Luther und die Gender-Propaganda

Sonntag, 29. September 2013

Das Wort vom Sonntag

Das DIN-A—Bändchen der EKD, das eine umfassende Gleichstellung aller familiären Lebensformen fordert, entpuppt sich immer mehr als platte Gender-Propaganda für die Homosexuellenehe ohne jeden Rückhalt in der Heiligen Schrift. Selbst gutwillige Kritiker können sich kaum noch zurückhalten. Der Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies etwa konstatiert, schon die zum Beweis angeführten Bibel-Zitate seien gar nicht korrekt, und Luthers Theologie werde ganz einfach im Sinn der Verfasser verkürzt. Der Heidelberger Theologe Wilfried Härle nennt die EKD-Fibel sogar einen „schriftwidrigen Traditionsbruch“. Der Mainzer Neutestamentler Friedrich Wilhelm Horn stellt klipp und klar fest, anders als in dem Büchlein insinuiert seien homosexuelle Lebenspartnerschaften im frühen Christentum undenkbar gewesen. Dass die Ehe damals noch ganz unangefochten als die einzige normale Form des partnerschaftlichen Zusammenlebens anerkannt gewesen sei, werde in der EKD-Schrift „unglaublich isoliert und unreflektiert“ verneint. Der Heidelberger Ethiker Klaus Tanner erkennt laut FAZ eine „gezielte politische Indienstnahme der evangelischen Kirchen für eine gesellschaftspolitische Agenda“. Was sagt der Reformator selbst? Luther: „In der ganzen Kirchenlehre muss man sorgfältig darauf achten, welcher Teil recht eigentlich zum geistlichen Leben gehöre, welcher zum bürgerlichen und welcher zum politischen. Diese beiden Stücke müssen weit vom Evangelium getrennt werden."

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Der hl.Hieronymus (um 345/347-419/420), dessen Gedenktag heute gefeiert wird, zählt zu den faszinierendsten Gestalten des christlichen Abendlandes. Während seiner Studienzeit in Rom getauft, lebt er einige Jahre in strengster Askese in einem Kloster in der Wüste bei Aleppo. In Antiochia zum Priester geweiht, wird er in Konstantinopel Schüler des hl. Gregor von Nazianz. 382 ist er in Rom Sekretär des Papstes Damasus I. Als harter Kritiker der Sitten im Vatikan muss er die Stadt nach dem Tod des Papstes verlassen. Er geht nach Palästina, gründet in Bethlehem vier Klöster und arbeitet dort bis zu seinem Tod als Übersetzer, Exeget und Theologe. Seine lateinische Bibelübersetzung bleibt als „Vulgata“ bis heute in Gebrauch. Zitate: „Das häufige Gebet bringt den Ansturm der Laster zum Erliegen.“ - „Lass deine Werke nicht beschämen deine Rede.“ - „O möchte es mir doch gestattet sein, jene Krippe zu sehen, in welcher der Herr einst lag. Jetzt haben wir Christen ehrenhalber die aus Lehm gefertigte Krippe entfernt und durch eine silberne ersetzt. Aber für mich ist jene, die man fortgeschafft hat, wertvoller.“ Die Juden Roms betrachtet Hieronymus als die Bibliothekare der christlichen Religion, weil sie das Alte Testament oder vielmehr das Gesetz in ihrer Bundeslade verwahrt gehalten hatten. Über die Geheimnisse der Schöpfung sagt er: „Wer wird sich dazu versteigen, über himmlische Dinge zu urteilen, wo ihm die irdischen noch rätselhaft sind!“ Wie sehr die Welt des Kirchenvaters noch im antiken Aberglauben verhaftet ist, schildert der Rottenburger Bischof Paul Wilhelm von Keppler (1852-1926) in seinem Reisebericht „Wanderfahrten und Wallfahrten im Orient“, als er über Jaffa schreibt: „Noah soll hier die Arche bestiegen und auch sein Grab gefunden haben. Andromeda taucht auf aus dem Dunste altgriechischer Göttersagen; hier soll sie ihr Vater Kepheus an einen ins Meer vorspringenden Felsen als Opfer für das Seeungeheuer angeschmiedet haben; aber der Held Perseus erlegt das Ungetüm und befreit die Königstochter. Zeigte man doch noch zur Zeit des hl. Hieronymus Felsen und Ring, und lange hing über dem Stadttor das Skelett des Riesenfisches, das nach des Plinius Bericht der Ädile Skaurus nach Rom brachte.“

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Am Mittwoch feiert die katholische Kirche das Fest der hl. Schutzengel. Romano Guardini (1885-1968): "Die Lehre von den Engeln sagt über den Menschen, 'dass er nicht auf eigene Faust im Dasein steht ... Er ist Person, hat Würde und Verantwortung. Doch er ist immer in Gefahr, dies zu vergessen oder zu übersteigern ... In dieser Gefahr ist er von Wesen umgeben, die ihm helfen, Ich zu sein, Verantwortung zu tragen, und das in Wahrheit und Maß. Aber auch von Wesen, die ihn aus dem Willen Gottes reißen wollen, in dessen Erfüllung er erst wirklich Mensch wird."

