Der erste Katholik wird von wilden Tieren zerfleischt

Montag, 14. Oktober 2013

Das Wort vom Sonntag

Vor zehn Jahren, am 17. Oktober 2003, berichtet der "Osservatore", dass Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache vor dem Angelusgebet am 12.Oktober auf dem Petersplatz u.a. mit folgenden Worten an den 25.Jahrestag seines Pontifikats erinnerte: "Ich denke zurück an jene Tage im Oktober 1978. Besonders erinnere ich mich heute an den ersten Angelus, den ich von diesem Fenster aus am 22.Oktober betete. Im Geheimnis der Menschwerdung, das dieses Gebet uns zu betrachten hilft, versuchte ich damals 'die gesamte Zukunft zu umfassen, die meines Pontifikats, die des Gottesvolkes und die der gesamten Menschheitsfamilie; denn' - so sagte ich - 'die Familie hat ihren Anfang im Willen des Vaters, sie wird aber immer unter dem Herzen der Mutter empfangen." Nächstes Jahr wird der große Papst heiliggesprochen.

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Lesefrüchte. Axel Munthe, „Das Buch von San Michele“: „Ich wünsche nichts mehr, als dass man mir nicht glaubt ... Ich werde es sogar als Kompliment auffassen, denn der größte Autor spannender Geschichten ist das Leben. Aber ist das Leben immer wahr?“ – „Kein Mensch badet zweimal im selben Fluss, sagt Heraklit.“ – Die Menschen von heute verschwenden zuviel Zeit, auf Reden und Gedanken anderer Menschen zu hören. Es wäre viel besser, wenn sie sich mehr Ruhe gönnten, ihren eigenen Gedanken zu lauschen. Wissen können wir von anderen lernen, Weisheit müssen wir uns selber lehren. Der Quell zum Born der Weisheit entspringt auf unserem eigenen Boden in der schweigenden Tiefe unserer einsamen Gedanken und Träume. Das Wasser der Quelle ist klar und kalt wie die Wahrheit, aber der Geschmack ist bitter wie Tränen … Der Mensch ward gebaut, sein eigenes Kreuz zu tragen; dazu wurden ihm seine starken Schultern gegeben.

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Die katholische Kirche feiert heute das Andenken des Papstes Kallistus I., eines Kirchenmannes mit besonders spannender Biographie. Ursprünglich ist er Sklave. Papst Zephyrinus macht ihn zum Diakon und überträgt ihm die Verwaltung der Begräbnisstätten an der Via Appia, die heute nach ihm Kallistus-Katakomben heißen. Nach dem Tod des Papstes wählen ihn Klerus und Volk von Rom zum Nachfolger. Konservative Kreise der frühen Kirchen wollen sich damit jedoch nicht abfinden und wählen einen Gegenpapst: Hippolyt. Es folgt das erste Schisma der Kirchengeschichte. Weil Kallistus viel Verständnis für Sünder zeigt, Gestrauchelte wieder in die Kirche aufnimmt und sogar Ehen zwischen römischen Adelsdamen und ihren Sklaven erlaubt, beschuldigt Hippolyt ihn in gehässiger Weise der Laxheit und kreidet ihm auch persönlich ein unlauteres Vorleben an. Kallistus kann sich aber durchsetzen und wird zu einem besonders lebensfrohen und unternehmenden Papst. Er bekämpft Irrlehren, führt eine mildere Bußpraxis ein und lässt als erster die Kirchen mit Malereien ausschmücken. Nach der Legende stirbt er im Jahr 222 als Märtyrer.

