Schon Sinuhe, Kyros, Hannibal und Casanova machen mit

Montag, 28. Oktober 2013

Seit Erfindung der Sprache ist das heimliche Lauschen ein Ärgernis, das allzu große Ohr ein Symbol für Untreue und Verrat. Schon vor 5000 Jahren hören die Mächtigen ihre Feinde, aber auch ihre Verbündeten im In- und Ausland ab.

1350 v.Chr. Als erster Spion der Weltgeschichte lauscht der ägyptische Arzt Sinuhe bei besonders unsicheren Partnern: den Kleinfürsten Palästinas. Später spioniert er auch in Babylon, nach Ägypten zweite Großmacht dieser Zeit.

700 v.Chr. Der Mederkönig Deiokes stellt ein ganzes Heer von Spitzeln auf, die Fürsten im Nahen und Mittleren Osten abzuhören. Der griechische Historiker Herodot berichtet: „Überall in seinem Machtbereich unterhielt er Späher und Horcher, so dass man ein offenes Wort nur hinter vorgehaltener Hand pflegen konnte.“

550 v.Chr. Der persische Großkönig Kyros baut das medische Spitzelsystem weiter aus. Seine Agenten werden "Augen und Ohren des Königs" genannt. Besonders dicht umschwirren sie die Anführer unterworfener Völker. Der Geschichtsschreiber Xenophon: „So brachte der Herrscher viele dazu, es zu ihrem Beruf zu machen, mit ihren Ohren zu horchen, was immer sie dem König zu seinem Nutzen hinterbringen konnten.“

470 v.Chr. Der Tyrann Hieron I. von Syrakus auf Sizilien überwacht Untertanen und Nachbarn durch Lauschagenten, sogenannte „Ohrenkriecher“.

215 v.Chr. Der karthagische Feldherr Hannibal schickt Lauschagenten in die römischen Feldlager, die an den Zelten Roms Generäle abhören.

102 v.Chr. Der Römer Sertorius belauscht in Verkleidung die Anführer keltischer Stämme, die sich den Kimbern und Teutonen anschließen wollen.

1310 n.Chr. Venedig gründet die Sicherheitsbehörde "Rat der Zehn". Die Geheimdienstler belauschen staatsgefährdende Umtriebe ebenso wie gegnerische und verbündete Söldnerführer.

1517 Gian Giacomo Caprotti, Lieblingsschüler Leonardo da Vincis, hört für die Behörden seiner Heimatstadt Mailand den französischen König Karl I. ab, der Leonardo oft in dessen Atelier an der Loire besucht.

1690 Der spätere französische Kardinal und Außenminister Ludwigs XIV., Guillaume Dubois versteckt sich im Palast von Whitehall in Nebenräumen, um geheime Verhandlungen zwischen Vertretern der Krone und auswärtigen Partnern zu belauschen.

1710 Der französische Jesuit François-Xavier d’Entrecolles schöpft in der hermetisch abgeriegelten Porzellanstadt Jingdezhen im Osten Chinas ahnungslose Arbeiter ab und legt so den Grundstein für die französische Porzellanproduktion.

1770 Der Abenteurer Casanova hört im Dienst des französischen Königs Ludwig XV. in Dünkirchen die Matrosen von zehn britischen Kriegsschiffen ab und sammelt Informationen über Bewaffnung, Personal und Proviant.

1800 Joseph Fouché (1759 - 1820), Napoleons Polizeiminister, schickt Spitzel los, um politische Gegner zu belauschen.



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