Der superteure Chip „made in DDR“

Freitag, 25. Oktober 2013

Der superteure Chip „made in DDR“

 

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 25.Oktober 1998.

SONNTAG

In Speyer verabschiedet die Bundeswehr den scheidenden Kanzler mit einem Großen Zapfenstreich. Die „Süddeutsche Zeitung" bemerkt „monarchistische-absolutistische Züge"; durch die „wohlbedachte Apotheose" könne Kohl zu einer Art Kaiser von Kontinentaleuropa verklärt werden." Wilhelm Busch: „Dummheit, die man bei anderen sieht, Wirkt meist erhebend aufs Gemüt."

MONTAG

Shakespeares „Macbeth" in Hamburgs „Theater im Zimmer". Nackte Darsteller greifen einander an die Geschlechtsteile. Eine Anglistin verlangt ihren Eintritt zurück: Die Regisseure „arbeiten da doch nur ihre Geilheit ab". Calvin Ellis Stowe: „Gesunder Menschenverstand ist das Talent, die Dinge zu sehen, wie sie sind."

DIENSTAG

In Niedersachsen enthalten Zeugnisse künftig wieder Angaben über das Sozialverhalten der Schüler. In Hamburg sucht die Polizei die Eltern jugendlicher Straftäter auf. Ein Hauptkommissar: „Bei den Tätern hat das abschreckende Wirkung." Deutsches Sprichwort: „Der alte Brauch ist der beste."

MITTWOCH

Ein Pärchen verlässt im Streit eine Berliner Studenten-WG. Die Mitbewohner vermissen vier Töpfe, eine Pfanne und eine Käsereibe. Ein Richter ordnet eine Hausdurchsuchung an. Vier Polizisten stellen zwei Töpfe sicher, einer wird identifiziert. Albert Grzesinski (1926): „Die Polizei, dein Freund und Helfer."

DONNERSTAG

Nachdem der 14-jährige Multistraftäter „Mehmet" aus München

abgeschoben werden darf, beantragen seine Anwälte eine einstweilige Anordnung: Der Junge habe Selbstmordgedanken. Der zuständige Psychiater bestreitet das. Ein Sprecher des Innenministeriums: „Durchsichtige Angelegenheit." Horaz: „Wer den Zweck will, will auch die Mittel."

FREITAG

Der Titel einer neuen CD des Schlagersängers Wolfgang Petry

lautet „Einfach geil". Kostproben: „Geil, geil, geil - wir sind die Größten", „Sch... auf Gefühl", „Voll am Ar... vorbei". Absatz bisher: 500 000 Exemplare. Schiller: „Hier haben die Flüsse Geschmack und die Quellen / Bei den Bewohnern allein hab ich noch keinen verspürt."  

SAMSTAG

Laut „Das Ende der SED" von Hertle/Stephan sagte ZK-Mitglied

Jarowinsky Ende 1989 über den DDR-Mikrochip (Auszug): „Der

Speicherschaltkreis 256 Kilobit kostet bei uns 534 Mark, der Weltmarktpreis beträgt vier bis fünf Valutamark. Es werden in diesem Jahr, 90 000 Stück, kommen, und das kleine Österreich produziert 50 Millionen Stück.“ Charles Aznavour. „Nostalgie ist die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der man nichts zu lachen hatte."

Anmerkungen

Werner Jarowinsky (1927-1990) war Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED in der DDR.  Im November 1989 wurde er stellvertretender Präsident der Volkskammer und Vorsitzender der SED- bzw. SED-PDS-Fraktion. Am 10. Januar 1990 schied er aus der Volkskammer aus, am 20. Januar wurde er aus der SED-PDS ausgeschlossen.

 

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