Solange in einem Land noch Kirchtürme stehen…

Montag, 4. November 2013

Das Wort vom Sonntag

In einer Homilie zu Allerheiligen in „Magnificat“ schreibt der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn: „Wir hören so viele Nachrichten von Christenverfolgungen. In so vielen Ländern der Welt werden die Christen um ihres Glaubens willen verfolgt. Was mich am meisten wundert, ist, dass unsere Medien darüber meistens schweigen. Das sind keine Weltnachrichten, und die Politik schaut oft weg. Auch wir selbst schauen nicht genügend hin.“

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Lesefrüchte. In Andreas Engermanns Kriegsroman „Einen bessern findst du nicht“ (1952) schreibt der Soldat Meier III. die Predigt des katholischen Feldgeistlichen mit und liest sie anschließend den Kameraden vor: „„Ihr glaubt wohl, ich als Priester zum Beispiel, da ich ja wohl Gottes Diener bin, ich als Priester habe Gott zu jeder Sekunde, wann es mir einfällt, zur beliebigen Verfügung. So ist es nicht. Auch ich muss ihn zuerst suchen. Was heißt das, Gott suchen? Ihr alle habt es schon getan, aber vielleicht ohne es zu wissen. Ihr habt Gott gesucht in Augenblicken, in denen ihr in Not wart, und da habt ihr Gott sofort, ohne Zögern, augenblicklich gefunden. Ihr habt ihn gespürt. Er war da. Und er war bei euch. Das heißt nichts anderes, als daß ihr Gott im gleichen Moment erkannt habt, als ihr ihn brauchtet. Versteht mich recht, Kameraden, hört ganz genau zu: diese eure Angst, in der ihr verzweifelt nach einer Hilfe gesucht habt, braucht nicht einmal ausdrücklich in euren Worten oder Gedanken zu Gott gegangen zu sein. Sie ging zu Gott, eure Angst, auch ohne daß ihr ausdrücklich euch an Gott wandtet. Das ist das ganze Geheimnis. Ob ihr wollt oder nicht, ob ihr glaubt oder nicht. Gott ist bei euch. Nun könntet ihr mir antworten, dann wäre Gott auch automatisch bei den Schurken, den Übeltätern und Halunken. Sicher, auch bei ihnen ist Gott, aber dieses Gottes werden sie nicht froh. Darauf könnt ihr euch verlassen. Es ist ihnen in ihrer Schurkerei, in ihrer Übeltat und in ihrem Verbrechen nicht recht behaglich zumute. Darauf könnt ihr euch bauen.“

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Solange in einem Land noch Kirchtürme stehen, wird es von Gott nicht vergessen.

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Als Erzbischof von Mailand reist der hl. Karl Borromäus (1538-1584) unermüdlich durch sein Bistum, gründet Heime und Krankenhäuseer, Schulen und Priesterseminare. Er führt eine kostenlose Rechtshilfe für die Schwachen ein, bekämpft den Wucher und gibt sein Familienvermögen den Armen. Als 1576 die Pest ausbricht, flieht er nicht, sondern organisiert Hilfe und Packt auch selbst mit an. Er stirbt mit nur 46 Jahren an völliger Entkräftung. Seine schönsten Worte: „Es ist dem Weisen eigen, aus gerechtem Grund lieber seine Meinung zu ändern, als mit Hartnäckigkeit in ihr zu verharren.“ - „Von guten Herzenswünschen, die nie zu guten Taten gereift sind, ist die Hölle voll.“ Heute ist sein Gedenktag.

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Zum Gedenktag des hl.Leonhard (+ 559) am Mittwoch: Nach der Legende lebt er im 6. Jahrhundert, doch erst im 12.Jahrhundert blüht seine Verehrung besonders in Süddeutschland auf. Einer der Gründe ist, dass er sich besonders für die Freilassung von Gefangenen einsetzt: Im Mittelalter werden viele Christen von islamische Heerhaufen und Piraten nach Afrika verschleppt und nur gegen Lösegeld freigelassen. Deshalb sind damals viele ihm geweihte Kirchen mit Ketten umspannt. Die Wallfahrt zur Leonhardikirche in Inchenhofen bei Aichach war einst nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela die viertgrößte des Abendlandes. Heute gibt es noch in über fünfzig Orten festliche Leonhardi-Umritte.

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Händel, Concerto grosso Nr.3 in e-Moll: Der erste Satz ist ein frommer Groß an jene Weisheit, die in die Tiefen allen Handelns und Geschehens blickt. Der zweite stellt Fragen des Sinns und Seins. Ursprungs und Ziel des Lebens sind dem Wissen ebenso verborgen, wie sie dem Glauben offenbar sind. Der dritte Satz ermuntert zu Gedanken jenseits bekannter Bahnen: Die Evolution des Geistes braucht Rätsel, Paradoxe, Irrtümer und Fehler. Der vierte Satz feiert Antworten des Glaubens, im fünften macht die Liebe Gottes alle Frager stumm.

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Ladislaus Bortos: „Um unser leidvolles Leben verstehen zu können, müssen wir wissen, dass das menschliche Leben auf den Himmel hin entworfen wurde. Die Welt entsteht eigentlich erst, wenn der Mensch den Himmel betritt. Unser Leben ist ein Werden auf den Himmel hin."

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Dante, Fegefeuer, III. Gesang:

"Ein Narr ist's, wer sich auf Verstand verläßt

Und glaubt', den Weg, der die Dreieinigkeit

Enthält, den endlosen, könnt' er erforschen.

Gib dich zufrieden, menschliches Geschlecht:

Denn könntest du Geschaffenes durchschauen,

Wozu hätte Maria dann geboren?"

 

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