberbefehl über die italienischen Streitkräfte an König Viktor Emanuel III. zurückzugeben. Einen Tag später bietet Mussolini seinen Rücktritt an. Der König lässt ihn verhaften und übergibt die Macht dem Marschall Pietro Badoglio (1871-1958). Daraufhin bricht der Faschismus überall in Italien zusammen.

Marschall Badoglio lässt Mussolini auf dem Grand Sasso festsetzen, erklärt aber noch am 28. Juli, Italien werde den Krieg an der Seite Deutschlands fortführen. Hitler ist indes überzeugt, dass sich die Italiener so schnell wie möglich auf die Seite der Alliierten schlagen wollen. Deshalb lässt Rommel in Südtirol einmarschieren und dort Positionen beziehen, aus denen er in diesem Fall rasch gegen italienische Kräfte vorgehen kann.

Außerdem befiehlt Hitler, den Aufenthaltsort des „Duce" ausfindig zu machen. Diese Aufgabe löst der SS-Sturmbannführer Otto Skorzeny mit Hilfe italienischer V-Leute. Mit dem militärischen Teil des Befreiungsunternehmens wird das Fallschirmjägerbataillon des Majors Harald Mors beauftragt.

Am 12. September um 14 Uhr nahmen Fallschirmjäger des Bataillons im Handstreich die Talstation der Seilbahn auf dem Grand Sasso. Kurz darauf landen 90 Soldaten unter Führung des Oberleutnants Georg Freiherr von von Berlepsch in Lastenseglern auf dem Hochplateau und überrumpelten die nicht besonders aufmerksame Wachmannschaft. Bereits um 14.17 Uhr telefonierte Major Mors von der Talstation aus mit dem Oberleutnant im Hotel: „Verluste?" – „Keine." - „Und der Duce?" – „Packt gerade die Koffer."

Zum Transport des Befreiten steht ein „Fieseler Storch" bereit. Obwohl das kleine Flugzeug schon überfüllt ist, zwängt sich Skorzeny auch noch hinein. Er hat zur Belohnung an dem Unternehmen teilnehmen dürfen - nun wird er, obwohl bei der militärischen Aktion nur Statist, zu deren Hauptfigur. Dabei ist sein Verhalten verantwortungslos: Der 1,96 Meter große Hüne belastete das kleine Flugzeug zusätzlich so schwer, dass es beim Start fast abschmiert.

Goebbels aber stilisierte den SS-Mann gleich zum Helden hoch. Und später sorgt Skorzeny selbst dafür, daß die Legende am Leben bleibt: Er veröffentlichte 1950 einen äußerst subjektiven, in Teilen unwahren Erlebnisbericht („Geheimkommando Skorzeny"). Das militärische Hauptverdienst gebührt jedoch dem Generaloberst Kurt Student (1890-1978), Schöpfer der deutschen Fallschirmtruppen, der bei der Aktion die Oberleitung hat.

Der „Fieseler Storch" landet in der Nähe von Rom. Von dort wird Mussolini zunächst nach Wien, dann nach München und schließlich zu Hitler in die „Wolfsschanze" bei Rastenburg geflogen. Am 15. September

übernimmt Mussolini, nun nur noch „Duce" von deutschen Gnaden, die Führung der „republikanisch-faschistischen" Gegenregierung in Nord- und Mittelitalien mit Sitz in Salo am Gardasee. Das königliche, im Süden bereits von den Alliierten befreite Italien aber wechselte die Fronten: Am 13. Oktober erklärte Marschall Badoglio Deutschland den Krieg.

 

 

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