Die ARD-Nachtschwester, die Gysi sexy fand

Donnerstag, 31. Oktober 2013

In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 20 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 31. Oktober 1993.

Aus „Nachschlag" mit ARD-Kabarettist Rogler am Mittwoch:

„Unser großer Oberförster Helmut Kohl hat sich ganz einfach im Wald verirrt. Deutschland, meint er, wäre ein kollektiver Freizeitpark. Hör mal, das heißt, ‚Jurassic Park', das ist ein Kinofilm..."

„Peter Pater Hintze ... ist ja schon zum Kettenhund mutiert. Der kläfft ja nur noch durch die Gegend. Das Bonner Ordnungsamt hat ihm jetzt auferlegt, an seiner Tür ein Schild anbringen zu lassen: ‚Vorsicht, Generalsekretär beißt'."

„Das letzte Mal habe ich ja versprochen, dass ich nichts mehr über diesen Steffen ,Wie Peinlich' Heitmann sage. Ich vermute nämlich, dass der nicht einmal satirefähig ist."

Im Gegensatz zu Rogler. 

*

In der RTL-Sendung “Stern TV" am Mittwoch sprach Moderator Jauch mit einer jungen Deutschen, die auf Vermittlung von „Amnesty international" einen in einer texanischen Todeszelle sitzenden Polizistenmörder betreut. Auszug:

Jauch: „Daß Sie da mit einem Menschen zu tun haben, der einen anderen umgebracht hat, das verdrängen Sie?"

Betreuerin: „Nein, das verdränge ich nicht, nur, ich kann Ihnen nur sagen, was meine Großmutter gesagt hat, als ich ihr erzählt habe, dass er jemanden getötet hat, einen Polizisten in Zivil, da sagte sie: ,Das kann doch jedem mal passieren.'"

Jauch: „Also, das ist eine sehr robuste Oma."

Und ein sehr robuster Moderator.

*

In der SAT.l-Sendung „Schreinemakers" am Donnerstag sprach der Witwer der Volksschauspielerin Helga Feddersen, Maier, der sich seit einer  Adoption „Prinz von Sachsen" nennt und jetzt ein Erinnerungsbuch  veröffentlichte, mit Schlagersänger Böhm, der auch unter dem Künstlernamen „Gottlieb Wendehals" auftritt und sich durch Maiers Buch beleidigt fühlt.

Moderatorin Schreinemakers zu Maier: „Als er (Böhm) hörte, dass Sie kommen, sagte er am Telefon: ,Ich hau ihm auf die Fresse!'"

Maier: „Jemand, der alkoholkrank ist ... ein abgehalfterter Schlagersänger, ein Schlagerfuzzi!"

Böhm: Sie sind für mich kein Prinz, Sie sind für mich ein Froschkönig."

Maier: „Froschkönig ist immer noch besser wie ein abgehalfterter Schlagerfuzzi."

Böhm: „Ich habe das Buch nur kurz gelesen. Mir wird schlecht."

Maier: „Das ist vielleicht in Ihren Kneipen die Meinung, abends beim Bier."

Böhm: „Sie sind ein kleiner Wicht. Für mich sind Sie ein ganz armes Schwein."

Infotainment...

*

Aus einem Sketch der ARD-Sendung „Nachtschwester Kroymann" am Freitag:

„Wir reden darüber, von welchem Mann wir gern ein Kind hätten. Engholm?"

„Misserfolg macht unsexy. Ich finde, der Gysi hat einen unheimlichen Sex-Appeal."

„Der soll ja viel kleiner sein als man denkt."

„Macht ja nichts, der würde dann sowieso liegen ... Den Schily, den finde ich auch toll. Es ist diese geistige Eleganz..."

...die auch diesen Beitrag auszeichnete.



Anmerkungen

Peter Hintze war 1991-1992 Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Frauen und Jugend und 1992-98 CDU-Generalsekretär. Sein Gegenspieler als SPD-Bundesgeschäftsführer war 1998 Franz Müntefering. Seit Oktober 2013 ist Hintze Bundestagsvizepräsident.

Der Theologe und CDU-Politiker Steffen Heitmann war 1990-2000 sächsischer Justizminister. 1993 war er Wunschkandidat Helmut Kohls und der CDU für das Amt des Bundespräsidenten für die im Mai 1994 anstehende Wahl. Nach Äußerungen zur Rolle der Frau, zum Holocaust oder über Ausländer, die von politischen Gegnern als ultrakonservativ oder sogar reaktionär diffamiert wurden, verzichtete er auf eine Kandidatur. Sein Fall erwies die starke Wirkung linker Propaganda: Seine Gegner behaupteten, seine Auffassungen würden nur von einer Minderheit geteilt. Umfragen schienen das zunächst zu bestätigen. Als jedoch die Meinungsforscher von Allensbach Heitmanns Äußerungen zur Diskussion stellten, ohne dabei seinen Namen zu nennen, fanden seine Ansichten breite Zustimmung: zur Rolle der Frau waren es 78 Prozent, zum Holocaust 71 Prozent und zu Ausländern 64 Prozent.

Margarethe Schreinemakers startete ihre Karriere 1985 mit der Musik- und Comedysendung „Extratour“ (Radio Bremen). Danach moderierte sie ab 1989 den ARD-Quiz „Wortschätzchen“. Für ihre Talkshow „Schreinemakers live“ (1992-97) erhielt sie wichtige Fernsehpreise.

Maren Kroymanns Comedy-Show „Nachtschwester Kroymann“ lief  1993-1997 in der ARD.

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt