Westerland will 10.500 DM Kurtaxe von der CDU

Freitag, 20. September 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 20. September 1998.

SONNTAG

Nach einem Wahlkampf-Auftritt des Bundeskanzlers auf Sylt schickt Westerlands Kurdirektor der CDU eine Rechnung über 10.500 DM - jeweils sechs DM Kurtaxe für 1750 Personen. Deutsches Sprichwort: „Dem Narren fehlt nichts als der Verstand."

MONTAG

Kabarettisten der Leipziger „Pfeffermühle" verspotten in München die CSU als „Staatsfeind Nr.l", mit dem „Paten" Kohl und der „bayerischen Trachtenmafia". Ein „Arbeitgeberchor" trägt „Lieder der Marktwirtschaft“ vor: „Korruption und Recht und Schmierung." Balzac: „Banalität ist die Zuflucht der geistig Schwachen."

DIENSTAG

„Auto-Bild" listet auf: In Ratzeburg wollte die rot-grüne Koalition 100.000 DM für Krötentunnel an der Kreisstraße 17 ausgeben. Da sich jedoch trotz intensiver Suche keine Kröte finden ließ, wurde der Posten gestrichen - bis auf einen Rest von 20.000 DM. Damit sollen Sachverständige bezahlt werden, die weiter nach Kröten fahnden. Leipzigs Stadtväter stritten monatelang über eine Umgehungsstraße, weil sie durch ein Vorkommen des seltenen Juchtenkäfers verlaufe - dann stellte sich heraus, dass Experten nicht ein einziges dieser Tierchen entdecken konnten. Fontane: „Treibt man etwas auf die Spitze, so übertreibt man und hat die Lächerlichkeit."

MITTWOCH

„Eine theologische Stellung" im Düsseldorfer Schauspielhaus: Ein Mann, der nicht weiß, wie seine Frau schwanger wurde, überlässt es einem Priester, das Wunder einer jungfräulichen Geburt zu verhindern. Nach vollzogenem Koitus beginnt das Geschlecht der Frau zu sprechen und attackiert das Machogehabe der „Penetrierer". Wieslaw Brudzinski: „Verstand sieht jeden Unsinn; Vernunft rät, manches davon zu übersehen."

DONNERSTAG

Obwohl in Hamburg immer mehr Straßenschilder verrotten, wird der Etat für ihre Erhaltung um 20 Prozent gekürzt. Gleichzeitig werden 600.000 DM dafür ausgegeben, an Radwegen möglichst viele Fahrrad-Schilder aufzustellen. Sebastian Brant, ‚Das Narrenschiff': „Doch die Natur gibt's jedem ein: Narrheit will nicht verborgen sein.“

FREITAG

Seit dem Scheitern der Steuerreform versucht die SPD mit der Behauptung Stimmung zu machen, die „Besserverdienenden" würden den Staat durch „Steuerschlupflöcher" um seinen Anteil bringen. Jetzt stellt das Bundesfinanzministerium fest: Zu den Gutverdienenden (jährlich über 143.000 DM) gehören nur fünf Prozent der Steuerzahler – sie zahlen 41 Prozent der gesamten Einkommensteuer. Goethe: „Lüge, wie sie schlau sich hüte, / Bricht am Ende stets das Bein."

SAMSTAG

Der bayerische Liedermacher Hans Söllner beschimpft Politiker als „“A...löcher"; Helmut Kohl stamme „aus dem Verdauungstrakt eines großen Vogels". Nachdem bereits drei bayerische Städte Auftritte des Sängers ablehnten, empört sich die „Süddeutsche Zeitung", Söllner stehe„in der Tradition von Kurt Tucholsky und Karl Kraus." Tucholsky: „Satire hat auch eine Grenze nach unten."



Anmerkungen

Das Stück „Eine theologische Stellung" stammt von dem Amerikaner Robert Coover.

Der Liedermacher Hans Söllner ist gelernter Kfz-Mechaniker. Wikipedia: „Er schreibt gesellschafts- und systemkritische Texte in bairischem Dialekt und tritt für die Legalisierung von Marihuana ein. Der Sänger sah sich in Bayern wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln bereits mehreren Ermittlungsverfahren ausgesetzt.“

 

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