Ur-Vater Abraham:

Montag, 11. November 2013

Drei Weltreligionen berufen sich auf ihn. Abraham war weise, fromm und wurde sehr alt. Das wissen wir aus der Bibel. Aber er war auch BWL-Student und ein ziemlicher Schlawiner

 

Er bekam Steuerbescheide, unterschrieb Lieferscheine, benutzte ein Wörterbuch Und weil er in seinem Asylantrag, falsche Angaben gemacht hatte, wurde er abgeschoben: Abraham, der Stammvater dreier Weltreligionen, hatte höchst moderne Probleme. Modernste Forschungsmethoden sind es, die der Welt jetzt beweisen: Die Bibel hat recht, allerdings anders, als man bisher glaubte.

 Keilschrift-News. So spannend die neuesten Funde sind, die Archäologen erwarten noch viel, mehr. In Hazor (Nord-Israel) kamen sie jetzt einem Archiv auf die Spur, das so viel über Abraham und seine Zeit vor 4000 Jahren erzählen könnte wie eine heutige Bibliothek über das 20. Jahrhundert. "Was wir bisher entdeckt haben, ist nichts im Vergleich zu dem, was wir finden werden", sagt Prof. Anno Ben-Thor von der Hebräischen Universität Jerusalem, "ich rechne hier noch mit vielen großen Überraschungen."

 Sensation. Bereits die bisherigen Funde in Hazor lassen Scherben-Profis jubeln: Tontafeln aus dem Schutt der Stadt am alten Handels-Highway zwischen Ägypten und dem Zweistromland (heute Irak) zeigen das Bild einer entwickelten Zivilisation. Und das Portrait eines cleveren Geschäftsmannes, der mit dem überlieferten Bild des biblischen Patriarchen wenig zu tun hat. Abraham kommt aus der Großstadt Ur, dem New York seiner Zeit, Welthafen mit Verbindungen bis nach Indien und China. Als Sohn reicher Eltern studiert er Agrarwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Handelsrecht. Zu Kongressen der Uni Ur reisen Professoren aus der ganzen Welt an.

Steaks en gros. Nach dem Studium übernimmt Abraham die Familienfirma (Fleisch) und verlegt sie nach Haran in der heutigen Südtürkei, damals ein Zentrum der internationalen Viehzucht wie heute Texas oder Argentinien. Das Geschäft blüht, auch weil der Chef sich mit Steuersparmodellen auskennt und mit seinen Kunden langfristige Lieferverträge aushandelt. Besonders gut zahlen Abnehmer im syrischen Ebla, dem Paris des Alten Orients, in dem 200 000 märchenhaft reiche Bürger im Luxus schwelgen (goldene Teller, Seidenstoffe, kostbare Gewürze). Das dort gefundene größte Keilschriftarchiv der Welt (I5 000 Tafeln) verrät: Abrahams liebste Geschäftspartner machten Mio.-Umsätze mit Holz. Heute wächst dort kein Baum mehr.

Private Probleme. Abrahams Ehefrau Sarah, die zugleich seine Halbschwester (vom Vater) ist, kann ihm keine Kinder schenken. Gebete zu den 500 Göttern von Haran helfen nicht. Dann aber hat Abraham eine Vision: Gott erscheint ihm und verspricht, ihn zum Stammvater eines großen Volkes zu machen. Bedingung: Er soll nach Kanaan ziehen, ein Gebiet mit einigen großen Städten (Sodom und Gomorrha waren durch das Erdpech am Toten Meer reich geworden), aber noch ziemlich unterentwickeltem Hinterland. Kanaans Hauptstadt Hazor liegt 15 km vom See Genezareth entfernt. Die ersten Funde in den Ruinen der Metropole zeigen: Die spannenden Geschichten des Alten Testaments sind wahr.

 Namenverzeichnis. Die wichtigsten Personen der Bibel finden sich in Briefen, Urkunden, Gerichtsbeschlüssen, Lieferscheinen und Geschäftsberichten jener Zeit. Der kanadische Archäologe Brian Wood wertet sie an der Universität Toronto aus: „Die Tontafeln bestätigen alles, was die Schöpfungsgeschichte berichtet."

 Asylbewerber. Neue Funde in Ägypten beweisen, dass Abraham während einer Dürre seine Herden ins Nildelta treiben lässt und bei den Ägyptern als Wirtschaftsflüchtling Asyl beantragt. Dabei verschweigt er, dass er mit Sarah verheiratet ist, bezeichnet sie nur als Schwester. Er fürchtet, dass der Pharao, dessen Vorliebe für schöne Frauen bekannt ist, ihn ermorden lassen könnte. Tatsächlich lädt der Playboy die schöne Asylantin in seinen Palast. Als er die Wahrheit erfährt, erklärt er die Aufnahmegenehmigung für ungültig, Abraham und seine Leute müssen das Land verlassen. Jahre später schenkt Sarah ihrem Mann doch noch den ersehnten Sohn (Isaac), Zeichen besonderer Gnade Gottes, der seinen treuen Diener zum Begründer dreier Weltreligionen macht: Juden betrachten ihn als Stammvater. Christen verehren ihn als Partner des Alten Bundes, und Araber führen ihre Abstammung auf Abrahams unehelichen Sohn Ismael zurück.

 Mit 100 Vater? Die Angaben der Bibel sind ungenau, Methusalem z. B. soll 969 Jahre alt geworden sein! Abraham ist, nach heutigem Wissen, etwa 70, Sarah 50, als sie Eltern werden. Im Orient lebte damals eine Multikulti-Gesellschaft von 100 Völkern und Sprachen. Verständigungs-Schwierigkeiten behob das 1. Wörterbuch der Geschichte, das auf Tontafeln in Ur entdeckt wurde. Zudem haben Archäologen einen Brunnen bei Jerusalem gefunden, aus dem Abraham Wasser schöpfte. Und verblüffende Infos über Nachfahren Abrahams: Nach Feststellungen des Kanadiers Wood zahlte Jakob seinem älteren Zwillingsbruder Esau für das Erstgeburtsrecht kein Linsengericht (so steht es in der Bibel), sondern drei Schafe.

Seine Personalakte – alles auf Tontafeln, gerade entdeckt

Lebenslauf: Uralte Scherben, von Archäologen in Kleinarbeit zusammengesetzt, liefern detaillierte Informationen über Abraham und seine Zeit. In Keilschrift sind Steuergesetze, Kaufverträge, Prozessakten, Urkunden für die Ewigkeit bewahrt. Die Tafel wurde vor 4000 Jahren in Ebla beschrieben, wo Abraham auf seinen Handelsreisen oft Station machte. Die Stadt was das Wirtschaftszentrum des Nahen Ostens.

Seine letzte Adresse: Regierungsdistrikt Sodom & Gomorrha

Ölscheichs der Bibel. Das heute öde Land am Toten Meer war vor 4000 Jahren ein Paradies: Aus dem Boden quoll Erdpech, das Öl der Antike, machte die Städte Sodom und Gomorrha reich. Doch die Sitten weckten Gottes Zorn (Sex unter Männern und mit Tieren), er ließ "Schwefel und Feuer regnen" – Erinnerung an ein Erdbeben, das die Ölquellen entzündete und die Städte verschlang? Nur Abrahams Neffe Lot konnte fliehen.

 

 

 

 

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