Grüne: Die Polizei soll nicht mehr gegen Drogen und Diebstahl vorgehen

Mittwoch, 30. Oktober 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe von Samstag, 30.Oktober 1993.

SAMSTAG

Das Volk des Freistaats Thüringen gibt sich eine Verfassung, in freier Selbstbestimmung „und auch in der Verantwortung vor Gott". Über letzteren Passus mokieren sich Sozialdemokraten: Es sei ein verbaler Rückfall ins vergangene Jahrhundert. Heute sind andere Autoritäten modern. Der dänische Satiriker Jens Rasmussen: „Der Mensch von heute glaubt an eine neue Dreifaltigkeit: an den Sex, an die Zuwachsrate und an die Vorfahrt"

SONNTAG

Auf dem Petersberg hält der tschechische Ministerpräsident Klaus westlichen Amtskollegen vor, auch ihre Länder brauchten schleunigst eine „sanfte Revolution" - in Gestalt einer umfassenden ordnungspolitischen Reform, um Bürokratie, Zentralisierung, Überregulierung, Mangel an Vertrauen in die Marktwirtschaft und übertriebene Sozialleistungen abzubauen. James Freeman Clarke: „Der Staatsmann ist einer, der das Steuer führt, während der Politiker zufrieden ist, wenn er dahintreibt."

MONTAG

Eine NDR-Sekretärin löschte versehentlich die Aufzeichnung eines kompletten Fernsehspiels, das dadurch unwiderbringlich verloren ging. Sie wurde nicht gefeuert, sondern befördert. Heute bestimmt sie das Programm von 1 Plus. Der TV-Regisseur Dieter Wedel dazu in „Focus": „Ich kriege Pickel, wenn ich an diese inkompetente Bande denke, die sich immer nur an ihr Parteibuch klammert."

DIENSTAG

Als Gast in Thomas Gottschalks „Late Night Show" antwortet Oskar Lafontaine auf die Frage, warum er seine Lebensgefährtin Christa Müller noch nicht geheiratet habe: „Drum prüfe, was sich ewig bindet - steht in der Bibel." Der Irrtum kann zwar noch keine Folge sozialdemokratischer Bildungspolitik sein, stellt aber einem ihrer Verursacher ein bedenkliches Zeugnis aus. Höchste Zeit für kräftige Korrekturen, denn schon die übernächste Zeile in Schillers „Lied von der Glocke" warnt: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang."

MITTWOCH

Das Landgericht Ingolstadt verhängt hohe Haftstrafen gegen vier Männer, die eine 18-jährige vergewaltigten und ermordeten. Der Vorsitzende Richter Klaus Forster sagt in der Begründung: „Bei aller persönlichen Schuld der Angeklagten wird man auch sagen müssen, dass sie in gewisser Weise Kinder ihrer Zeit waren. Hingabe an Drogen, Sex und Alkohol, das sind die falschen Propheten ... Die Würde des Menschen liegt … in Arbeit und Disziplin, Fleiß, Demut und Bescheidenheit, Verantwortung vor Gott und den Menschen." Thomas Henry Huxley: „Die Wahrheit ist das Herz der Moral."

DONNERSTAG

Die Hamburger GAL stellt ihr Programm für eine Polizeireform vor. Unter anderem sollen Ordnungshüter nicht mehr gegen Besitz, Handel und Verbrauch von Haschisch, Besitz von Heroin oder Kokain, Schwarzfahren und Ladendiebstahl vorgehen. „Wo es an verständigen Männern fehlt, steigen die Narren im Kurse" (deutsches Sprichwort).

FREITAG

Der frühere Braunschweiger Oberlandesgerichtspräsident Rudolf Wassermann führt in einem neuen Buch die steigende Kriminalität von Jugendlichen auf das Versagen der modernen Erziehung zurück: Sie habe es versäumt, die Grenzen aufzuzeigen, die nicht überschritten werden dürfen. Folgen: Partielle Wertblindheit bis zur Permissivität. Sebastian Brant, „Das Narrenschiff“ (A.D. 1494): „Wer seinen Kindern übersieht/ Mutwillen und sie nicht erzieht,/Dem selbst zuletzt viel Leid geschieht."

Anmerkungen

Der heutige „Linke“-Politiker Oskar Lafontaine war 1985-1998 noch als SPD-Mitglied Ministerpräsident des Saarlandes, 1990 SPD-Kanzlerkandidat und 1995-1999 SPD-Vorsitzender.

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