Mit Gold und Edelsteinen bepackt nach Rom

Dienstag, 8. Oktober 2013

Vor 1045 Jahren gründet Otto der Große das Erzbistum Magdeburg

Die Urkunde des Papstes enthält fast alles, was sich der Kaiser wünscht: Das neue Erzbistum Magdeburg soll zwölf Kardinalpriester, sieben Kardinaldiakone sowie 24 Kardinalsubdiakone erhalten und damit zum deutschen Rom werden. Das Wichtigste aber hat der Pontifex dem Kaiser nicht zugestehen wollen: freie Hand bei der Missionierung der gesamten Slawengebiete im Osten.

Trotzdem ist Otto I. (912 bis 973), genannt der Große, nicht unzufrieden. Und es hat ihn viel Zeit gekostet, wenigstens diesen Teilsieg zu erringen.

Für Magdeburg bedeutet die im Oktober 968, vor 1045 Jahren, ausgefertigte Urkunde den Höhepunkt einer kurzen, aber glanzvollen Geschichte als erste deutsche Kaiserstadt und Metropole des Reichs. Im Jahr 805 erstmals schriftlich erwähnt, besitzt der Handelsplatz am Schnittpunkt uralter Fernwege zwischen Schweden und Bayern, Russland und Flandern schon früh große wirtschaftliche Bedeutung. Darum schenkt Otto die Stadt im September 929 seiner Ehefrau Edgitha, Tochter des englischen Königs Athelstan, als Morgengabe. Danach nimmt das junge Paar Wohnsitz in der Burg auf dem Steilufer über der Elbe. 930 und 931 bringt Edgitha dort Sohn Liudolf und Tochter Liutgard zur Welt.

Als Otto im Jahr 936 auf den Thron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation steigt, rückt Magdeburg plötzlich ins Zentrum europäischer Großmachtpolitik. Hier regiert der Herrscher, hierhin beruft er Reichstage ein, von hier aus gehen seine Boten und Befehle in alle Gebiete des Reichs.

Zunächst muss sich der neue Herrscher allerdings erst im eigenen Land durchsetzen – gegen rivalisierende Adelige, vor allem seinen Bruder Heinrich. Bald aber greift seine Macht über die deutschen Grenzen aus: Herzog Boleslaw von Böhmen unterwirft sich ihm, und nach einem Italienzug ist Otto auch König der Langobarden.

Sein größtes Ziel aber ist die Ausweitung seines Herrschaftsanspruchs nach Osten in die slawischen Siedlungsgebiete jenseits der Elbe. Dabei soll nach seinem Willen Magdeburg die Schlüsselrolle zufallen. Zu Beginn seiner Regierungszeit gehört die Stadt zum Erzbistum Mainz, der größten Kirchenprovinz des europäischen Mittelalters: Zeitweilig reicht sie von der Nordsee bis an die Alpen. Oberhirte ist dort Ottos ältester, vorehelich mit einer gefangenen Slawin gezeugter Sohn Wilhelm.

Anfangs scheinen die Interessen der beiden identisch, denn Otto fördert die Kirche in Magdeburg, wo er nur kann. 937 gründet er an der Stelle des heutigen Domes das Moritzkloster und stattete es zum Wohlgefallen seines Sohnes mit reichem Grundbesitz aus. Im Jahr 948 aber versuchte Otto, Magdeburg aus der Mainzer Oberhoheit herauszulösen, um ihm einen höheren Rang zu verschaffen und sein großes Ziel der Slawenmission von dort aus ganz ungestört verfolgen zu können. Damit beginnt eine 20-jährige grimmige Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn.

Die entscheidende Rolle in diesem Machtkampf fällt nach den Regeln der Zeit dem Papst zu. Erzbischof Wilhelm ist ihm völlig ergeben. Otto aber verfügt über militärische Mittel, auch in Italien einzugreifen, und das gibt den Ausschlag. Schon Papst Agapet II. lässt sich vom Kaiser dazu bewegen, einer Abtrennung Magdeburgs von Mainz zuzustimmen. Daraufhin schreibt Erzbischof Wilhelm dem Stellvertreter Gottes einen bitterbösen Brief: „Mit einer Verkleinerung meines Bistums werde ich, so lange ich lebe, niemals einverstanden sein", erklärt er und fährt in freimütiger Anspielung auf offenkundig materielle Argumente seines Vaters fort: „... selbst wenn einer von jenen falschen Propheten, die außen in Schafskleidern daherkommen, aber innen reißende Wölfe sind, mit Gold und Edelsteinen bepackt nach Rom geht."

Die Kritik wirkt, der Papst zieht sein Einverständnis zurück. Auch alle weiteren Vorstöße des Kaisers vereitelt der fromme Sohn. Erst als Wilhelm am 2. März 968 überraschend mit knapp 40 Jahren stirbt, kann sein Vater den alten Traum endlich verwirklichen. Sein großes Ziel aber, Magdeburg zum Angelpunkt der Kolonisation aller Slawengebiete zu machen und damit ganz Osteuropa unter deutsche Herrschaft zu bringen, erreicht Otto nicht: Papst Johannes XIII., vor solcher Machtzusammenballung auf der Hut, fördert lieber seine eigene slawische Missionstätigkeit in Polen und Böhmen und schiebt den kaiserlichen Expansionsgelüsten einen Riegel vor.

 

 

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