So starb Frankreichs tragische Königin unter der Guillotine

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Vor 220 Jahren starb Frankreichs tragischste Königin unter der Guillotine

Einen Tag vor ihrer Geburt wird Europa von einer der schrecklichsten Katastrophen seiner Geschichte heimgesucht: Am 1. November 1755 zerstört ein Erdbeben Lissabon; in den Trümmern kommen 50.000 Menschen ums Leben.

38 Jahre später finden sich diejenigen bestätigt, die das Desaster als unheilverkündendes Omen für die kleine Prinzessin betrachtete haben: Am 16. Oktober 1793 stirbt Maria Antonia Josepha Johanna, der Welt besser bekannt als Marie Antoinette, unter der Guillotine.

Wohl kaum eine Frau hat ein so wechselvolles Schicksal erlebt. Schuld sind nicht nur die unruhigen Zeiten, sondern auch manche Unebenheit ihres Charakters, die sie erst spät zu begradigen versteht.

Von Amme, Kindermädchen und -frauen liebevoll betreut, hat sich das hübsche Mädchen sehr zur Freude seiner Mutter Maria Theresia entwickelt. Allerdings zeigt sich bald, dass Maria Antonias großes Temperament einen einigermaßen intensiven Unterricht auf Dauer nicht zulässt. Die Ausbildung der verwöhnten Prinzessin in Französisch und Italienisch bleibt lückenhaft. Stattdessen entwickelt sie früh eine besondere Raffinesse, ihre Lehrer um den Finger zu wickeln.

Maria Theresia, Mutter von 16 Kindern, bemerkt den Mangel erst, als ihre jüngste Tochter in das heiratsfähige Alter kommt und sich plötzlich Chancen auf den französischen Königsthron abzeichnen. Sofort wird das Erziehungsprogramm forciert – zu spät: Die Zwölfjährige ist längst unheilbar putz- und vergnügungssüchtig.

Die Heirat kommt trotzdem zustande: Am 16. Mai 1770 führt  Frankreichs l5jähriger Thronfolger, der spätere Ludwig XVI., die 14jährige, ganz in weißen Brokat gehüllte Braut zum Altar. Allerdings besteht die Verbindung zunächst nur auf dem Papier. Erst sieben Jahre später, am 30. August 1777, kann Marie Antoinette der Mutter in Wien erleichtert melden: „Schon seit acht Tagen ist meine Ehe vollständig vollzogen; der Beweis ist wiederholt worden, und gestern noch vollständiger als das erste Mal."

Fortan erfüllt der König, so ein weiterer Brief, „sehr oft die Pflichten eines wirklichen Gemahls". Weit weniger engagiert widmet er freilich sich den Verpflichtungen seines Amtes: Als einige halbherzige Reformversuche gescheitert sind, wenigstens die schlimmste Steuerlast der unteren Stände zu mildern, zieht sich der gehemmte, schwerblütige Monarch ganz aus der tristen Wirklichkeit in die prunkvolle Welt von Versailles zurück.

Auch seine Frau zeigt kaum ein Gefühl für die hungernden, bettelnden Zerlumpten auf den Straßen. Als die Warnung kommt, die Leute hätten kein Brot mehr, antwortet sie nach der Legende naiv: „Dann sollen sie eben Kuchen essen!" Statt sich des Volkes anzunehmen, das ihren Schutz gebraucht hätte, umgibt sie sich mit einer eitlen Adelsclique, in der sie wohl auch manchen Liebhaber findet.

Die Folgen der verfehlten Politik sind fatal: Am 14. Juli des Jahres 1789 stürmten wütende Pariser die Bastille. Und als ausländische Fürsten, darunter auch Marie Antoinettes Bruder Joseph II., der französischen Monarchie mit Gewalt wieder zur Macht verhelfen wollen, wandelte sich die Wut des Volkes in tödlichen Hass: Mitte August 1792 wird Ludwig XVI. mit Frau und Kindern ins Gefängnis gesperrt. Im Januar 1793 rollt sein Kopf, im Juli wird der kleine Thronfolger aus den Armen der Mutter gerissen und einem Flickschuster zur Erziehung übergeben.

Einen Monat später steht Marie Antoinette selbst vor dem Revolutionstribunal. Nun erst findet sie zu seelischer Größe. Geduldig erträgt sie die Schikanen ihrer Peiniger; klug und geschickt widerlegt sie zudem fingierte Beschuldigungen, entlarvt falsche Zeugen und bringt das Gericht ein ums andere Mal in Verlegenheit.

Nützen kann ihr das freilich nichts. Die letzte Fahrt zur Place de la Concorde dauerte etwa eine Stunde. Die ganze Zeit über begleiteten sie die Schmährufe des aufgehetzten Pariser Proletariats. Kurz nach zwölf Uhr erreicht der Schinderkarren das Schafott. Gefasst steigt Marie Antoinette die Stufen empor. Als sie dem Scharfrichter versehentlich auf den Fuß tritt, entschuldigte sie sich mit ausgesuchter Höflichkeit. Dann kniet sie sich vor das Blutgerüst, und das Fallbeil saust nieder. Der große Revolutionsdemagoge Jacques Hebert aber schreibt am nächsten Tag verärgert: „Die Dirne ist übrigens kühn und frech bis zum Ende geblieben."

 

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