Der Mann, der den ersten Audi baute

Dienstag, 8. Oktober 2013

Vor 145 Jahren wurde August Horch geboren

Er ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Mann, und er führt ein ungewöhnliches Leben: Mit 16 Jahren macht er sich zu Fuß auf die Wanderschaft und tippelt bis nach Serbien. Als Mittvierziger siegt er bei Autorennen durch die Alpen, am Steuer selbstkonstruierter Autos. Und mit 80 heiratet er noch einmal. In die Geschichte geht August Horch als einer der großen deutschen Automobilbauer ein. Seine Arbeit beginnt noch an Esse und Amboss. Am Ende steht die modernste Technik der Zeit.

Geboren vor 145 Jahren, am 12. Oktober 1868, als Sohn eines Schmieds in Winningen an der Mosel, muss der schmächtig geratene Junge dem Vater erst einmal beweisen, dass er den Mangel an Muskelkraft durch früh entwickelte technische Begabung auszugleichen versteht. Das gelingt. In der heimischen Werkstatt bald unterfordert, macht sich der 16jährige mit ein paar Habseligkeiten im Bündel und einem Knotenstock in der Faust auf, das Wissen der Welt zu erwerben.

Die Wanderschaft führte ihn nach Österreich, auf den Balkan, nach Mähren und auf das Technikum des sächsischen Mittweida, wo er das Ingenieur-Diplom erwirbt. Danach baut er bei Grob & Cie. in Leipzig an stationären, 100 PS starken Rohölmotoren und steigt rasch zum Betriebsleiter auf. Als er das erste Motorrad sieht, begeistert er sich sofort für mechanische Fortbewegung und geht zu Carl Benz nach Mannheim.

Der um zwölf Jahre ältere Autopionier macht den Newcomer schon im Juni 1896 zum Leiter des Motorwagenbaus. Doch nach kurzer Zeit zeigen sich Auffassungsunterschiede: Benz hält Tempo 20 für ausreichend und verwirft jeden Vorschlag zur Steigerung. Horch aber sucht die technischen Grenzen. 1898 gründet er in Köln-Ehrenfeld seine Horch & Cie. Seine bahnbrechenden Ideen: Zum ersten Mal sind Karosserie und Fahrgestell getrennt. Die Kraftübertragung erfolgt durch Kardanantrieb, und für die Getriebezahnräder benutzt er Chrom-Nickel-Stahl.

Die ersten Horchs haben zwei Zylinder, fünf bis zehn PS und vier Sitze. Sie kosten 2300 Reichsmark. 1902 zieht der Konstrukteur mit seiner Firma nach Reichenberg in Sachsen um, ein Jahr später ins nahe Zwickau. Dem Durchbruch folgt, wie bei anderen Erfindern, ein Konflikt zwischen dem Techniker und den an seiner Arbeit beteiligten Kaufleuten. Er endet damit, dass Horch 1909 sein eigenes Unternehmen verlassen muss. Ein Reichsgerichtsurteil verbietet ihm sogar, für seine Produkte den eigenen Namen zu nutzen. Als er sich darüber bei einem Bekannten beklagt, schlug dessen gerade über Hausaufgaben sitzender Sohn vor, das lateinische Wort für den Imperativ „Horch" zu wählen - die Weltfirma „Audi" ist geboren.

Bereits ein Jahr später donnert der Audi 10/22 über die Straßen. Da Horch seine Neukonstruktionen selbst testet, ist es für ihn selbstverständlich, an den damals sehr populären Alpenfahrten teilzunehmen. 1912,1913 und 1914 hängt er die Konkurrenz ab. Seine 35 bis 40 PS starken, 100 Stundenkilometer schnellen Flitzer mit der Torpedo-Karosserie auf hochbeinigen Fahrgestellen trägen fortan den Ehrentitel „Alpensieger".

1920 gibt Horch die Leitung des Unternehmens ab und zieht sich in den Aufsichtsrat zurück. Gekrönt wird seine unermüdliche Entwicklungsarbeit acht Jahre später, als der erste Acht-Zylinder-Wagen auf der Berliner Automobilausstellung zur Weltsensation wird.

1932 macht Horch erneut Automobilgeschichte: Er schafft den Zusammenschluss der sächsischen Firmen „Wanderer", „DKW", „Audi" und„„Horch" zur „Auto-Union". Die verschlungenen vier Ringe des neuen Giganten werden ebenso zu einem Symbol der Weltgeltung deutscher Automobilproduktion wie der „Stern“ aus dem Schwabenland. Einen Führerschein indes besitzt Horch nie: Ihm wird stattdessen eine Fahrerlaubnis auf Lebenszeit zuerkannt. Wenn er von Polizisten kontrolliert wird, pflegt er zu fragen: „Was, Sie kennen den Horch nicht?"

1947 verbot eine Entnazifizierungskommission in Zwickau dem fast 80jährigen, der kurz zuvor Frau und Sohn verloren hat, jede leitende Tätigkeit in Zwickau. Daraufhin übersiedelte Horch ins oberfränkische Münchberg und versuchte, dort ein Werk aufzubauen. Eine schwere Krankheit hindert ihn daran. In der Ehe mit seiner Pflegetochter findet er noch einige Jahre des Geborgenseins. Am 3. Februar 1951 ist der geniale Konstrukteur gestorben.

 

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