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Die hl. Theresia von Avila (1515-1582) ist mit 20 Jahren Nonne. Nach einer schweren Krankheit werden ihr mystische Erfahrungen zuteil. Sie gründet viele Reformklöster und wird durch ihre geistlichen Schriften berühmt. Ihre Hauptwerke sind „Die Seelenburg“ und „Der Weg der Vollkommenheit“. Zitate: „Gott lässt uns nicht im Finstern. Nur wenn wir ihn verlassen, gehen wir zugrunde." – „Bei Gott zählt die Liebe, nicht die Leistung.“ - „Gott ist so groß, dass er es wohl wert ist, ihn ein Leben lang zu suchen.“ - „Gott will, dass wir einsehen: Was er will, muss auch geschehen. Und er kann uns diese Einsicht schenken.“ - „Was uns an die vergängliche Welt bindet, ist eine Kette, die Gott allein durchfeilt, vorausgesetzt, dass wir beten und das Unsrige tun.“ - „Gott gibt den Menschen große Beweise seiner Liebe. Freilich, wenn einer dies nicht glaubt, wird er auch nichts davon erfahren. Denn der Herr liebt es, dass man seinen Werken keine Grenzen setzt.“ - „Wenn wir uns nicht entschließen, Krankheit und Tod geduldig hinzunehmen, so werden wir nie etwas erreichen.“ - "Der Weg zum Himmel ist Himmel." Ihr schönster Hymnus:

  „Nichts soll dich stören,

  nichts dich erschrecken.

  Wer sich an Gott hält,

  dem wird nichts fehlen.

  Nichts soll dich stören,

  nichts dich erschrecken.

  Gott allein schenkt Fülle.“

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Am Donnerstag feiert die Kirche das Gedenken des hl. Ignatius von Antiochien. In der Bischofsliste der antiken Weltstadt steht er an zweiter Stelle nach Petrus. Er selbst nennt sich Theophoros („Gottesträger“). Die Legende machte ihn zu dem Kind, das Jesus in seine Arme schließt, und später zum Schüler des Apostels Johannes. Unter Kaiser Hadrian (98-177) wird er mit mehreren Gefährten gefesselt nach Rom verschleppt. Auf dieser Reise in den sicheren Tod schreibt er sieben berühmte Briefe an verschiedene christliche Gemeinden. In ihnen bringt der Heilige seine große Liebe zu Christus und seine Sehnsucht nach dem Martyrium zum Ausdruck. Als erster gebraucht er den Ausdruck „katholische“ („weltumspannende“) Kirche. Er stirbt um das Jahr 117 im Kolosseum, von wilden Tieren zerfleischt. Zitat: "Die Freuden der Erde und ihre Königreiche helfen mir nichts. Für mich ist es besser, in Jesus Christus zu sterben, als König über die ganze Erde zu werden.*

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Am Freitag folgt der Gedenktag des hl. Lukas. Der hochgebildete Arzt stammt ebenfalls aus Antiochia, dem heutigen Antakya in der Türkei. Als Evangelist schildert er psychologisch einfühlsam die Charakterzüge und die menschliche Not Jesu und seiner Jünger. Sein Name kommt von der süditalienischen Landschaft Lucania. Lukas begleitet Paulus auf jahrelangen Missionsreisen und erlebt im Rom die Hinrichtung des Apostels. In Griechenland schreibt er um 80-90 n. Chr. das dritte der vier Evangelien mit der ausführlichen Weihnachtsgeschichte und dazu auch die biblische Apostelgeschichte über christliche Urkirche. In der Legende porträtiert er als Maler Maria und Jesus. Lukas stirbt mit 84 Jahren in Korinth. Sein Symbol ist der Stier, seine Gebeine ruhen in Padua.

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Glaube ohne Geheimnis ist wie Gestein ohne Gewicht.

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Aus einem Hymnus Christine Heusers:

„In die Hand hat Gott versprochen, er führt uns endlich heim.

Die Mauern sind aus schweren Steinen, Kerker, die gesprengt,

von den Grenzen, von den Gräbern, aus der Last der Welt.

Die Tore sind aus reinen Perlen, Tränen, die gezählt.

Gott wusch sie aus unseren Augen, dass wir nun fröhlich sind.

Die Brunnen, wie sie überfließen, in den Straßen aus Gold.“

Christine Heuser, 1930 in Braunschweig geboren, war Pfarrfrau in Witten/Ruhr und Düsseldorf und dann Gemeindemissionarin. Seit 1977 leitet sie die Gottesdienst-Werkstatt in Wuppertal.

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