Kleopatras Liebespalast

Freitag, 29. November 2013

Ihr Mythos überdauerte die Jahrtausende. Ihr Lustschloss versank im Meer. Jetzt fanden Forscher die Ruinen. Eine archäologische Weltsensation

 

Das Wasser ist total verschmutzt, der Schlamm metertief, Abfälle treiben vorbei. Doch unter dem Großstadtmüll im Hafen der ägyptischen Millionenstadt Alexandria liegen die Überreste eines der herrlichsten Bauwerke, die Menschen je schufen. Der Überraschungsfund gibt neue Informationen über die legendäre Besitzerin: Kleopatra VII, die Große (69-30 v.Chr.), Cäsars geliebte, Ägyptens letzte Pharaonin. Porträt einer der umstrittensten Frauen der Weltgeschichte.

Kleopatra, wer ist sie wirklich? Sie ist keine Ägypterin, sondern Makedonierin: Ihr Ahnherr ist Ptolomäus, ein General Alexanders des Großen. Seine Erben regieren drei Jahrhunderte lang am Nil, ohne sich mit den Einheimischen zu vermischen.

Wie sieht sie aus? Kleopatra ist wie ihre Vorfahren blond, mit ca. 1,75 Metern ziemlich groß und schlank. Mit ihrer ausgeprägten Nase und dem energischen Kinn ist sie eine klassische Schönheit.

Wie mächtig ist sie? Die letzte Pharaonin regiert 20 Jahre lang ein Reich, zu dem Ägypten, Libyen, Syrien, Kleinasien, Armenien, Zypern gehören. Sie gilt als hart, ehrgeizig und gerissen – eine Maggie Thatcher ihrer Zeit.

Wie klug ist sie? Kleopatra ist hoch gebildet. Als erstes Mitglied der Herrscherfamilie erlernt sie die ägyptische Sprache. Außerdem spricht sie fließend Arabisch, Hebräisch und Persisch. In ihrem Palast gehen die Professoren Alexandriens ein und aus. Sie selbst schreibt ausführliche Abhandlungen über Medizin und Zauberei.

Wie verführerisch ist sie? Kleopatra nutzt das 3000 Jahre alte Know-how der Ägypter: Wimperntusche, Lidschatten, Rouge, Lippenstift. Sie trägt Kleider aus durchsichtigen Stoffen und schamlos tiefe Dekolletés. Sie bewegt sich mit katzengleicher Eleganz und besitzt eine weiche, melodische Stimme.

Wie gut ist sie in der Liebe? Kleopatra hat schon mir 12 zum ersten Mal Sex. Mit 21 kennt sie so viele Tricks, dass es ihr sogar gelang, den über 30 Jahre älteren, in allen sexuellen Spielarten äußerst erfahrenen Cäsar an sich zu binden.

Wie sieht es in ihrem Palast aus?  Über 500 Zimmer, kostbares Mobiliar aus Edelholz und Elfenbein, goldene Teller und Pokale, Betten aus Purpur und Seide, Disco mit Live-Musik rund um die Uhr, Badezimmer mit fließend heißem und kaltem Wasser, Indoor-Pools, üppige Gärten mit Hollywood-Schaukel - eine eigene, total abgeschirmte, nur den Superreichen zugängliche Szene.

Worin liegt Kleopatras besonderer Zauber?  Wenn sie einen Mann verführen will, versucht sie zuerst seine heimlichen Wünsche herauszufinden. Cäsars Nachfolger Marc Anton zum Beispiel hat eine Vorliebe für obszöne Spaße und sexuell aufreizende Gespräche. Prompt führt ihn Kleopatra in die Bordelle der Stadt, wo sie ausgelassen mit Prostituierten und Zuhältern feiern.

Was geht auf ihren Partys ab? Kleopatra liebt es, eine wollüstige Atmosphäre zu schaffen, in der sie ihre Reize voll ausspielen kann. Zur antiken Version von Disco-Musik gehören Trommeln, Tambourin und schrille Flöten. Dazu tanzen halbnackte Mädchen - die ersten Go-Go-Girls der Geschichte.

Wie ist Kleopatras Sex-Leben? Die Griechen nennen sie boshaft „Meriochane" - das bedeutet: „Die sich zehntausend Männern öffnet“. Angeblich soll sie wahllos Fellatio (Oralsex) mit Männern betreiben - einmal hundert römische Adelige in einer Nacht. Zweifellos führt Kleopatra ein Luxusleben jenseits bürgerlicher Moral, aber viele Berichte über ihre Ausschweifungen stammen von politischen Feinden in Rom, die der Königin schaden wollen.

Wie verschwenderisch ist sie? Einmal schluckt sie zum Spaß ein Perle, die heute eine halbe Million Euro wert wäre. Wenn sie auf Reisen geht, sitzt sie auf dem vergoldeten Heck ihrer Galeere unter einem goldenen Sonnendach. Das Schiff hat Purpursegel und silberne Ruder. Ihre Liebesbriefe schreibt sie auf Platten aus dem kostbaren Halbedelstein Onyx.

Wie stirbt sie?  Als ihr Todfeind Octavian, der spätere Kaiser Augustus, in Ägypten einmarschiert, schließt sie sich in ihrem Mausoleum ein - und lässt sich von einer Schildviper, der giftigsten Schlange Ägyptens, beißen. Sie will um keinen Preis gedemütigt und als Gefangene in Ketten durch Rom geschleift werden.

 

Mission auf dem Meeresgrund

Nach verheerenden Erdbeben und Sturmfluten lag Kleopatras Palast Jahrtausende lang verschollen im Meer. Erst mit modernster Technik konnten seine Überreste lokalisiert werden. Der französische Forscher Franck Goddio (66) vom „Europäischen Institut für Meeresarchäologie“ in Paris und 15 Mitarbeiter fanden auf über 1000 Tauchgängen im Osthafen von Alexandria Statuen, Sphinxen, Säulen, Amphoren und Hieroglyphensteine. Hochentwickelte, lichtstarke Unterwasserkameras lieferten trotz des stark verschmutzten Wassers Fotos, die eine genaue Altersbestimmung und Zuordnung erlaubten. Einige Blöcke wurden außerdem  mit moderner Hebetechnik geborgen und an Land in High-Tech-Labors untersucht. Besonders wichtig war, herauszufinden, wo die zum Teil aus viel älteren Bauten stammenden Steine in die neuen Palastanlagen der Königin eingefügt worden waren. Die Forschungsergebnisse ermöglichten es zum ersten mal, die exakte Topografie der versunkenen Palaststadt zu bestimmen. Die Funde wurden in einem detaillierten Lageplan eingetragen, der jetzt den weiteren Untersuchungen als Grundlage dient. Zusätzlich sollen Computeranimationen ein plastisches Bild des Lebens in der Palaststadt liefern. Zur Zeit Kleopatras umfasste das königliche Quartier mit verschiedenen Palästen (jeder König baute sich einen eigenen dazu), Tempeln, Gärten, Bibliothek (700 000 Bücher), 30 Meter breiten Straßen, Brunnen und eigenem Hafen ein Drittel des gesamten Stadtgebietes.

 

 

 

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