Der Tod der Apostel

Montag, 28. Oktober 2013

Das Wort vom Sonntag

Die Welle der Kirchenaustritte nach den Ereignissen um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ebbt ab. Manche, die sich wegen der möglichen Verfehlungen des Oberhirten gleich ganz von der Kirche Jesu Christi trennten, hatten wohl mehr als einen Grund dafür. Die Kirchensteuer, die sie jetzt hochmoralisch sparen, werden sie sicher in Form von Spenden anderen gemeinnützigen Einrichtungen zukommen lassen.

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Die katholische Christenheit feiert heute das Gedächtnis zweier Apostel, über die nur wenig in der Bibel steht. Simon der Zelot trägt ursprünglich den Beinamen "Kananäus" - "Eiferer". Er ist mit Jesus verwandt, vielleicht dessen Vetter oder sogar Halbbruder aus Marias Ehe mit Josef, und tritt der Sekte der Zeloten bei, die das römische Joch notfalls mit Gewalt abschütteln wollen. Nach dem Tod des Erlösers missioniert Simon vor allem unter den Juden, die außerhalb des Heiligen Landes in der Diaspora leben. Zusammen mit seinem Bruder Judas Thaddäus zieht er zuletzt durch Persien. In der Stadt Suanir, dem alten Kolchis am Schwarzen Meer, wird er von Mithras-Priestern mit einer Säge in zwei Teile zerschnitten. Seine Reliquien werden in Rom, Köln, Bad Hersfeld und Goslar aufbewahrt. Sein Bruder Judas Thaddäus fragt Jesus beim Letzten Abendmahl: "Herr, wie kommt es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?"  Nach Christi Kreuzestod geht der Apostel nach Edessa, dem heutigen Urfa in der Türkei, zu König Abgar V. Ukkama, genannt "der Schwarze", der mit Jesus korrespondiert hatte, und überbringt ihm mündlich die Antwort auf den letzten Brief. Danach predigt er in Syrien, Mesopotamien, Phönizien, Armenien und zusammen mit seinem Bruder in Persien. Nach langen Foltern erlöst ihn ein Keulenhieb. Die Gebeine des Märtyrers ruhen im Petersdom, Reliquien werden in Heisterbacherrott bei Königswinter und in Goslar verehrt.

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Am Mittwoch gedenkt die katholische Kirche des Priesters Bernhard Schwentner, der am 30.Oktober 19044 der Blutjustiz der Nazis zum Opfer fiel. Der Pfarrer von Neustrelitz, Theologe und Doktor des Kirchlichen Rechts, wird auf besonders infame Weise denunziert. Als Militärgeistlicher im Ersten Weltkrieg pflegt er gute Kontakte zu den in Neustrelitz stationierten Offizieren. Einer von ihnen sucht ihn unter dem Vorwand eines seelsorgerlichen Anliegens auf und denunziert ihn anschließend bei der Gestapo. Obwohl Schwentner sich in seiner Zeit als Militärgeistlicher sehr für andere eingesetzt hat und auch viele Freunde unter den Offizieren besitzt, tritt nun niemand für ihn ein. Die Bemühungen des Bischofs von Osnabrück, Hermann Wilhelm Berning, um die Freilassung bleiben erfolglos. Schwentner nimmt Haft und Hinrichtung „in der Nachfolge Jesu Christi“ ruhig an. Ein Gedicht legt dafür Zeugnis ab. Im Prozess gibt es weder eine Beweisführung noch Entlastungszeugen, das Todesurteil steht von vorneherein fest. Am 15. September 1944 wird Schwentner vom Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt, am 30. Oktober 1944 hingerichtet. Die Urne mit seiner Asche wird zuerst in Brandenburg und am 26. November 1949 in Neustrelitz beigesetzt.

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Lesefrüchte. Peter Bamm, „Welten des Glaubens“: „Die Schlacht im Teutoburger Wald hat die Germanen davor bewahrt, unter römische Herrschaft zu geraten. Hätten sie diese Schlacht verloren, wäre das Christentum fünfhundert Jahre früher zu ihnen gekommen. So gute Christen die Deutschen nachher geworden sind, dieses halbe Jahrtausend in der Schule mediterraner Zivilisation, das ihnen fehlte, hat in ihrer ganzen Geschichte eine Rolle gespielt, die ihnen viel Kummer bereitet hat. Vielleicht hätte es die römische Staatskunst zuwege gebracht, den Tugenden, der Frische und der Intelligenz dieser Barbaren eine andere Richtung zu geben. Vielleicht hätten gerade die Germanen, im Rahmen der Organisation des römischen Reiches und getragen vom christlichen Glauben, die Kraft gehabt, die Völkerwellen des Ostens abzuwehren, anstatt vor ihnen in die blühenden Provinzen einzufallen.“ Über die Antike: „Damals war der Glaube das Tor zum Gelobten Land des Wissens und der Bildung. Heute sind Wissen und Bildung die Pforten, die in die Wüste des Unglaubens führen.“

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Die Neuerungssucht befällt vor allem solche Kulturstufen, die nichts wirklich Neues mehr hervorzubringen vermögen.

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Das Thema des Alterns behandeln auf einzigartige Weise die Zeilen Hugo von Hofmannsthals aus dem "Rosenkavalier" von Richard Strauß, in dem die Marschallin singt:

  "Wie kann das wirklich sein,

  Daß ich die kleine Resi war,  

  Und daß ich auch einmal die alte Frau sein werd',

  Wie kann denn das geschehn?

  Wie macht das denn der liebe Gott,

  Wo ich doch immer die gleiche bin?

  Und wenn er's schon so machen muß,

  Warum läßt er mich zuschauen dabei

  Mit gar so klarem Sinn?

  Warum versteckt er's nicht vor mir?

  Das alles ist geheim, so viel geheim,

  Und man ist dazu da, daß man's ertragt,

  Und in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied."


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