Wie die ARD Johannes Rau umschmeichelte

Freitag, 8. November 2013

In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 15 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 8.November 98.

In „Spiegel TV" (RTL) am Sonntag sagte ein nicht genannter Reporter über das Hochwasser an Rhein und Mosel: „Was die Bundeswehr an der Oder als nationalen Kraftakt feierte, erledigt in Koblenz die Feuerwehr mit ruhiger Routine."

Wilhelm Busch: „Tugend will ermuntert sein, Bosheit kann man schon allein."

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In Tagesthemen" am Montag sagte ARD-Kommentator Kellermeier (SPD) über den SPD-Bundespräsidenten-Kandidaten Rau: „Für dieses Amt ist Rau geradezu eine Bilderbuch-Besetzung. Wo es darum geht, mit der Kraft des Wortes Menschen zusammenzuführen, Trennendes zu überwinden, Vertrauen zu bilden oder, wie er selber seine Lebensmelodie nennt, zu versöhnen statt zu spalten, wo geistig-moralische Orientierung und Integration die eigentlichen Aufgaben sind, da ist der gute Mensch aus Wuppertal ein nachgerade idealer Kandidat. Niemals seit den fernen Tagen des unvergesslichen Theodor Heuss werden die Weihnachtsansprachen schöner gewesen sein, und das ist keine Ironie."

Aristoteles: „Alle Schmeichler sind Lakaienseelen."

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In „Bei Roman Herzog im Bellevue" (ARD) am Mittwoch sagte TV-Entertainer Emmerlich: "Dass 1936 Deutschland die meisten Goldmedaillen gewonnen hat in Berlin und Garmisch-Partenkirchen, das ist ja auch ideologisch gezielt gewesen. Und ähnlich war es in der DDR."

Crede experto.

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In „Tagesthemen" am Mittwoch sagte ARD-Kommentator Schweizer über den trotz der Lügen des US-Präsidenten eingetretenen Wahlerfolg der Demokraten: „Ist es nicht schön, dass die Wähler immer wieder beweisen, dass sie nicht so dumm sind, wie manche Politiker sie immer wieder halten? Sie merken, wenn eine Regierung Erfolg oder wenn sie abgewirtschaftet hat. Da hilft keine Rote-Socken-Kampagne. Da hilft keine Schlammschlacht. Die Wähler lassen sich von den Politikern eben doch nicht für dumm verkaufen ..."

Warum versuchen es dann ARD-Kommentatoren immer wieder?

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In „Monitor" am Donnerstag sagte ARD-Moderator Bednarz: „Hört man sich in Bonn und in Kreisen der CDU um, gewinnt man den Eindruck, dass viele in Wolfgang Schäuble nur eine Übergangslösung sehen. Der starke Mann der Union, so heißt es immer wieder, wird bald Edmund Stoiber sein. Ein Gedanke, an den sich mancher wohl erst gewöhnen muss."

Vor allem im Gebührenfernsehen.

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In „Morgenmagazin" am Freitag sagte ZDF-Moderator Klinner: „Im Land der aufgehenden Sonne werden die Menschen vom Staat nicht geschröpft, sondern beschenkt, und zwar, mit Geschenk-Kupons an ihre Bürger will die japanische Regierung die Konjunktur ankurbeln. Die Idee hatten übrigens zwei kleine buddhistische Gruppen ausgeheckt. Ja, kein Wunder, dass der Buddhismus auch bei uns immer mehr Anhänger findet..."

Morgenstund'...

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Aus der RTL-Talkshow „Hans Meiser" am Freitag:

Weiblicher Talkgast über eine Reise nach Köln: „Wir sind in die Stadt gefahren, es hat geschifft..."

Talkmaster Meiser: „Was?"

Talkgast: „Geschifft. Sagt man das nicht?"

Meiser: „Sagen wir mal: gebrunzt."

Anmerkungen

Jürgen Kellermeier (1939-2009) war von 1990 bis zu seinem Ruhestand 2004 Programmdirektor Fernsehen des NDR.

Der Journalist Jochen Schweizer war Programmgruppenleiter Service + Wirtschaft beim WDR Köln, Leiter des ARD-Studios in Washington sowie der WDR-Redaktionsgruppe Wirtschaft und Sozialpolitik Fernsehen.

Hans Meisers gleichnamiger Nachmittagstalk lief 1992-2001 bei RTL.

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