Hebt das Weltwunder von Alexandria

Dienstag, 19. November 2013

Hier liegt die Weisheit des Altertums begraben. Die Stadt, gegründet von Alexander dem Großen, war die Denkfabrik der Antike. Hier wurden Dampfmaschine und Sternatlas erfunden. Hier strahlte der größte Leuchtturm der Welt weit ins Mittelmeer

 

Eine Armee von Froschmännern steigt in das verschmutze Hafenbecken von Alexandria. Im Jahr 331 v. Chr. hatte Alexander der Große die Stadt bauen lassen, finanziert mit dem zu Geldstücken geschlagenen Silber der persischen Könige. Jetzt suchen die Taucher einen ganz besonderen Schatz…

Mission erfüllt. Die Männer werden in acht Metern Tiefe fündig, 100 sind schließlich im Einsatz. Bergen 1000 verschiedene Quader und Steinbrocken. Aber was für welche! Nach vielen Untersuchungen steht die Sensation fest: Die Trümmer sind Reste des legendären Leuchtturms. Der 120 Meter hohe Riese, 285 bis 279 vor Christus gebaut, gehörte  zu den sieben Weltwundern der Antike. Vor 1600 Jahren versank spurlos nach einem verheerenden Erdbeben. Der Leiter des Unternehmens, der französische Archäologe Jean-Yves Empereur: "Die Spuren verraten es, der Turm wurde tatsächlich durch ein Erdbeben zerstört und ist dabei in mehrere Teile zerbrochen." 

Das Puzzle. Anhand aller gefundener Teile ist es möglich, die Stadt zu rekonstruieren. Frank Goddio gibt dazu eine Million Daten in den Computer ein, für den ersten Lageplan der beim Erdbeben im Meer versunkenen Stadtteile. 

Gedächtnis. Als Mega-Universität erweiterte und hütete Alexandria das gesamte Wissen seiner Zeit:  Die berühmte Bibliothek umfasste alle bis dahin geschriebenen Bücher (600 000 Stück). Die Geheimnisse des alten Ägyptens, ja, der ganzen Antike, sie wären längst gelöst. Doch zerstörten zwei Großbrände - der erste 48 v. Chr. von Soldaten Caesars gelegt – den antiken Bücherschatz. In der antiken Mega-Metropole (damals schon 2 Mio. Einwohner) studierten die klügsten Köpfe aus aller Welt (14 000), unterrichteten die größten Genies: Euklid, der Einstein der Antike; Archimedes, in seiner Vielseitigkeit erst von dem amerikanischen Multi-Erfinder Thomas Alva Edison übertroffen; der Physiologe Herophilos, als Seelenforscher ein Vorgänger Sigmund Freuds; oder der geniale Konstrukteur Heron, der 2000 Jahre vor dem deutschen Flugzeugbauer Willy Messerschmitt das Prinzip des Düsentriebs entdeckte.

Ein Wissen, das atemlos macht. In Alexandria gab es zum erstmal höhere Mathematik mit großen Zahlen (bis zu 80 Nullen). Archimedes entwickelte z. B. den Flaschenzug, der heute den Archäologen bei der Bergung der schweren Steinblöcke zugute kommt. Astronom Hiparch maß die Länge des Monats bis auf eine einzige Sekunde so präzise wie eine moderne Atomuhr. Euklid erdachte die theoretischen Grundlagen für die moderne Spraydose und Spielautomat, aber auch für die Ventilsysteme moderner Tauchgeräte. Der Geograph Eratosthenes sammelte Informationen bis aus China, und die Karten seines Kollegen Ptolemäus wurden noch von Kolumbus benutzt.

Gigantischer Reichtum. Alexandria zählte 4000 Paläste (der größte gehörte Kleopatra), 4000 Badeanstalten, 400 Theater. Der Welthandel mit Seide, Gewürzen. Parfüm und Glas bescherte Reichtum. Es gab Geschirr aus Gold, bei Partys wandelten die Gäste auf Teppichen aus Rosenblüten. Bei Hoffesten paradierten 57 000 Elitesoldaten mit 23 000 Pferden vor einem 60 Meter hohen goldenen Phallus. Staatsdiener trugen exotische Bäumchen, auf denen Vögel zwitscherten.

Der Untergang. Finanzämter trieben immer neue Abgaben ein, Steuerbetrügern drohte der Strick. Mit dem Erdbeben begann der Niedergang, nach der Eroberung durch die Araber im 7. Jh. wurde die Stadt verlassen. Und als Napoleon an den Ott aller Wunder kam, fand er nur noch ein armseliges Fischerdorf vor...

 

War alles schon mal da? Sie erfrischten das menschliche Gehirn, sie hatten die Idee vom Computer
600 Jahre lang veränderten die Denker von Alexandria mit immer neuen Erfindungen die Welt und das Leben der Menschen. Euklid, der berühmteste Mathematiker aller Zeiten, schrieb um 3OO v. Chr. sein Hauptwerk „Die Elemente der Geometrie" - die 13 Bände wurden Standardlektüre für Wissenschaftler, Techniker, Landvermesser. Herophilos von Thrakien, der erste Anatomieprofessor der Welt, fand den Unterschied zwischen Vene und Arterie, maß mit einer Wasseruhr den Pulsschlag, entdeckte das Nervensystem, untersuchte das Hirn. Aristarcnos von Samos wußte schon um 270 v. Chr., dass sich Die Erde um die Sonne dreht (und nicht umgekehrt). Archimedes von Syrakus, der genialste Ingenieur der Antike, berechnete um 250 v. Chr. die Größe des Weltalls, lehrte Statik und Hebelgesetze, konstruierte Schiffskräne, Planetarien, Brennspiegel (auch zum Anzünden feindlicher Segelschiffe) und seine berühmte Endlos-Bewässerungsschraube. Eratosthenes berechnete bereits 260 v. Chr. den Umfang der Erde. Heron entwarf die allererste Dampfmaschine (nicht gebaut, weil Sklavenarbeit billiger war). Ausserdem erfand er Anker, Blasebalg, Töpferscheibe und Taxameter. Neue Forschungen zeigen, dass ein (noch) unbekanntes Genie um 50 v. Chr. den ersten Analogrechner baute, den frühesten Vorläufer des modernen Computers: 39 bronzene Zahlenräder, mit einer Handkurbel angetrieben, rechneten parallel nebeneinander her.

 

 

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