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Zum Fest des hl. Franz von Assisi am Freitag, 4.Oktober vier Worte des großen Predigers: „Die Tiefe der Menschenseele birgt unergründliche Kräfte, weil Gott selbst in ihr wohnt.“-  „Herr, lehre mich, an das Nächste zu denken, das Nächste zu tun und der Nächste zu sein.“ - „Wo Ruhe ist und Betrachtung, da ist nicht Aufregung und unsteter Geist.“ - „Herr, in deinen Armen bin ich sicher. Wenn du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten. Ich weiß nichts von der Zukunft, doch ich vertraue auf dich.“ Mehr muss der Mensch weder denken noch wissen.

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Die Vergesslichkeit des Alters ist nicht nur Last, sondern auch Gnade.

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Lesefrüchte. Im "Zauberberg" sagt Naphta zu Settembrini: "Guter Freund, es gibt keine reine Erkenntnis. Die Rechtmäßigkeit der kirchlichen Wissenschaftslehre, die sich in Augustins Satz 'Ich glaube, damit ich erkenne' zusammenfassen läßt, ist völlig unbestreitbar. Der Glaube ist das Organ der Erkenntnis und der Intellekt sekundär. Ihre voraussetzungslose Wissenschaft ist eine Mythe. Ein Glaube, eine Weltanschauung, eine Idee, kurz: ein Wille ist regelmäßig vorhanden, und Sache der Vernunft ist es, ihn zu erörtern, ihn zu beweisen. Es läuft immer und in allen Fällen auf das 'Quod erat demonstrandum' hinaus. Schon der Begriff des Beweises enthält, psychologisch genommen, ein stark voluntaristisches Element." Und: "Wahr ist, was dem Menschen frommt. In ihm ist die Natur zusammengefaßt, in aller Natur ist nur er geschaffen und alle Natur nur für ihn. Er ist das Maß der Dinge und sein Heil das Kriterium der Wahrheit." Schließlich: "Das Prinzip der Freiheit hat sich in fünfhundert Jahren erfüllt und überlebt ... Zuletzt bedeutet es ein liebloses Mißverstehen der Jugend, zu glauben, sie finde ihre Lust in der Freiheit. Ihre tiefste Lust ist der Gehorsam ... Seit den Tagen Gregors des Großen, Gründers des Gottesstaates, hat die Kirche es als ihre Aufgabe betrachtet, den Menschen unter die Leitung Gottes zurückzuführen. Der Herrschaftsanspruch des Papstes wurde nicht um seiner selbst willen erhoben, sondern seine stellvertretende Diktatur war Mittel und Zweck zum Erlösungsziel, Übergangsform vom heidnischen Staat zum himmlischen Reich ... Diese menschlichen Geister haben den Gedanken einer selbsttätigen Vermehrung des Geldes als ekelhaft empfunden, alle Zins- und Spekulationsgeschäfte unter den Begriff des Wuchers fallen lassen und erklärt, daß jeder Reiche entweder ein Dieb oder eines Diebes Erbe sei. Sie sind weitergegangen. Sie betrachteten, wie Thomas von Aquin, den Handel überhaupt, das reine Handelsgeschäft, das Kaufen und Verkaufen unter Einziehung eines Nutzens, aber ohne Bearbeitung, Verbesserung des wirtschaftlichen Gutes, als ein schimpfliches Gewerbe. Sie waren nicht geneigt, die Arbeit an und für sich hoch zu schätzen, denn sie ist nur eine ethische Angelegenheit, keine religiöse, sie geschieht im Dienste des Lebens, nicht Gottes."

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Joachim Fernau in "Die Genies der Deutschen" über Albertus Magnus: "Die Menschen des 13. Jahrhunderts konnten ihre Seele vom Verstand 'loslassen'. Das war eine Gefahr, aber auch eine Kraft, von deren Größe wir uns keine Vorstellung machen. Wir, heute, haben diese Fähigkeit verloren." Sie kann wiedergewonnen werden, wenn unser Zeitalter metaphysischer Blindheit endet und eine Renaissance des Glaubens die geistigen Fesseln der Rationalsklaverei bricht.

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Gellert, "Die Fliege":

  "Der Fliege können wir ein solch System vergeben,

  Allein dass große Geister leben.

  Die einer ordnungsvollen Welt

  Ein Ungefähr zum Ursprung geben,

  Und lieber zufallsweise leben,

  Als einen Gott zum Thron erheben,

  Das kann man ihnen nicht vergeben,

  Wenn man sie nicht für Narren hält."

 

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