13-jährige vergewaltigt: Schuld ist die lasche Justiz

Freitag, 11. Oktober 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 11.Oktober 1998.

SONNTAG

Der Stadtstaat Hamburg zählt zu den reichsten Regionen der EU.

Zum Erntedankfest erscheinen von den 1,6 Millionen Einwohner 30.000 in den 209 evangelischen und 25.000 in den 40 katholischen Kirchen der Stadt. Saul Bellow: „Der am besten behandelte, am meisten bevorzugte und intelligenteste Teil der Gesellschaft ist immer der undankbarste."

MONTAG

In Bonn werfen Verbände der Eltern, Schüler und Lehrer der alten Koalition Versäumnisse in der Bildungspolitik vor - obwohl dafür die Kultusminister der (zumeist SPD-regierten) Länder zuständig sind. Deutsches Sprichwort: „Schelmenart die Wahrheit spart."

DIENSTAG

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse liest Regisseur Luc Bondy auf Einladung einer Schweizer Kulturzeitschrift in einem Bordell. Name des Etablissements: „Westöstlicher Diwan." Goethe: „“Genug er war Original / Und aus Originalität / Er andern Narren gleichen tat."

MITTWOCH

Ein Pastor aus dem Kreis Helmstedt, der für die PDS kandidierte und eine pornographische Abbildung zweier Homosexueller plakatierte, wurde jetzt von der Braunschweiger Landeskirche suspendiert. Luther: „Vor äußern Feinden habe ich keine Angst, denn die Kirche geht nicht von außen her zugrunde. Aber die inwendigen Übel, die falschen Brüder, die werden es tun."

DONNERSTAG

In Hamburg haben drei junge Männer monatelang schwere Delikte begangen und zuletzt eine 13-jährige vergewaltigt. Ein Richter verhängt milde Bewährungsstrafen und Sozialarbeit. Begründung: Die Justiz habe versagt, weil sie nicht früher eingegriffen habe. Alfred Polgar: „Außer dem Licht wird auf Erden nichts so oft gebrochen wie das Recht."

FREITAG

Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde, einst an Widerständen im Senat gegen den Ausbau der S-Bahn zum Flughafen nicht unbeteiligt und nach seiner Wahl auch nicht bereit, dafür Streit mit seinem grünen Koalitionspartner zu riskieren, erklärt in Warschau, diese Verbindung hätte längst gebaut werden müssen; seine Vorgänger seien „Dussel" gewesen. Bernhard Brigl: „Politik verdirbt den Charakter."

SAMSTAG

FJS-Tochter Monika Hohlmeier, designierte Kultusministerin, muss sich überlegen, ob ihre Kinder auf einer Privatschule bleiben sollen - die CSU befürchtet, der politische Gegner könne dies zum Anlass für Diffamierungen nehmen. Wilhelm Busch: „Wer Bildung und Moral besitzt / Der wird bemerken, daß anitzt / Fast nirgends mehr zu finden sei / Die sogenannte Lieb und Treu.''

Anmerkungen

Der SPD-Politiker Ortwin Runde war 1993-1997 Finanzsenator und 1997-2001 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die CSU-Politikerin  Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß, wurde am 6. Oktober 1998 Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus und blieb es bis zum 15. April 2005. Seit 2009 ist sie Europaabgeordnete.

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